Grüner Wahlkampf im Ländle: Kretsche mit der Kettensäge

Zum Landtagswahlen 2016 Special von Handelsblatt Online

Grüner Wahlkampf im Ländle
Kretsche mit der Kettensäge

Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann trifft den Ton der Mittelständler. Zwar lieben sie ihn nach fünf Jahren noch immer nicht, aber sie respektieren ihn. Das könnte die Wahl entscheiden.

WaiblingenDraußen vor dem Werkstor des Motorsägen-Herstellers Stihl in Waiblingen stehen 50 Umweltaktivisten. Sie kommen immer, wenn hoher Besuch angesagt ist. Eigentlich sollte Bundeskanzlerin Angela Merkel die 90 Millionen Euro teure Erweiterung des Entwicklungszentrum und die neue Logistik von Stihl einweihen. Aber die Bundeskanzlerin hatte abgesagt. Wichtige Geschäfte, Treffen mit Hollande in Paris.

Eine Woche vor der Landtagswahl im Südweststaat liegen die Nerven blank – zumindest bei der Landes-CDU. Zum Tête-à-Tête mit der Kanzlerin wollte es auch der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann kommen lassen . Es lockte ein Bild mit Symbolkraft für die Landtagswahl: Die schwarze Kanzlerin mit dem grünen Ministerpräsidenten.

Davon bekam auch die eher blasse Landes-CDU um ihrem in den Umfragen stark abgesackten Spitzenkandidaten Guido Wolf Wind. Sie äußerte ihre Bedenken bei der Bundespartei, wie beim Stehempfang bei den Feierlichkeiten in Waiblingen zu hören ist. Darauf habe die Kanzlerin abgesagt. Belegt ist das nicht. Aber von Paris aus bis ins nahe Ettlingen hat sie es an diesem Nachmittag zu einer Parteiveranstaltung geschafft.

Eine Grußbotschaft von Merkel mit Deutschland-Flagge im Hintergrund wird per Video eingespielt. Als es aufhört: zunächst drei Sekunden keinerlei Reaktion im Publikum. Dann der kurze Höflichkeitsapplaus.

Es ist nicht nur ein lokales Publikum mit dem Oberbürgermeister und Landrat vor Ort, sondern auch Unternehmer wie der Kärcher-Chef Hartmut Jenner, der Chef des Kabel-Giganten Andreas Lapp und die Senior-Chefin Renate Pilz, des gleichnamigen Automatisierungsspezialisten sind gekommen. Allesamt starke Firmenchefs der mittelständischen Baden-Württemberg-AG. Ganz zu Schweigen von Bosch-Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach und Firmen-Patriarch Hans Peter Stihl.

Dessen Sohn Nikolas Stihl führt das Unternehmen seit drei Jahren aus dem Beirat heraus. In bester Manier seines Vaters hatte er in einem Handelsblatt-Interview, das am Freitag veröffentlicht wurde, aber noch vor der Absage der Kanzlerin geführt worden war, fundamentale Kritik an den aus seiner Sicht falschen Politik der Bundesregierung geübt. Zu wenig Investitionen, ungerechte Erbschaftssteuer zu wenig Engagement für die Bildung. „Die Regierung fährt Deutschland auf Verschleiß“. Das Zitat ist ein Symbol, wie tief inzwischen die Gräben zwischen dem Mittelstand und er Bundesregierung sind.

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