Zum Landtagswahlen 2016 Special von Handelsblatt Online

Kopf-an-Kopf-Rennen vor der Wahl
Das Netz spottet über Klöckner

Die Wahl verspricht Spannung: Weder in Mainz noch in Stuttgart ist klar, wer am Sonntag die meisten Stimmen bekommt. Fehltritte sind teuer: Gerade spottet das Internet über die rheinland-pfälzische Kandidatin Klöckner.

Mainz/Stuttgart/MagdeburgVor dem Super-Wahlsonntag liefern sich die führenden Parteien in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ein hochspannendes Rennen. Nach Online-Umfragezahlen des Instituts YouGov vom Donnerstag liegen sie in beiden Ländern annähernd Kopf an Kopf. In Rheinland-Pfalz rangierte die oppositionelle CDU mit 36 Prozent nur hauchdünn vor der SPD von Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die auf 35 Prozent kam. In Baden-Württemberg dürfen die Grünen mit ihrem Regierungschef Winfried Kretschmann auf 32 Prozent hoffen, die Herausforderin CDU erreichte 30 Prozent. Gewählt wird am Sonntag auch in Sachsen-Anhalt, wo die CDU von Ministerpräsident Reiner Haseloff nach früheren Umfragen unangefochten vorn liegt.

Der Wahlkampf-Endspurt wird zunehmend von den prognostizierten Erfolgen der Alternative für Deutschland (AfD) bestimmt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rechnet jedoch damit, dass bei Fortschritten in der Flüchtlingskrise auch der Zuspruch zur AfD langfristig wieder abnimmt. „Mich erinnert das in manchem an die Eurokrise“, sagte die CDU-Chefin der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Freitag). „Nachdem sichtbar wurde, dass Europa die richtigen Maßnahmen ergriffen hatte, sank die Zustimmung zur AfD wieder.“

In der Debatte über die AfD sorgte die rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner mit einer Kurznachricht im Internetdienst Twitter für Wirbel: „Wer AfD aus Protest wählt, stärkt am Ende das linke Lager“, schrieb sie dort. Die Landes-SPD erwiderte: „Und wer @JuliaKlöckner wählt, stärkt das rechte Lager.“ Viele Internetnutzer reagierten statt mit Kritik eher mit Spott und verbreiteten Texte wie „Wer aus Protest nicht aufisst, stärkt am Ende das schlechte Wetter“.

Klöckners SPD-Konkurrentin Dreyer bekräftigte unterdessen, dass sie bei einer Wahlniederlage nicht als Juniorpartnerin der CDU weitermachen wolle. „Ich stehe nur als Ministerpräsidentin zur Verfügung“, betonte die Mainzer Regierungschefin im ARD-„Morgenmagazin“. Eine Koalition mit der AfD schloss Dreyer ebenso aus wie Klöckner.

Bei den Landtagswahlen am kommenden Sonntag darf die AfD auf den Einzug in alle drei Landesparlamente hoffen. Die neuen YouGov-Umfragen prognostizierten ihr in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg jeweils 11 Prozent. In Sachsen-Anhalt wurden der Partei in den jüngsten Erhebungen sogar Stimmenanteile zwischen 17 und 19 Prozent vorhergesagt.

Bei Baden-Württembergs Grünen herrscht bereits Siegesstimmung. „Wir werden nicht nachlassen und weiter um jede Stimme kämpfen, damit Winfried Kretschmann unser Ministerpräsident bleibt“, sagten die Landesvorsitzenden Thekla Walker und Oliver Hildenbrand. Angesichts schwacher Umfragewerte bei der SPD ist allerdings offen, ob die grün-rote Koalition in Stuttgart fortgesetzt werden kann.

Der Politologe Hans-Georg Wehling rechnet jedoch damit: „Es gibt keine Wechselstimmung im Land“, erklärte der Tübinger Wissenschaftler. Die knapp hinter den Grünen liegende CDU baut in erster Linie auf die Abschlusskundgebung in ihrem einstigen Stammland. In Haigerloch wird dazu am Samstag auch Kanzlerin Merkel erwartet.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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