Special

Landtagswahlen 2014

Interview mit Holger Zastrow
„Ohne Euro-Kritiker hat die FDP keine Zukunft“

Ende August könnte die FDP in Sachsen ihre letzte Regierungsbeteiligung verlieren. Im Interview sagt Landeschef Zastrow, wie er das verhindern will. Für den Wiederaufstieg der Bundespartei hat er auch Ratschläge parat.
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Auf Holger Zastrow wartet keine leichte Aufgabe. Er muss die letzte Regierungsbastion der Liberalen verteidigen. In Sachsen wird am 31. August ein neuer Landtag gewählt. Die Umfragen sehen die FDP von Landeschef Zastrow bisher klar draußen. Für die Liberalen wäre das nach dem historischen Debakel bei der Bundestagswahl und dem heftigen Einbruch bei der Europawahl der dritte Nackenschlag. Zastrow sieht die Lage gelassen. Er weiß, die FDP hat in der Vergangenheit viele Fehler gemacht hat und ein Wiederaufstieg Zeit braucht. Im Interview betont er, dass es für ihn bei der Landtagswahl nicht um seine persönliche Existenz geht. Er brauche keinen Plan B, weil er nie Berufspolitiker gewesen sei. Fliegt seine Partei in zwei Monaten aus dem Landesparlament geht es für ihn in seinem eigenen Unternehmen weiter.

Herr Zastrow, bei der letzten Landtagswahl vor fünf Jahren erzielte die FDP 10 Prozent. In Umfragen liegen sich jetzt zwischen 2 und 4 Prozent. Wie erklären Sie sich diesen Absturz?

Wir haben uns in Berlin angesteckt. Bis zur Bundestagswahl lagen wir solide über 5 Prozent. Danach ging es nach unten. Das war zu erwarten. Das ist nun mal unser Schicksal.

Die Bundestagswahl liegt aber jetzt schon einige Zeit zurück.

Der Schaden, der nach dem historischen Wahldebakel eingetreten ist, ist aber auch immens groß. Und die Partei hat dann natürlich Zeit für den Umbau gebraucht. Der ist auch noch nicht abgeschlossen. Der Wiederaufstieg geht nicht von heute auf morgen. Das dauert. Die Marke FDP ist durch die Regierungspolitik in Berlin und die verlorene Wahl nachhaltig schwer beschädigt worden. Das dominiert derzeit die Sicht auf die FDP. Das haben wir auch bei der Kommunalwahl bemerkt, auch wenn wir in Sachsen als einziger Landesverband über fünf Prozent geholt haben.

Im Januar haben Sie noch als Wahlziel ausgegeben, die 10 Prozent verteidigen zu wollen und sagten, das sei „schaffbar“. Sind Sie immer noch dieser Ansicht?

Wir haben eine sehr bewegliche Wählerschaft. Mein Eindruck ist, dass es für uns jetzt wieder nach oben geht. Selbst der Ministerpräsident hat kürzlich gesagt, dass er die FDP nicht abgeschrieben hat und uns das größte Mobilisierungspotenzial bescheinigt. Und die FDP in Sachsen ist bekannt für ihre leidenschaftlichen Wahlkämpfe. Deshalb versuchen wir, das was im Bund war, weitgehend auszublenden und werden einen rein sächsischen Wahlkampf machen. Ob es am Ende 10 oder 8 Prozent für uns werden, ist für mich auch nicht so entscheidend. Wichtig ist, dass wir unsere Regierungsbeteiligung, die letzte schwarz-gelbe Regierung Deutschlands verteidigen.

Die Alternative für Deutschland liegt aktuell bei 7 Prozent. Ist die AfD die neue FDP?

Die AfD ist ein Mitbewerber wie alle anderen. Die CDU hat am rechten Rand Platz gelassen. Deshalb konnte sich die AfD positionieren. Wir sind eine Partei, die in der Mitte steht. Wir stehen für Lebensoptimismus, Offenheit und Fortschritt. Die AfD ist eine Partei mit vielen Leuten, die sich darin gefallen, nach hinten zu schauen und ihr Mütchen zu kühlen. Eine Partei, die Deutschland und Europa schlechtredet. Außerdem hat die AfD bisher keinerlei Anzeichen einer landespolitischen Kompetenz gezeigt.

Kommentare zu " Interview mit Holger Zastrow: „Ohne Euro-Kritiker hat die FDP keine Zukunft“"

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  • Ja, da muss ich meinem "Chef" in allem Recht geben. Auch wenn ich selbst noch ein paar Dinge zu sagen habe. Als Ergänzung zu den aktuellen Überlegungen, wie man die FDP wider zu einer ernst zunehmenden politischen Kraft in Deutschland macht. Wer noch ein bisschen mehr zum Thema will, hier ist die Möglichkeit. http://www.youtube.com/watch?v=fPlGHO28-0Q

  • Wenn die FDP tatsächlich für Europa stehen möchte, dann sollte sie sich mit unserem Geldsystem auseinander setzen. Leider hat auch Herr Schäffler unser Geldsystem nicht verstanden und kommt von daher zu den falschen Schlüssen. Gerald Braunberger (einer der ganz wenigen Journalisten, der die Geldpolitik seit mehreren Jahrzehnten verfolgt) hat „Die große Ratlosigkeit der Ökonomen“ treffend thematisiert: http://blogs.faz.net/fazit/

    Herr Scheffler befindet sich allerdings in Bezug auf seine Geld- und Schuldenirrtümer in guter Gesellschaft mit den anderen 99,9 %. Willkommen in der Zinsmatrix! Wir stehen hier vor einer kopernikanischen Wende. Allerdings müssen zuvor wohl erst noch einige Scheiterhaufen brennen. So wird das nichts mit dem Euro und auch nichts mit Europa: http://zinsfehler.wordpress.com/

  • Jede Partei braucht als erstes Glaubwürdigkeit. Und die hat man nicht, wenn man nur aus taktischen Gründen ein paar Eurokritiker in der Partei lässt (siehe Gauland/CSU), die Wähler binden sollen.

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