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Landtagswahl Niedersachsen: Der nette Herr Rösler fällt zu Hause durch

Philipp Rösler kämpft: um den Einzug der Liberalen in den Landtag, um den Parteivorsitz, ums Überleben der FDP. Doch viele Wähler haben ihn abgeschrieben. Was geht in einem Mann vor, der selbst sein treuester Fan ist?

Hannover/Osnabrück„Kennst du nicht das Sprichwort in Niedersachsen?“ Halb hat sich Philipp Rösler auf seinem Platz im Bus nach hinten umgedreht. „Wer mit dreißig noch nicht verheiratet ist, muss kehren, bis ihn eine Jungfrau erlöst.“ FDP-Chef Rösler sagt es zu Lasse Becker, dem Vorsitzenden der Jungen Liberalen (Julis), und er wirkt dabei fast lässig. Kurz kabbeln sich die zwei, denn im März wir Becker 30. Dann steht Rösler auf, um im FDP-Wahlkampf-Bus nach vorne zu gehen, zu den anderen Julis, die er heute von Bückeburg nach Osnabrück begleitet.

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Die meisten Julis kennen den Bundesparteichef gut. „Offen und lieb“ sei Rösler, sagt Kerstin Melles, die Kreisvorsitzende der Julis Osnabrück. Und er habe immer „einen flotten Spruch“ auf den Lippen. „Ich fühle mich von ihm ernst genommen“, sagt die 25-Jährige. Doch das ist die Binnenwahrnehmung der Partei – draußen auf den Straßen in Niedersachsen ist die Stimmung eine ganz andere.

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Selbst beim Heimspiel mit den Jungen Liberalen klingt hier und da durch, dass Rösler vielleicht nicht der richtige Kopf für die Spitze der FDP sein könnte. Daher ist Rösler auch bei der Wahlkampftour durch Niedersachsen nicht wirklich entspannt. Und das ist kein Wunder. Denn in Niedersachsen steht für die FDP nicht nur die Regierung auf dem Spiel, sondern auch der Verbleib im Landtag.

Und doch geht es um noch so viel mehr. Es geht um die Zukunft des Parteichefs Rösler. Denn eine weitere Wahlniederlage in einem Bundesland wird er kaum wegstecken können. Und es geht um das parlamentarische Überleben der FDP: der Wiedereinzug in den Bundestag im Herbst ist keineswegs sicher, Niedersachsen könnte zum Fanal werden.

Dabei sind es vor allem die eigenen Reihen, die es Rösler so schwer machen: In der Partei tobt seit Wochen ein Machtkampf um Parteichef-Personalie. Rösler musste harte Kritik einstecken, zum Beispiel von FDP-Generalsekretär Dirk Niebel, der offen Röslers Zukunft als Parteivorsitzender anzweifelte.

Der tiefe Fall der FDP

  • September 2009

    Die FDP mit ihrem Spitzenkandidaten Guido Westerwelle erzielt bei der Bundestagswahl mit 14,6 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis auf Bundesebene.

  • Dezember 2009

    Die FDP setzt kurz nach Regierungsantritt die Senkung der Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen durch. Den Liberalen wird fortan Klientelpolitik vorgeworfen.

  • Februar 2010

    In Umfragen sackt die FDP deutlich ab. Westerwelle löst mit folgender Äußerung in der Hartz-IV-Debatte heftige Kritik aus: "Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein."

  • Mai 2010

    Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen verliert die schwarz-gelbe Landesregierung ihre Mehrheit. Einen Tag nach der Wahlschlappe rückt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von Steuersenkungsplänen ab, einem zentralen Wahlversprechen der FDP.

  • März 2010

    Eine Serie von Landtagswahlen wird zum Fiasko: Weder in Sachsen-Anhalt noch in Rheinland-Pfalz schafft es die FDP ins Parlament. In Baden-Württemberg erreicht sie magere 5,3 Prozent.

