Landtagswahl in Hessen
Duell ohne Knalleffekt – und ohne Sieger

Er ist ein harter Hund - zumindest möchte er es gern sein. Dieser Rolle ist Ministerpräsident Roland Koch (CDU) deshalb auch in der vom Hessischen Rundfunk ausgetragenen Fernsehdiskussion treu geblieben. Andrea Ypsilanti dagegen versuchte, die Politik mit souveräner Menschlichkeit zu verkörpern - und möglichst keine Fehler zu machen.

FRANKFURT. Der große Knall ist in der Sendung ausgeblieben. Nach dem ersten TV-Duell in der hessischen Geschichte gibt es keinen klaren Sieger. Doch ein Signal ist unverkennbar: Wirtschaft und Finanzen werden in der Schlussphase des hessischen Landtagswahlkampfes eine Schlüsselrolle spielen.

Immer wieder lenkte das Moderatorenduo Claudia Schick und Alois Theisen die Duellanten auf die für die Zukunft Hessens entscheidenden Themen: Ausbau des Frankfurter Flughafens, Sanierung der Finanzen, künftige Energieversorgung. Dankbar nahm Koch die Bälle auf: Die SPD wolle nicht nur die Vermögensteuer, sondern auch die hessische Grundwasserabgabe wieder einführen, kritisierte der Regierungschef. Ypsilantis Pläne für eine Abschaffung der hessischen Studiengebühren, der 42-Stunden-Woche für Beamte sowie zusätzliche Ausgaben im Sozial- und Bildungsbereich summierte Koch auf Mehrausgaben in Höhe von 533 Millionen Euro allein in diesem Jahr. Ihr angekündigter Verzicht auf weitere Privatisierungen von Landesvermögen schlügen mit weiteren 500 Millionen Euro zu Buche: "Sie haben nur noch sieben Tage Zeit, zu erklären, wie sie bezahlen wollen, was sie versprechen." Ypsilanti war meist damit beschäftigt, sich so gut es ging zu wehren. Sie widersprach immer wieder Kochs Zahlen. Doch nicht immer konnte sie für Klarheit sorgen.

Erstaunlicherweise spielte das Aufregerthema Jugendkriminalität im Fernsehduell nur eine Nebenrolle. Koch nutzte die Plattform nicht dazu, mit einer neuen Forderung Öl ins Feuer zu gießen. Das negative Echo auf seine Forderung, härter gegen kriminelle Kinder durchzugreifen, hat den Ministerpräsidenten vorsichtig gemacht: "In den Popularitäts- und Sympathiewerten war das ärgerlich."

Schwer zu kalkulieren ist die Wirkung dieses ersten hessischen TV-Duells auf die Wähler. Auch wenn Koch argumentativ und rhetorisch stärker war, der Eindruck bei den Zuschauern kann ein ganz anderer sein. Dies erläutert der Wahlforscher Diether Roth so: "Koch ist sicher der bessere Redner. Aber er ist auch undisziplinierter und aggressiver." Ein derart hartes Auftreten komme bei einem breiteren Publikum nicht gut an, insbesondere nicht bei den Wählerinnen, betonte Roth, ehemaliger Chef der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen.

Ypsilanti dagegen habe in dem Streitgespräch menschlicher gewirkt. Dass die SPD-Politikerin in diesem Fernsehduell so gar nicht wie eine Oppositionsführerin auftrat und Koch nur sachlich angriff, hält der Wahlforscher für einen Vorteil. Ypsilanti habe die Erwartungen vieler Beobachter widerlegt, dass sie als Unterlegene aus diesem Kräftemessen hervorgehen werde. Das TV-Duell habe unentschieden geendet: "Sie kommt sogar mit einem leichten Plus raus."

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