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Ökonomen
AfD-Aufstieg schadet dem Standort Deutschland

Führende Ökonomen sehen den Wirtschaftsstandort Deutschland durch den Wahlerfolg der AfD gefährdet. Vor allem der Osten müsse einen hohen Preis zahlen. Beatrix von Storch reagiert mit Ironie.

BerlinNach Einschätzung führender Ökonomen in Deutschland könnten weitere Wahlerfolge der AfD dem Wirtschaftsstandort Deutschland schaden. „Der zunehmende politische Extremismus und der Aufstieg der AfD wird sich wirtschaftlich negativ auswirken, wenn dies zu einem weiteren Anstieg der Ausländerfeindlichkeit führt“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, dem Handelsblatt.

„Vor allem die wirtschaftlich schwächeren ostdeutschen Regionen werden einen hohen Preis für einen Rechtsruck und eine Zunahme des fremdenfeindlichen Populismus zahlen, da sie stark auf Investitionen von Unternehmen abhängig sind, die zunehmend auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sind“, betonte der DIW-Chef. Eine Wirtschaft könne nur dann erfolgreich sein und Wohlstand sichern, „wenn sie offen ist - mit offenen Grenzen und offen für ausländische Mitmenschen“.

Auch der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, erwartet, dass ein „Rechtsruck“ in Mecklenburg-Vorpommern dem Land „wirtschaftlich mit Sicherheit schaden“ werde. Er geht davon aus, dass sich im Wahlergebnis „die Abkehr breiter Bevölkerungsschichten von den bisherigen Deutungen einer globalen Ökonomie“ wiederspiegeln werde. „Deren Vorteile werden nicht mehr erkannt, sondern sie wird als Bedrohung gesehen, die Abschottung verlangt“, sagte Horn dem Handelsblatt. „Das betrifft sowohl den Handel als auch die Migration.“

Es räche sich, so Horn, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) „das Konzept einer marktkonformen Demokratie vertritt, welches die Entscheidungssouveränität der eigenen Bevölkerung einschränkt.“ Die Wahl rechter Parteien dürfte daher „mindestens zum Teil als der ungeeignete und gefährliche Protest dagegen verstanden werden“.

Perspektivisch könnte aus Expertensicht auch Deutschland insgesamt leiden, sofern die AfD bei der Bundestagswahl ein ähnlich gutes Ergebnis einfahren sollte wie im hohen Norden. Dann, so der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, gegenüber dem Handelsblatt, „könnte dies tatsächlich Investoren abschrecken und erhebliche negative Folgen für den Standort Deutschland haben“.

Der Chefökonom der DZ-Bank, Stefan Bielmeier, wagt nur eine vorsichtige Prognose: „Erst wenn es in größeren Bundesländern oder sogar auf Bundesebene zu einer Regierungsbeteiligung der AfD kommt, sollte man mit negativen Auswirkungen für Deutschland rechnen.“

Die Ausführungen der Ökonomen lösten bei Beatrix von Storch eine ironische Reaktion aus. „Da sollte man doch besser gleich die Demokratie abschaffen, wenn sie dem 'Standort Deutschland' schadet. Ironie aus“, twitterte die stellvertretende Bundessprecherin der AfD und Vorsitzende des Landesverbands Berlin.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
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