Landtagswahl in Sachsen
Die Spitzenkandidaten in Sachsen

Bisher sind drei Parteien im sächsischen Landtag vertreten. Ob Grüne und FDP bei der kommenden Wahl die Fünf-Prozent-Hürde schaffen zeigt die Wahl am 19. September.

HB DRESDEN. CDU Landeschef Georg Milbradt hat sein Amt mitten in der Legislaturperiode übernommen. Sein Vorgänger Kurt Biedenkopf räumte 2002 nach Affären und zunehmendem Druck aus den eigenen Reihen vorzeitig den Stuhl. Bundesweite Bekanntheit errang Milbradt spätestens als Krisenmanager während der Hochwasserkatastrophe im August 2002. Dabei schien seine Karriere in Sachsen anderthalb Jahre zuvor fast beendet. Im Streit um die Führung der CDU hatte Biedenkopf seinen Finanzminister im Zorn einen „miserablen Politiker“ genannt und den „Kronprinzen“ kurzerhand entlassen. Gut 15 Monate vergingen zwischen Sturz und Aufstieg. Der Westfale - seit 1973 in der CDU - brachte sich über die Wahl zum CDU-Landeschef in Position für das Amt des Regierungschefs, alles gegen den Willen seines Vorgängers. Milbradt gilt als knallharter Finanzpolitiker. Der 59- Jährige ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Mit Peter Porsch hat Sachsens PDS ihren erfahrensten Genossen als Spitzenkandidat aufgestellt. Diese Aufgabe ist für den 59-Jährigen zwar nicht neu, doch diesmal ist sie noch schwerer: Seit Anfang August sieht er sich Stasi-Vorwürfen ausgesetzt. Porsch bestreitet die Anschuldigungen vehement. Dennoch sind die Schlagzeilen eine Bürde im Wahlkampf für seine Partei, die sich derzeit ostweit im Aufwind befindet. Porsch studierte von 1968 an im damaligen West-Berlin Politik und Germanistik. 1973 siedelte er in die DDR über. Ein paar Jahre zuvor hatte er in Jena seine spätere Frau kennen gelernt. 1982 wurde Porsch SED-Mitglied, 1988 Professor an der Karl-Marx-Universität in Leipzig. Dort lehrt er noch immer Dialektologie und Sprachsoziologie. Er sitzt seit 1990 im Landtag, seit 1994 führt er die Fraktion. Viele Jahre war er Chef des bundesweit stärksten PDS-Landesverbandes, bis Juni 2003 saß er auch im PDS-Bundesvorstand. Porsch hat drei Kinder.

Thomas Jurk ist Spitzenkandidat und neuerdings Parteichef der SPD. Bis Ende Juni war Jurk vor allem als SPD-Fraktionschef im Landtag bekannt. Er übernahm die Führung der auf 14 Abgeordnete geschrumpften Fraktion nach dem Wahldebakel seiner Partei 1999. Die SPD bekam damals nur 10,7 Prozent der Stimmen. Kurz nach seiner Wahl zum Spitzenkandidaten Ende Juni übernahm er auch noch das Amt des Parteichefs. Denn seine Vorgängerin und Konkurrentin Constanze Krehl hatte nach langem innerparteilichem Streit das Handtuch geworfen. Der gebürtige Görlitzer gilt als bodenständig und betont gern seine Arbeiterherkunft. Jurk ist von Beruf Funkmechaniker. Er kam erst in der Wendezeit zur Politik und wurde SPD-Mitglied. Ein Jahr später zog er als deren Abgeordneter in den Landtag ein. Über die Stationen Agrar- sowie Finanzsprecher wurde er schließlich Fraktionschef. Jurk ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Die 40-Jährige Antje Hermenau saß bereits in der ersten Legislaturperiode als Abgeordnete im Sächsischen Landtag. Mit ihr wollen die Grünen im dritten Anlauf den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Noch sitzt die gebürtige Leipzigerin im Bundestag als haushaltspolitische Sprecherin. Nachdem die Grünen 1994 nicht mehr in den Landtag kamen, wechselte sie nach Berlin und schaffte drei Mal den Sprung in den Bundestag. Hermenau gehörte 1990 zu den Mitbegründern des Grünen- Landesverbandes in Sachsen.

Holger Zastrow ist der jüngste Spitzenkandidat in Sachsen. Seit 1993 ist der 35-Jährige FDP-Mitglied und hatte sich zuvor beim Aufbau der Jungliberalen in Dresden engagiert. Nachdem die Liberalen 1999 zum zweiten Mal hintereinander den Wiedereinzug in den Landtag verpasst hatten, wurde der Mitinhaber einer Werbeagentur überraschend zum FDP- Landesvorsitzenden gewählt. Der gebürtige Dresdner scharte eine junge Mannschaft um sich und machte in der Folgezeit auch mit kritischen Äußerungen gegenüber der Bundespartei von sich reden.

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