  • April 2011

    Angesichts wachsender parteiinterner Kritik kündigt Westerwelle den Rückzug vom Parteivorsitz an, will aber Außenminister bleiben. Kurz darauf einigen sich die FDP-Gremien auf Gesundheitsminister Philipp Rösler als neuen FDP-Chef.

  • Mai 2011

    Rösler wechselt vom Gesundheits- ins Wirtschaftsministerium, der bisherige Ressortchef Rainer Brüderle wird Fraktionschef. Rösler gelingt es bei seiner Wahl auf dem Parteitag in Rostock, Aufbruchstimmung zu erzeugen.

  • September 2011

    Die Schwäche der FDP hält an: Bei der Wahl in Berlin stürzt sie auf 1,8 Prozent ab.

  • Oktober 2011

    Eine Gruppe um den FDP-Abgeordneten Frank Schäffler sammelt mehr als 3500 Unterschriften von Parteimitgliedern und erzwingt damit einen Mitgliederentscheid zur Europapolitik. Schäffler will die FDP in dem Entscheid gegen den Willen der Parteiführung auf ein Nein zum geplanten Euro-Rettungsfonds ESM festlegen.

  • Dezember 2011

    Der Euro-Entscheid stiftet Unruhe in der Partei. Die Initiatoren werfen der Parteispitze Behinderung vor. Am Tag nach Einsendeschluss für die Stimmunterlagen erklärt Generalsekretär Christian Lindner seinen Rücktritt. Der bisherige Bundesschatzmeister Patrick Döring wird sein Nachfolger.

  • März 2012

    Lindner kehrt nach dreimonatiger Auszeit als FDP-Spitzenkandidat für Nordrhein-Westfalen auf die politische Bühne zurück.

  • Mai 2012

    In Schleswig-Holstein kommt die FDP mit Landeschef Wolfgang Kubicki trotz Einbußen mit 8,2 Prozent sicher in den Landtag. Bei den vorgezogenen Landtagswahlen in NRW verbessern sich die Liberalen um fast zwei Punkte auf 8,6 Prozent. Lindner hatte zuvor noch den FDP-Landesvorsitz übernommen.


  • August 2012

    Kubicki drängt auf die Ablösung Röslers und wirbt für Lindner als neuen FDP-Bundesvorsitzenden. Eine offene Personaldebatte tritt er damit aber nicht los. Bis zur Landtagswahl in Röslers Heimatland Niedersachsen im Januar 2013, so die Hoffnung vieler Spitzenliberaler, soll die Partei still halten.

  • November 2012

    Die FDP setzt in der Koalition ihre Forderung nach Abschaffung der Praxisgebühr durch - ein Erfolg auch für Rösler. Allerdings muss sie dafür dem ungeliebten Betreuungsgeld zustimmen.

  • Dezember 2012

    Entwicklungsminister Dirk Niebel regt an, Parteivorsitz und Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl zu trennen. Seine Ideen sorgen für Unruhe. Die parteiinterne Kritik an Rösler wird lauter.

  • Januar 2013

    Die FDP geht nervös ins entscheidende Wahljahr. Rösler lässt offen, ob er im Frühjahr erneut für den Parteivorsitz kandidiert. Die Partei diskutiert offen über seine Führungsqualitäten. Röslers politisches Überleben, so die allgemeine Einschätzung, ist eng mit dem Abschneiden der FDP bei der Niedersachsen-Wahl am 20. Januar verknüpft.
    Doch dann gewinnt die FDP in Niedersachsen knapp zehn Prozent - und Rösler fordert eine Entscheidung. Er sei bereit auf den Vorsitz zu verzichten, wenn Rainer Brüderle übernimmt. Doch der zuckt zurück - und am Ende steht eine Zwitterlösung: Die FDP will mit dem Parteivorsitzenden Rösler und dem "Spitzenmann" Brüderle als Tandem in den Bundestagswahlkampf ziehen.

