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Landtagswahlen 2014

Strategie-Debatte
Wie die AfD die FDP verfrühstückt

Für die FDP sieht es nicht gut aus bei den anstehenden Landtagswahlen. Die AfD macht ihr Wähler abspenstig. Schon wird nach einem Comeback liberaler Eurokritiker gerufen. Doch die Parteispitze stellt sich quer.
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BerlinFührende FDP-Politiker lehnen es ab, wegen schlechter Umfragewerte das eurokritische Profil der Partei zu schärfen. Sie wandten sich damit gegen die Forderung des Vorsitzenden der sächsischen FDP, Holger Zastrow, der erklärt hatte, seine Partei könne nur dann überleben und der Alternative für Deutschland (AfD) Paroli bieten, wenn sie parteiinterne Euro-Kritiker wie Frank Schäffler stärker einbindet.

Der FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki sagte dazu Handelsblatt Online: „Wenn wir uns die Wahlen auf den letzten FDP-Bundesparteitagen anschauen, dann wird deutlich, dass Schäfflers Position innerhalb der Partei nur wenige Anhänger findet.“ Schäffler sei zudem „weder ausgegrenzt worden, noch wird er es heute“, fügte der Chef der FDP in Schleswig-Holstein hinzu. „Ich selbst hatte ihm angeboten, ihn für den Bundesvorstand als Beisitzer vorzuschlagen. Leider fand er sich zu einer Kandidatur nicht bereit.“ Im Übrigen sehe er eine wie auch immer geartete Konkurrenz zur AfD nicht, fügte Kubicki hinzu. „Die AfD spricht in erster Linie enttäuschte Unions-Wähler an, die mit dem profillosen Kurs Angela Merkels unzufrieden sind.“

Überdies gelte auch für die FDP, dass eine Partei, in der nicht um die besseren Lösungen gerungen wird, irgendwann entbehrlich werde, sagte Kubicki weiter. „Die FDP hat sich immer dadurch ausgezeichnet, dass in ihr unterschiedliche politische Positionen vertreten wurden.“ Er teile Schäfflers Euro-Kritik „in vielen Bereichen“ nicht, fügte Kubicki hinzu. „Ich würde aber nie auf die Idee kommen, Frank Schäffler abzusprechen, dass er die FDP voranbringen will.“

Der Chef der Jungen Liberalen, Konstantin Kuhle, warnte seine Partei davor, die Eurokritiker in den eigenen Reihen zu stärken, um die AfD zu schwächen. „Sowohl inhaltlich als auch wahltaktisch gilt: Der AfD hinterher zu laufen bringt gar nichts“, sagte Kuhle Handelsblatt Online. „Schließlich zeigen alle Erfahrungen, dass sich die Wähler im Zweifel für das Original entscheiden.“

Kommentare zu " Strategie-Debatte: Wie die AfD die FDP verfrühstückt"

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  • Eines der Hauptprobleme der FDP ist, dass sie ihren Realitätssinn verloren hat. Die Bundespartei hat zwar angefangen durch das Anheuern einer bekannten Unternehmensberatung dem entgegen zu wirken und unverstellte Sicht von außen zu nutzen, aber zu jedem durchgedrungen ist das noch nicht.
    Herr Kubicki leidet nach wie vor an Selbstüberschätzung – indem er die Erkenntnisse zur AfD aus seinem kleinen Bundesland auf den großen Freistaat Sachsen überträgt.
    Den Mandatsträgern vor Ort Ratschläge geben zu wollen, wie sie mit der lokalen AfD-Konkurrenz umzugehen habe, ist vermessen, besonders von einem „Nachwuchs-Politiker“ von den Julis.
    Natürlich liegt Herr Zastrow richtig, wenn er die AfD auch als Konkurrenz bei den euro-kritischen Wählern sieht. Denn der letzte Europa-Wahlkampf der Bundes-FDP, bei dem man die AfD in die „braune Ecke“ geschoben hat, hat dazu geführt, dass die FDP von vormals 12 auf nun 3 Sitze in Brüssel zurückgefallen ist. Für Leute von außerhalb ist das deutlich.

    Es wird aber laufen wie bei dem alten Lehrer-Witz: sind die Schüler gut, liegt es an der pädagogischen Kompetenz des Lehrers, sind sie schlecht, liegt es daran, weil die Schüler dumm sind. Schafft es die FDP wieder in den Landtag, liegt es am Neustart der Bundes-FDP, fliegt sie raus, ist Herr Zastrow schuld.

    Herr Zastrow, machen Sie Ihren sächsischen Wahlkampf, ich drücke Ihnen die Daumen.

  • (...)


    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • (...)

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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