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Rot-Rot-Grün
Thilo Sarrazin schwärmt von der Linkspartei

Thilo Sarrazin hegt Sympathie für einen rot-rot-grünen Regierungswechsel in Berlin. Mit der Linkspartei hält er das ohne weiteres für möglich, bei den Grünen ist der frühere Berliner Finanzsenator skeptisch.

BerlinNach Ansicht des früheren Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD) wäre ein rot-rot-grünes Regierungsbündnis im Land Berlin nicht die schlechteste Wahl. „Politisch und fachlich waren die letzten Jahre der Berliner Landesregierung nicht gerade glanzvoll. Ein Risiko für eine weitere Verschlechterung sehe ich durch Rot-Rot-Grün nicht“, sagte Sarrazin dem Handelsblatt.

Vor allem in der Linkspartei sieht Sarrazin einen verlässlichen Partner. Die Zusammenarbeit mit der Linken in seiner Zeit als Finanzsenator im rot-roten Senat von 2002 bis 2009 bezeichnete Sarrazin als „durchweg eher positiv“. Linkspartei-Politiker wie die damaligen Senatoren Harald Wolf (Wirtschaft), Heidi Knake-Werner (Arbeit und Soziales) oder der Fraktionsvorsitzende und heutige Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich seien „verlässlich, fleißig und auch sachlich kompetent“ gewesen.

„Dabei war paradoxerweise hilfreich, dass ich in der SPD auf dem rechten Flügel stand. So konnten wir ideologische Fragen gleich überschlagen, weil wir sowieso unterschiedlicher Meinung waren“, sagte Sarrazin. „In mancherlei Hinsicht war die Haushaltskonsolidierung mit ihnen leichter als mit den eigenen Parteigenossen.“

Bei den Berliner Grünen sei er „etwas unsicher“, sagte Sarrazin rückblickend. „Sie hatten damals einige, für die Verhältnisse eines Landesparlaments, herausragende Geister in ihren Reihen, darunter zwei kompetente Finanzpolitiker, daneben aber auch schrecklich verbohrte Ideologen und Chaoten“, sagte der heutige Buchautor. „Im Vergleich dazu war die Kommunikation mit dem verbohrtesten Alt-Marxisten der PDS (später: Linkspartei) immer noch ein Labsal.“ Der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sei „immer engagiert gegen eine Koalition mit den Grünen“ gewesen, „und ich verstand das gut“, so Sarrazin.

Nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September könne Rot-Rot-Grün „die einzig verbleibende realistische Option für die SPD sein“. So verstehe er die jüngsten Aussagen des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD).

Müller hatte in der „Bild am Sonntag“ Rot-Rot-Grün als „Signal“ für eine verlässliche Zusammenarbeit bezeichnet, vergleichbar mit der rot-roten Koalition in Berlin bis 2011. Einen Tag später schloss er aber auch eine weitere Zusammenarbeit mit der CDU nach der Wahl im September nicht vollends aus. Obwohl es mit der Union „immer schwieriger“ werde. Am Ende komme es auf inhaltliche Übereinstimmungen an. „Dafür führt man nach der Wahl die Sondierungsgespräche“, sagte Müller. Besonders von den Grünen forderte der SPD-Landeschef „eine klare Positionierung für eine Reformpolitik“.

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„Regieren ist kein Selbstzweck“

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