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Landtagswahlen 2014

Erfolge in Brandenburg und Thüringen
Das AfD-Phänomen

Die AfD setzt ihren Siegeszug fort. Erst vor eineinhalb Jahren gegründet, schaffen die Euro-Kritiker mit Brandenburg und Thüringen den Sprung in zwei weitere Landesparlamente. Warum zieht die Partei so viele Wähler an?
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BerlinBernd Lucke redet nicht gerne um den heißen Brei, schon gar nicht, wenn es um die Zukunftsaussichten seiner Partei geht – der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD). Schnell analysiert er die Wahlerfolge seiner Partei in Brandenburg und Thüringen. Die Ergebnisse zeigten, „dass die AfD als Partei jetzt endgültig angekommen ist in der deutschen Parteienlandschaft“.

Dass die AfD nun in drei Landtagen vertreten ist, so Luckes Hintergedanke, soll erst der Auftakt für den Sturmlauf in die deutschen Parlamente sein. Denn viel mehr noch als der Einzug ins ferne Europaparlament vor drei Monaten zählt für die AfD die Präsenz in der deutschen Tagespolitik. Und dieses Kalkül scheint aufzugehen. In Brandenburg und Thüringen gelingt der Partei, die erst vor eineinhalb Jahren gegründet wurde, problemlos der Sprung in die Landesparlamente. Nächstes und übernächstes Jahr sollen Bürgerschaften und weitere Landtage erobert werden. 2017 will Lucke dann seine Mannschaft in den Bundestag führen.

Der neuerliche Triumph der Lucke-Partei hat unterschiedliche Gründe. Vor allem, dass sie in Ostdeutschland nicht mehr nur als Anti-Euro-Partei in Erscheinung trat, sondern als stramme Hardliner-Truppe. Trotz ihrer Abgrenzungsprobleme zum äußeren rechten Rand, biete die AfD für konservative Wählerschichten, die sich durch die Modernisierungspolitik von Kanzlerin Angela Merkel bei der CDU nicht mehr heimisch fühlten, eine Alternative, sagt der Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer. „In diesem Bereich spricht sie geschickt Themen wie Immigration und Grenzkriminalität an, bei denen sich ein Teil der Wähler von den anderen Parteien mit ihren Ängsten und Problemen allein gelassen fühlt.“ Merkel hat das erkannt, aber zu spät. Erst vergangene Woche ermahnte sie ihre eigene Partei, Themen und Ängste der Bürger anzusprechen, die mögliche AfD-Wähler bewegten.

Solche Themen halfen schon der Sachsen-AfD zum Erfolg und jetzt auch den Wahlkämpfern in Brandenburg und Thüringen. Als günstig dürfte sich zudem erwiesen haben, dass die schwache FDP kein Bein mehr auf den Boden bekommt. Die Liberalen schnitten in den beiden Ländern so schlecht ab, dass sie in der Statistik gar nicht mehr einzeln, sondern nur noch in der Rubrik „Sonstige“ aufgeführt werden. „Der Erfolg der AfD erklärt sich meiner Meinung nach aus ihrer ökonomischen Positionierung als marktliberale Partei, die einen Teil des traditionellen Mittelstands von der FDP abzieht“, sagt Niedermayer. Hinzu komme die gesellschaftspolitische Positionierung der AfD als national-konservative Partei.

Der Potsdamer Parteienforscher Jürgen Dittberner findet, dass sich die AfD zu einem für sie günstigen Zeitpunkt gegründet hat. „Gerade in der Zeit der Euro-Krise kam die Partei auf die Bühne. Das war ein gutes Timing“, sagte Dittberner dem Handelsblatt. Mittlerweile sei die Partei zudem „so eine Art Sammelbecken für Unmut gegen die politische Korrektheit und den verkürzten politischen Diskurs der Großen Koalition in Berlin“.

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  • Warum seid ihr immer so gemein zueinander? Geht doch lieber respektvoll und nett miteinander um und liebt euren Nächsten! Nur Liebe hält die Welt zusammen <3

  • Warum seid ihr immer so gemein zueinander? Geht doch mal respektvoll und nett miteinander um und liebt euren Nächsten! Nur Liebe hält die Welt zusammen <3

  • "Eine gute Regierungspolitik" will Angela Merkel machen und damit die AfD klein halten. Das hängt aber nicht nur von ihr bzw. der Union ab. Die neue Partei hat auch kräftig Stimmen von den Linken, der SPD und von den Nichtwählern hinzu gewonnen. Für mich ist das ein klares Zeichen für das rechtskonservative Potential, das in der Bevölkerung, trotz aller Umerziehungsmaßnahmen, noch immer vorhanden ist. Das zu ignorieren ist für die Union gefährlich. Der Schuss kann nach hinten losgehen.

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