Landtagswahl
Schleswig-Holstein: Kleines Land, große Wirkung

Am 27. September ist Bundestagswahl - und Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Letztere ist enorm spannend. Denn im Norden geht es um offene Rechnungen und die Frage, ob Schwarz-Gelb selbst bei einem Sieg im Bund Probleme bekommt.

BORDESHOLM/BÜSUM. In Büsum, direkt am Deich, weht der Wind in voller Stärke. Am Hafen dröhnt die Blaskapelle tapfer dagegen an, Peter Harry Carstensen zieht sich sein orangefarbenes Regencape über und betritt den Platz. Der Wind ruckelt an der Bühne, der Ministerpräsident kalauert sich in Stimmung. "Wer 100 Jahre lang Fisch isst, wird alt!" Wo er schon mal in Fahrt ist, nimmt er sich die SPD vor. "Wenn die Selters kriegen, singen die Trinklieder."

191 Zentimeter stehen da am Mikrofon, sturmfest. Eine Serviette wirbelt an "Kuhlmanns Hafenpick" vorüber, gleich wird es ein wenig regnen, und Carstensen wendet sich anderen Turbulenzen zu: denen seiner Landesbank, der HSH Nordbank.

Die ist der Grund dafür, dass es mal wieder Neuwahlen gibt in Schleswig-Holstein, am 27. September, dem Tag der Bundestagswahl. Die Menschen im Land sind daran gewöhnt, außerplanmäßig zu Wahlen gebeten zu werden. Der gepflegte Koalitionsbruch beziehungsweise Ministerpräsidentenrücktritte haben dort eine gewisse Tradition. Barschel, Engholm, Simonis.

Dieses Mal liegt es nicht an Ehrenworten oder Stimmenthaltungen, dieses Mal haben der Beinahecrash einer Bank und Bonuszahlungen für Manager die regierenden Parteien entzweit. Im Sommer eskalierte die leidenschaftliche Intimfeindschaft zwischen dem gemütlichen Landesvater Carstensen und SPD-Chef Ralf Stegner, dem scharfzüngigen Intellektuellen. "Dorfdepp", ätzt die SPD über Carstensen. "Kotzbrocken", nennt die CDU Stegner.

Carstensen witterte die Chance, die von ihm ungeliebte Große Koalition in Kiel mit einer Vertrauensfrage vorzeitig zu beenden. Statt auf das Ende der Legislatur im Mai 2010 zu warten. Vielleicht nicht ganz zufällig bedeutet das, dass sich am 27. September in Kiel viel mehr entscheidet als die Zukunft des nördlichsten Bundeslandes: Zwischen Pinneberg und Stormann geht es darum, ob Union und FDP nach der Wahl im Bundesrat eine Mehrheit haben. Oder anders: Ob Kanzlerin Angela Merkel, falls sie die Wahl gewinnt, gemeinsam mit der FDP souverän regieren kann.

Ralf Stegner wartet vorm Eingang des Supermarkts in Molfsee, eine rote Rose in der einen Hand, sein Bewerbungsschreiben in der anderen. Unter einem Sonnenschirm mit SPD-Logo stehen zwei Eimer voll mit Rosen, "Quality II" steht auf der Verpackung. Es ist 14 Uhr, eine Zeit, zu der kaum ein Mensch einkauft. Aber Stegner bleiben nur noch zwei Wochen. Und wer Wahlkampf führt, der muss immer unterwegs sein. So ist das. Jede Stimme zählt.

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