Landtagswahl in Schleswig-Holstein: Analyse: CDU gewinnt nicht aus eigener Stärke

Landtagswahl in Schleswig-Holstein
Analyse: CDU gewinnt nicht aus eigener Stärke

Eine schwache Bilanz der rot-grünen Regierung unter Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) in Schleswig-Holstein hat die CDU nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen zum Gewinner der Landtagswahl vom Sonntag gemacht.

HB KIEL. Die Auswertung der Forschungsgruppe Wahlen: Die bescheidene Regierungsbilanz in Kiel, die katastrophale Bewertung der Wirtschaftslage und die mangelnde Kompetenzwahrnehmung bei der SPD führten zu den Stimmenverlusten von Rot-Grün. Diesen Trend kann auch der große Vorsprung bei der Bewertung von Heide Simonis (SPD) vor ihrem Herausforderer Peter Harry Carstensen (CDU) nicht stoppen. Ohne die größere Beliebtheit der Ministerpräsidentin wäre allerdings das Ergebnis für Rot-Grün angesichts des bundespolitischen Gegenwindes noch schlechter ausgefallen.

Die Visa-Affäre um Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hatte demnach keinen wesentlichen Einfluss auf den Wahlausgang, analysierten die Experten am Sonntag. Auf die Frage, ob die Affäre im Wahlkampf ein wichtiges Thema für sie gewesen sei, antworteten 60 Prozent nach Angaben der Forschungsgruppe Wahlen mit Nein, nur 29 Prozent mit Ja. Die Affäre um den massenhaften Missbrauch von Visa könnte demnach aber Wähler von CDU und FDP zusätzlich motiviert haben, ihre Stimme abzugeben. Für 63 Prozent der Befragten habe die politische Situation im Land die Hauptrolle bei ihrer Wahlentscheidung gespielt, nur für 30 Prozent sei die Bundespolitik ausschlaggebend gewesen, stellte die Forschungsgruppe fest. Nach Angaben von Forsa-Chef Manfred Güllner gibt es unter CDU-Wählern hier eine leichte Ausnahme: "Für Anhänger der CDU steht die Bundespolitik stärker im Vordergrund als für die Anhänger der anderen Parteien, insbesondere der Grünen", sagte Güllner im Fernsehsender n-tv.

Zwar erzielt Amtsinhaberin Simonis mit einem Durchschnittswert von 1,7 eine gute persönliche Bewertung auf der +5/-5-Skala, während ihr Kontrahent Carstensen nur auf 1,0 kommt. In der Woche vor der Wahl sprachen sich 52 Prozent der Wahlberechtigten beim gewünschten Ministerpräsidenten für die Spitzenkandidatin der SPD aus, lediglich 37 Prozent plädierten für Carstensen. Die Zufriedenheit mit der Arbeit der von Simonis geführten Landesregierung fällt aber mit minus 0,1 für eine Landesregierung äußerst bescheiden aus, der grüne Koalitionspartner wird mit minus 0,7 negativ bewertet. Im Vergleich zu vor fünf Jahren hat das Ansehen der rot-grünen Landesregierung damit stark gelitten, damals wurde sie noch mit plus 0,9 bewertet.

Dieses schlechte Ansehen der Landesregierung geht einher mit massiven Verlusten für die SPD bei der Kompetenzzuweisung in wichtigen Themenfeldern. So waren vor fünf Jahren noch 38 Prozent der Meinung, dass die SPD am ehesten Arbeitsplätze im Land schaffen kann, nur 29 Prozent nannten die CDU. Jetzt glauben dies nur noch 21 Prozent von der SPD und 36 Prozent von der CDU. Im Vergleich zu vor fünf Jahren wird die wirtschaftliche Lage außerordentlich negativ beurteilt. So halten jetzt 57 Prozent die wirtschaftliche Lage im Land für schlecht und nur 3 Prozent für gut (teils/teils 39 Prozent). Vor fünf Jahren meinten nur 18 Prozent "schlecht" und 20 Prozent "gut" ("teils/teils": 61 Prozent). Eine deutliche Mehrheit von 58 Prozent ist jetzt der Meinung, dass es Schleswig-Holstein wirtschaftlich schlechter geht, als anderen westlichen Bundesländern.

Innerhalb der Berufsgruppen erreicht die SPD weiterhin bei den Arbeitern ihr bestes Ergebnis, allerdings muss sie im Vergleich zur Gesamtheit gerade hier mehr als doppelt so hohe Verluste hinnehmen (minus 13 Prozentpunkte). Ebenso große Einbußen verzeichnet sie auch bei den Arbeitslosen (minus 13). Die CDU schneidet vor allem bei den über 60-Jährigen gut ab, hier kommt sie auf 48 Prozent. Am höchsten fallen die Stimmengewinne bei den 30- bis 44-Jährigen mit plus acht Prozentpunkten aus, bei den über 60-Jährigen erzielt sie ein Stimmenplus von fünf Prozentpunkten. In den anderen Altersgruppen kann die CDU nur leichte Zuwächse verbuchen.

Die Zahlen basieren auf einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen unter rund 1000 Wahlberechtigten in Schleswig-Holstein in der Woche vor der Wahl sowie 6722 Wählern am Wahltag.

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