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Landtagswahlen 2014

Interview mit Alexander Gauland
„Die NPD ist zu igittigitt, da bleibt nur noch die AfD“

Als Spitzenkandidat will Alexander Gauland die AfD in den brandenburgischen Landtag führen. Im Interview spricht das Ex-CDU-Mitglied über die Russland-Politik, Koalitionsoptionen und Gemeinsamkeiten mit der Linkspartei.
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BerlinAlexander Gauland ist ein umtriebiger Mann. Lange Zeit gehörte er der CDU an, und er war Staatssekretär in Hessen. Jetzt will der 73-Jährige seine politische Karriere krönen, indem er die AfD in den brandenburgischen Landtag führt. Er wäre dann der älteste Abgeordnete im Potsdamer Landtag. Und Alterspräsident. Die Chancen dafür stehen gut. Gauland weiß das. Entsprechend gelassen gibt er sich beim Interview - und plaudert am Rande des Gesprächs aus dem Nähkästchen. Er erzählt von seiner Leidenschaft für elegante klassische Möbel, von seiner Zeit, als er in England gelebt hat. Heute lebt Gauland in der Berliner Vorstadt in Potsdam in einer großzügigen Altbauwohnung. Nur eine Straße weiter am Heiligen See residieren Günther Jauch und Wolfgang Joop.

Herr Gauland, ist die AfD eine Denkzettel-Partei?

Alexander Gauland: Es ist auch Protest, der zum Ausdruck kommt, wenn die Leute uns wählen. Ich glaube, dass sich an der Euro-Rettung vieles festmacht. Das ist symbolisch für verschiedene Fehlentwicklungen, die die Leute plötzlich nicht mehr mögen. Wir sind zwar die Anti-Eurorettungs-Partei, wir ziehen aber auch Bürger an, für die der Euro gar nicht so sehr im Vordergrund steht.

Zum Beispiel?

Das hat mit einer allgemeinen Unzufriedenheit mit denen da oben zu tun, die sowieso machen, was sie wollen. Das macht sich an der Asylpolitik fest oder an der Familienpolitik. Den Leuten geht die Politik der etablierten Parteien dazu gegen den Strich. Deshalb wählen sie lieber Parteien wie uns, wo sie davon ausgehen können, dass wir ihnen zuhören.

Die Wähler könnten aber auch andere Parteien wählen – die NPD oder die Piraten.

Die NPD ist mit ihrer Nähe zur Nazi-Zeit für viele, die einen Denkzettel austeilen wollen,  unwählbar. Und die Piraten vermitteln Botschaften, mit denen die Menschen überwiegend nichts anfangen können. Netzpolitik interessiert eben nicht jeden. Das reicht nicht, um als Protestpartei profitieren zu können. Und die NPD ist zu igittigitt. Da bleibt nur noch die AfD.

Trotzdem sind viele Politiker in den etablierten Parteien, etwa der CDU-Generalsekretär Tauber oder der Unions-Fraktionschef Kauder, der Ansicht, dass die AfD ein kurzfristiges Phänomen ist, ähnlich wie die Piraten.

Das würde ich auch so sehen, wenn ich Herr Kauder wäre. Was soll er denn sonst auch sagen? Unser Ziel ist, unsere Botschaften so klar wie möglich in die Gesellschaft zu tragen, dass die anderen Parteien Angst haben müssen, immer mehr Vertrauen bei den Wählern einzubüßen. Je stärker wir werden, desto größer der Wille in den anderen Parteien, unsere Positionen zu übernehmen oder wenigstens zu bedenken. In der CDU und in der FDP gibt es ja mit Herrn Bosbach und Herrn Schäffler durchaus Politiker, die kritisch zur Euro-Rettung stehen. Je stärker die werden, umso größer ist unser Erfolg. Das Mitregieren ist da erstmal zweitrangig.

Kommentare zu " Interview mit Alexander Gauland: „Die NPD ist zu igittigitt, da bleibt nur noch die AfD“"

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  • Ironie-Tags vergessen ?

    "europäischer Leistungsbürger mit mindestens 7-stelligen Beträgen ans FA"

    Die Griechen lieben Menschen wie Sie und sagen Danke für all die netten Transfers.

  • Die AfD ist ein brauner Rattenfänger-Verein, für dumme und leicht zu manipulierende Menschen nach dem gleichen Schema wie es einst Hitlers Schergen gemacht haben.

    Als cleverer und intelligenter europäischer Leistungsbürger mit mindestens 7-stelligen Beträgen im Jahr ans FA meidet man dieses tumbe Gesocks wie der Teufel das Weihwasser. So einfach ist das. Over and out !

  • "Es geht darum, dass eine AfD der NPD politisch so nahe steht, dass sie von einem nennenswerten Teil der NPD-Anhänger wählbar wird."
    Das müssen Sie mir erklären. Die Wählersttistiken sagen m.E. etwas anderes aus.

    "In 20 Jahren wird niemand mehr danach fragen, ob der Flughafen 5, 8 oder 10 Jahre verspätet eröffnet wurde."

    Ihre Ignoranz gegenüber
    Steuerverschwendung ist unerträglich. Aber sie haben sich dafür den passenden Nickname rausgesucht.

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