Auf dem Dreikönigstreffen machte Rösler keine gute Figur. Und die neuen Umfrage-Tiefstwerte für die FDP tun ihr Übriges, um die Diskussion um seine Person nicht verebben zu lassen.

Doch jetzt ist Rösler in Niedersachsen. Genau gesagt August-Holweg-Platz, Ricklingen, Wahlkreis 27, Hannover: Der 100er Bus tuckert vor sich hin und wartet auf neue Fahrgäste. Neben dem Altglascontainer stapeln sich leere Wein- und Schnapsflaschen. Dahinter drängen sich zehn Marktstände auf dem kleinen Platz.

Irgendwo hier soll Wilfried Engelke, der FDP-Kandidat von Hannover-Ricklingen, Wahlkampf machen. Ein paar Rentner eilen über den Markt. Keine Zeit für ein Schwätzchen, der Wind pfeift kalt zwischen den Ständen. Doch keine Spur von der FDP. Vielleicht hat sie schon aufgegeben.

  • 07.02.2013, 18:42 Uhrr-tiroch@t-online.de

    wenn es stimmt was bereits zu lesen ist, wird der Rösler noch größere probleme bekommen. er soll ebenfalls ein plagiatsträger sein. wenn es stimmt ist die politik total verkommen.

  • 14.01.2013, 23:30 Uhrrelief

    Überflüssig wie ein Kropf - ist die FDP heute.

    Sie hat ihre Chance gehabt und sie hat sie nicht ergriffen. Der arme Herr Rösler hat nur insofern Schuld, als er sich nicht energisch gegen Zumutungen gestellt hat. Westerwelle hätte sofort abserviert gehört, die Frau Leutheuser ist nur peinlich.

    Als Schäffler bezgl. des ESM den Mitgliederentscheid durchführen ließ hätte Rösler sich für Schäffler einsetzen müssen statt den Altvorderen der FDP nachzulaufen. Aber der arme Herr Rösler hat vermutlich gar nicht begriffen, um was es ging.

    Die Wirtschaftskompetenz der FDP ist heute am Nullpunkt angelangt. Peinlich für eine Partei, bei der die Soziale Marktwirtschaft das Aushängeschild ist.

    Der Euro wird zunehmend zur Katastrophe und die Rettungsmaßnahmen machen es für die zu Rettenden sowie für die "Retter" nur noch schlimmer.

    Der gute alte Graf Dahrendorf (FDP!!!), Gott hab' ihn selig, sagte, weise vorausschauend: Der Euro ist ein Sprengsatz für Europa. Wie recht er hatte. Noch nie haben die Völker Europas so schlecht übereinander gesprochen wie heute.

    Wenn man auf die FDP blickt sieht man nur noch Karrieristen, Leute, die nichts riskieren und an ihren Ämtern kleben.

    Hätte die FDP für Schäfflers Antrag gestimmt, wäre sie jetzt, intellektuelles Potential zur Vermittlung ihrer Haltung vorausgesetzt, bei 20% statt sich der 2% Marke zu nähern.

  • 14.01.2013, 22:01 UhrJoe_Walton

    Die Dame hat sich wohl für eine offene Stelle angeboten, und ganz genau gepa0t haben, oder wie ist die im Handelsblatt untergekommen?

    Und vorher hat sie wohl ein Praktikum bei Spiegel-Online gemacht: Der Artikel ist substanzlos, hetzerisch und kleinkindlich formuliert. Eine typosche 08/15-Schreibe. Selbst die Texte in unserer Schülerzeitschrift waren damals stilistisch besser, als diese Aneinanderreihung.

    Jedesmal, wenn ein Kinderbuch in diesem Stil verbrochen wurde, sind die Leben und das Sprachgefühl ein paar tausender Kleinkinder ruiniert.

    So ein Gequake will ich im Handelsblatt nicht mehr lesen!

    Naja, unser Freund und Helfer - Da steckt ja des Pudels Kern auch schon im Namen.

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