Zum Landtagswahlen 2016 Special von Handelsblatt Online

Gastbeitrag zur Berlin-Wahl
Drei-Punkte-Plan zur Entzauberung der AfD

Viele erklären den AfD-Aufstieg als Reaktion auf die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Für den DIW-Ökonomen Kritikos greift das zu kurz. Er nennt andere Gründe für den Erfolg der Partei. Ein Gastbeitrag.
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BerlinDie AfD fährt im Jahr 2016 einen Wahlerfolg nach dem anderen ein. Sachsen-Anhalt 24 Prozent, Baden-Württemberg 15 Prozent, Mecklenburg-Vorpommern 21 Prozent. Und jetzt Berlin 14 Prozent (auch hier im Ostteil 5 Prozent höher als im Westteil). Vor der Flüchtlingskrise in den Jahren 2014 und 2015 lag die AfD im Westen noch bei rund 5 Prozent, im Osten bei rund 10 Prozent. Das ließe den Schluss zu: Mit dem Schüren von Ängsten vor Flüchtlingen konnte diese Partei einen Wähleranstieg von bis zu 10 Prozentpunkten erzielen.

Da ist es kein Wunder, dass Politiker aller Couleur ein Eindämmen der Flüchtlingszuwanderung fordern, im festen Glauben, damit ginge auch die Zustimmung zur AfD zurück. Doch so leicht werden sich die Wähler von der AfD nicht wieder abwenden – es sind nicht nur Protestwähler.

Eine jüngst erschienene DIW-Studie macht deutlich, dass sich nicht nur Menschen mit geringer oder mittlerer Bildung für die AfD entscheiden, Männer häufiger als Frauen; nicht nur Arbeitslose und Arbeiter, sondern auch Menschen, die Angst haben um ihre zukünftige finanzielle Situation.

Vermutlich sind das vor allem Menschen, die sich als Verlierer der Globalisierung sehen, die entweder einen Jobverlust fürchten, etwa wenn sie täglich mit Schlagworten wie „Industrie 4.0“ konfrontiert werden, oder bereits arbeitslos sind. Es sind Menschen, die das subjektive Gefühl haben, dass die Einkommensungleichheit zu ihren Ungunsten immer weiter steigt. Es sind wohl auch Menschen, die in Zeiten der Globalisierung für sich keine Entwicklungsperspektive mehr sehen.

Der ungehinderte Zuzug von Flüchtlingen hat die zuvor bei vielen nur diffus wahrgenommenen Ängste kanalisiert und eine Adresse gegeben. Flüchtlinge könnten die Jobs wegnehmen und die ohnehin schon niedrigen Löhne weiter drücken.

Diesen Menschen wird man ihre Sorgen und Ängste nicht durch Obergrenzen in der Zuwanderung nehmen, auch nicht durch Studien, die das Gefühl der steigenden Einkommensungleichheit zu widerlegen versuchen, noch nicht einmal durch die Einführung des Mindestlohns. Denn auch der setzt voraus, dass man einen Job hat.

Eigentlich ist Deutschland ein Profiteur der Globalisierung der Märkte, nicht umsonst ist das Land Exportweltmeister. Es ermöglicht vielen einen hohen Lebensstandard, auch dank der Arbeitsmarktreformen vor bald 15 Jahren und der gestiegenen Investitionen in Forschung und Entwicklung. Und es wird auch in Zukunft wichtig bleiben, dass die Wirtschaftspolitik das Land in die Lage versetzt, eine solch wettbewerbsfähige Wirtschaftsstruktur weiter zu entwickeln.

Seite 1:

Drei-Punkte-Plan zur Entzauberung der AfD

Seite 2:

Globalisierungsverlierer zurückholen

Kommentare zu " Gastbeitrag zur Berlin-Wahl: Drei-Punkte-Plan zur Entzauberung der AfD"

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  • Frau Lana Ebsel19.09.2016, 17:57 Uhr
    Als Erstes muss Merkel ihr devotes Sklavenrudel von "Wir-schaffen-das-"Nachschwätzern einsperren.
    Als zweites muss sie sich "Wir schaffen das NICHT" auf die Stirn tackern, sonst glaube ich ihre angebliche Reue in keinster Weise, denn ihr Ruhigstell-Gemurmel kennt man zur Genüge und weiß, dass es nicht mal einen Pfennig wert ist.

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    Ihr Kommentar ist zu alt...

    wir haben Euro-Cent und kein Pfennig mehr.

    :-)))


  • Als Erstes muss Merkel ihr devotes Sklavenrudel von "Wir-schaffen-das-"Nachschwätzern einsperren.
    Als zweites muss sie sich "Wir schaffen das NICHT" auf die Stirn tackern, sonst glaube ich ihre angebliche Reue in keinster Weise, denn ihr Ruhigstell-Gemurmel kennt man zur Genüge und weiß, dass es nicht mal einen Pfennig wert ist.

  • Herr Jürgen Mücke19.09.2016, 15:50 Uhr
    Sie müssen einfach gute Politik machen. Fürs Volk gegen Establishment Eliten Konzernherrschaft Lobbyisten. Das Volk hat keine Lobby gehabt. Daher die Unzufriedenheit

    ---------------------

    Die Hauptsächliche Unzufriedenheit in Deutschland mit den Hauptparteien liegt darin dass...

    DIE CDU AUFGEHÖRT HAT DIE CDU ZU SEIN...UM SICH AN ANDERE PARTEIEN ANZUNÄHERN !!!

    SCHON DEN ATOMAUSSTIEG WAR EIN GRAVIERENDER " GRÜNER FEHLER " DASS NUN IN DER ZUKUNFT DER DEUTSCHE WIRTSCHAFT SCHADEN WIRD.

    BRITEN bauen neue Kernkraftwerke...und alle deutsche Nachbarn haben unsicherer Kernkraftwerke als es die deutsche abzuschaltende Kernkraftwerke sind.

    FRANKREICH IST KEIN MUSTER BEISPIEL...und die Tschechei auch nicht...doch warum gehen die Kritiker nicht dorthin ?

    Hier zu Kritisieren was eine Politikerin eventuell falsch gemacht hat ist zu einfach !

    WER KRITISIERT MUSS GLEICHZEITIG DIE LÖSUNG MITLIEFERN !

    Doch es geht hier bei viele Kommentatoren nur darum DIE MORAL IM DEUTSCHEN VOLK ZERSTÖREN ZULASSEN...um dann die Wahlen zu gewinnen...UND UM DANN DIE MORAL WIEDER EINZUFÜHREN MIT DIKTATUR GEGEN DAS DEUTSCHE VOLK HERVORGEHEN ZU WOLLEN und behaupten dass wir es dann so müssen !!!

    Adolf Hitler machte es bereits so...und heute spiegeln sich die politische zeiten und Aktionen aufs neue !

    Lieber Wähler genau hinschauen und genau vergleichen !

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