Landtagswahl Thüringen
Dieter Althaus: Trotz Ski-Unfalls in Thüringens CDU alternativlos

Innerhalb der CDU ist Althaus unangefochten. Daran konnte auch sein Unfall auf der Skipiste nichts ändern. Doch bei der kommenden Landtagswahl droht seine Partei, die absolute Mehrheit abzugeben. Selbst eine Koalition mit der FDP könnte eventuell am Wähler scheitern.
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Ein unachtsamer Moment am Neujahrstag schien für Dieter Althaus das Ende seiner glanzvollen Karriere zu bedeuten. Der thüringische Ministerpräsident war als Skifahrer in Österreich gegen die Fahrtrichtung in eine Piste eingebogen und mit einer Frau zusammengestoßen, die dabei getötet wurde. Althaus, der schwere Kopfverletzungen erlitt, wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt und musste lange pausieren. Doch vor vier Monaten kehrte er in die Politik zurück, woran er nach eigenen Worten nicht einen Moment gezweifelt hatte.

Seitdem hat er die Regierungsgeschäfte in der Erfurter Staatskanzlei wieder aufgenommen. Als unbestrittene Nummer Eins in seiner Partei führt er die CDU Thüringen als Spitzenkandidat in den Landtagswahlkampf. Und der ist ganz auf den 51-Jährigen zugeschnitten. Anfangs spielte der tragische Skiunfall dabei keine Rolle, doch dann gab der Regierungschef in Boulevardzeitungen bereitwillig über sein Befinden, seine Sensibilität und auch über seine Ehe Auskunft.

Dies veranlasste Oppositionspolitiker zu harschen Reaktionen. Politisch setzt Althaus auf Kontinuität. Was das Wahlkampfziel angeht, spricht er seit einiger Zeit lieber von „Gestaltungsmehrheit“, was auch eine Koalitionsregierung beinhaltet. Denn erstmals nach zehn Jahren könnten die Christdemokraten in Thüringen die absolute Mehrheit verlieren. Eine Koalition würde die CDU zwar am liebsten mit der FDP eingehen, dafür ist allerdings nach den Umfragen eine Mehrheit fraglich. Doch auch ein Bündnis mit der SPD ist denkbar. Hauptgegner ist die Linkspartei.

Vertrauter Merkels

In der Bundespartei gilt Althaus als Vertrauter der CDU-Chefin, Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bundesweit regte er ein sogenanntes Bürgergeld an. Danach sollte jeder Bürger ein Grundeinkommen von 800 Euro im Monat erhalten, wodurch Transferleistungen wie das Arbeitslosengeld II entfallen könnten. In Thüringen setzte Althaus gegen Widerstände eine eigene Familienpolitik durch. Hier können die Eltern wählen, ob sie ein monatliches Betreuungsgeld beziehen oder ihren Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz vom zweiten Lebensjahr an wahrnehmen.

Der einstige Lehrer für Mathematik und Physik war fünf Jahre vor der Wiedervereinigung in die CDU-Blockpartei der DDR eingetreten. 1987 wurde er stellvertretender Direktor und ab Januar 1990 Kreisschulrat des Landkreises Heiligenstadt.

Mit der Wahl zum Mitglied des ersten Thüringer Landtags am 14. Oktober 1990 begann für den Vater zweier Töchter eine steile Karriere: Bereits im Februar 1992 machte ihn der damalige Ministerpräsident Bernhard Vogel als sein Ziehvater zum Kultusminister. Von 1993 bis 2000 war Althaus stellvertretender Landesvorsitzender der CDU, am 4. November 2000 übernahm der „Kronprinz“ den Parteivorsitz und am 5. Juni 2003 auch das Ministerpräsidentenamt von Vogel. Ein Jahr später gewann Althaus erstmals aus eigener Kraft eine Landtagswahl.

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