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Baden-Württemberg – Analyse
Wahlsieger Kretschmann muss an die Macht

Der historische Sieg der Grünen in Baden-Württemberg birgt eine historische Gefahr: Bei einer Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP wäre der Wahlsieger in die Opposition verbannt. Doch das wird nicht passieren.
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BerlinWinfried Kretschmann hat Historisches geschafft. Nach der SPD hat er mit seinen Grünen nun auch die CDU überflügelt, und das in deren Stammland. Doch nun denken die CDU im Südwesten laut über eine Deutschland-Koalition nach – also ein Bündnis mit SPD und der FDP. Müssen die siegestrunkenen Grünen im Land tatsächlich fürchten, um ihren Lohn gebracht und in die Opposition verbannt zu werden?

Gemach. Die Gefahr ist nicht groß. Kretschmann kann sich zurücklehnen und in Ruhe Gespräche führen. Denn es spricht sehr viel dafür, dass es am Ende auf ein weiteres historisches Projekt hinausläuft: auf die erste grün-schwarze Koalition in einem Bundesland.

Warum? Nicht, weil es unanständig wäre, die stärkste Partei von der Macht auszuschließen. Das ist in der Demokratie erlaubt. Schließlich haben Grüne und SPD in Baden-Württemberg 2011 die damals noch stärkste Partei, die Christdemokraten, kalt lächelnd in die Opposition geschickt.

Nein, der Grund ist ein anderer: Der Sieg geht auf Kretschmanns ganz eigenes Konto. Die Wahl war eine Personenwahl, wie sie so ähnlich bisher nur Politiker wie Bremens ehemaligem Bürgermeister Henning Scherf (SPD), Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) oder dem ehemaligen Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) geglückt ist. Selbst ein Großteil der CDU-Wähler will nicht den eigenen Spitzenkandidaten Guido Wolf, sondern den knorrigen, direkten, ungeschmeidigen Kretschmann als Regierungschef.

Die CDU würde also einen Teil ihrer eigenen, noch verbliebenen, Fans verärgern, wenn sie eine Deutschland-Koalition zusammenzimmert. Zumal mit dem Wahlverlierer Wolf an der Spitze. Und ein anderer statt ihm – also etwa Angela Merkels Vize und Landeschef Thomas Strobl – wäre ein heikles Unterfangen. Denn ein Ministerpräsident, der persönlich gar nicht zu Wahl stand, wäre endgültig eine Verhöhnung der Wähler.

Das weiß auch Strobl selbst. Wer gesehen hat, wie der Landeschef der Christdemokraten am Wahlabend den Grünen Bundesparteichef Cem Özdemir anstrahlte, sah, dass da was geht.

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Die Liberalen sollten die Ampel vermeiden

Kommentare zu " Baden-Württemberg – Analyse: Wahlsieger Kretschmann muss an die Macht"

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  • PS: Zustimmung: Stefan Mapppus war der Totengräber, danach wurde offensichtlich, dass die SüdwestCDU über kein geeignetes Führungspersonal verfügt. Und wenn dann Kretschmann so schlau sein würde und vorzeitig abtreten würde zu Gunsten von Boris Palmer, dann hätten die Grünen eine Chance ihren Erfolg zu zementieren und die CDU würde mit dem Ofenrohr ins Gebirge schauen.

  • Wahlsieger Kretschmann"
    So ein Blödsinn, der Typ wurde gestern abgewählt.

  • Die CDU hat ihren innersten Markenkern beschädigt: Früher stand sie für Innere/Äußere Sicherheit und wirtschaftlichen Wohlstand. Unter Waigel wurde der Euro eingeführt mit der Maßgabe, dass kein Land für die Schulden der anderen haften kann >>> Ergebnis: Genau das Gegenteil ist der Fall. Wenn tausende unser Staatsgebiet unregistriert oder mit gefälschten oder ohne Pässe betreten können, dann kann man getrost von mangelnder Innerer Sicherheit sprechen. Außenpolitisch stehen wir in Währungsfragen und der Flüchtlingspolitik isoliert da. Wo hebt sich die heutige CDU noch von anderen Parteien ab? Zuerst verliert man Wähler an die Fraktion der frustrierten Nichtwähler, im zweiten Schritt kommt die Spaltung der Partei in einen Mitte/Mitte-Linksbereich und einer neuen rechten Gruppierung: Die Blaupause lieferte die SPD mit ihren Verlusten an Die Linke. Reaktion: Man macht den Überbringer der schlechten Botschaft (Seehofer) für die selbst verursachte Misere verantwortlich. Danke, vielen Dank Frau Merkel, dass sie das konservative Wählerspektrum so erfolgreich geteilt haben, Danke, dass sie es zulassen, dass sich die CDU selbst marginalisiert. Zum Glück für Merkel gibt es weder in der SPD, noch bei den Grünen einen Politiker mit Statur. Auch in der eigenen Partei fehlt die Konkurrenz. D. h. das Siechtum der CDU wird sich verlängern ohne dass die Partei dramatisch untergeht. Im Zweifel kann man mit SPD und Grünen noch eine SuperGroKo unter Führung Merkels bilden und dies als Erfolg verkaufen. Dann wird ein bisschen Arbeitnehmer-, etwas Umwelt- und ein bisschen Sicherheitspolitik betrieben, also ein bunter Strauß politischer Mittelmäßigkeit und immer werden die Anderen die Bösen sein....

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