Landtagswahl Saarland
Heiko Maas: Ein nicht ganz Neuer für das Saarland

Er ist anders und legt auch durchaus Wert, darauf, so zu erscheinen: Heiko Maas' vorranginges Ziel war lange Zeit, einen genügend großen Abstand zwischen sich und den ehemaligen Saar-SPD-Chef Oskar Lafontaine zu gewinnen. Jetzt, kurz vor der Wahl im Saarland, macht sich das bezahlt - zumindest bei den SPD-Anhängern.
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„Heiko Maas. Der neue Mann“: Der griffige Slogan verdeutlicht die Strategie der saarländischen SPD, ihren Kandidaten für den Posten des Ministerpräsidenten von dem CDU-Platzhirsch Peter Müller und dessen zu den Linken konvertiertem Vor-Vorgänger Oskar Lafontaine klar abzugrenzen. „Sie sind sich sehr ähnlich. Sie sind beide sehr laut, sehr unberechenbar und ebenso populistisch“, urteilt Maas über seine Konkurrenten.

Noch vor einem Jahr hatten selbst eigene Parteifreunde Bedenken, ihr Landes- und Fraktionschef werde zwischen Müller und Lafontaine zerrieben. Inzwischen hat der 42-jährige Jurist jedoch den vermeintlichen Nachteil positiv umgemünzt und als Markenzeichen etabliert. Ob Plakatbilder mit Drei-Tage-Bart oder betont unaufgeregte, ruhige Diskussionsbeiträge, starke Präsenz in Internet-Communities oder Interviews: Überall versucht Maas zu unterstreichen, dass er „anders“ ist und auch sein will als Müller und Lafontaine.

Kein Wunder, dass die CDU immer wieder an diesem Punkt ansetzt, nachdem sie ihre monatelange Taktik, nur Lafontaine als echte Herausforderung darzustellen und Maas einfach zu ignorieren, nicht mehr durchhalten konnte. „Von wegen neuer Mann“: Maas habe ebenso wie Lafontaine seine Chance gehabt und beide hätten versagt, warnt Regierungschef Müller. Tatsächlich war Maas 1996 mit nur 30 Jahren von Lafontaine als Staatssekretär ins Umweltministerium berufen worden. Zwei Jahre später folgte der Aufstieg zum Minister, allerdings unter Lafontaines Nachfolger Reinhard Klimmt.

Mit Triathlon gestählt

Das Emanzipieren der Saar-SPD von ihrem früheren Übervater Lafontaine war für Maas ein hartes Stück Arbeit. Noch im letzten Wahlkampf, der mit einer katastrophalen Niederlage endete, musste Maas auf Kosten eines klaren Profils ständig lavieren, um den Laden zusammenzuhalten. Nun wird es dem auch sportlich mit Triathlon gestähltem Oppositionschef als große Leistung zugutegehalten, dass die Partei wieder eine Machtperspektive vor Augen hat.

Dabei hat es Maas fertiggebracht, weder eine Zusammenarbeit mit den Linken noch eine Große Koalition auszuschließen und von der Bundespartei ausdrücklich freie Hand zu erhalten. Auch in seinem „Kompetenzteam“ spiegelt sich diese Bandbreite wider: Als ersten potenziellen Minister stellte Maas den Parteilinken Ottmar Schreiner vor. Mit der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Astrid Klug, wurde eine prominente Netzwerkerin eingebunden. Hinzu kam eine bunte Mischung von politischen Neulingen und altgedienten Kommunalpolitikern. Aus den früheren Lafontaine-Kabinetten fand jedoch keiner Berücksichtigung.

Die Botschaft von Maas dabei ist klar: Die frühere SPD-Regierungszeit inhaltlich zwar nicht verleugnen, aber doch mit anderem Stil ein neues Kapitel aufschlagen. Mit diesem Rezept hofft der durchaus machtbewusste Familienvater, den Einzug in die Staatskanzlei zu schaffen.

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