Zum Landtagswahlen 2016 Special von Handelsblatt Online

Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern

Branche glaubt nicht an negative Folgen durch AfD-Erfolg

In Dresden ist der innerdeutsche Tourismus zuletzt gesunken. Die Branche macht auch Pegida dafür verantwortlich. Dass sich der AfD-Erfolg in Mecklenburg-Vorpommern ähnlich auswirkt, glaubt der lokale Verband nicht.
Am Sonntag hatte die AfD in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Stand knapp 21 Prozent der Stimmen geholt. Quelle: dpa
Badegäste an der Ostseeküste

Am Sonntag hatte die AfD in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Stand knapp 21 Prozent der Stimmen geholt.

(Foto: dpa)

BerlinUrlauber werden nach Einschätzungen des Tourismusverbandes auch nach dem Wahlerfolg der rechtspopulistischen AfD Mecklenburg-Vorpommern nicht meiden. Anders als bei der islamfeindlichen Pegida-Bewegung in Dresden werden sich nur wenige deutsche und internationale Urlauber von den politischen Entwicklungen beeinflussen lassen, sagte Verbands-Sprecher Tobias Woitendorf am Montag Reuters. Er verwies auf das Jahr 2006, als die rechtsradikale NPD in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern eingezogen war. Auch dies habe keinerlei Auswirkungen auf den Tourismus gehabt, so Woitendorf.

Am Sonntag hatte die AfD in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Stand knapp 21 Prozent der Stimmen geholt. Damit ist die rechtspopulistische Partei zweitstärkste Kraft hinter der SPD. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Tourismus mit rund zwölf Millionen Übernachtungen im ersten Halbjahr 2016 ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

„Merkels Thron wackelt“
„Frankfurter Rundschau“: „Sie versuchen ihre Stimmenverluste schönzureden, weil es ja nur Sieger geben darf.“
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„Die Überzeugten, die Verängstigten, Abgehängten und Frustrierten haben es wieder getan. Diesmal in Mecklenburg-Vorpommern. Sie haben mit der Alternative für Deutschland (AfD) eine illiberale, frauen- und ausländerfeindliche Partei gewählt und ihr zum neunten Mal in einen Landtag dieses Landes verholfen. Diesmal hat der Souverän sie gleich zu einer der stärksten Fraktion gemacht. Viele werden nun schreiben von einem Wirbelsturm, hohl, aber zerstörerisch. Andere werden davon reden, dass der Kampf für die Demokratie und ein weltoffenes Land nun endlich geführt werden müsse. Doch die AfD ist weder ein Naturphänomen noch wird sie nach verbalen Attacken verschwinden. Und was machen die etablierten demokratischen Kräfte? Das, was sie bei viel zu vielen Wahlen zuvor auch schon getan haben. Sie versuchen ihre Stimmenverluste schönzureden, weil es ja nur Sieger geben darf.“

Das Foto zeigt die Spitzenkandidaten der Parteien in Mecklenburg-Vorpommern nach den ersten Wahlergebnissen.

„Standard“ (Wien): „Protest gegen Merkels Politik“
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„Die AfD ist längst kein Ost-Phänomen mehr, wenngleich sie am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern besonders gut abgeschnitten hat – ausgerechnet in der politischen Heimat der Kanzlerin. Das ist hart für Merkel und wird ihr schwer auf den Schultern lasten. Man darf nicht vergessen, warum es die AfD überhaupt gibt: Sie hat sich aus Protest gegen Merkels Politik gegründet. Zuerst waren es die von Merkel durchgezogene Rettung des Euro in seiner jetzigen Form beziehungsweise die Bewahrung Griechenlands vor dem totalen Bankrott, die diese Partei entstehen ließ. Jetzt ernährt sich die AfD hauptsächlich vom Asylthema und wird dabei immer beliebter und beliebter. Sie ist die einzige Partei, die nicht mit Einzelmaßnahmen wie schnelleren Abschiebungen oder verpflichtenden Deutschkursen Asylpolitik machen will, sondern den totalen Systemwechsel anstrebt, und der lautet: Grenzen dichtmachen.“

„Mittelbayerische Zeitung“: „Wutwahl gegen Angela Merkel“
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„Das Abschneiden der AfD in Mecklenburg-Vorpommern war nicht einfach Protest gegen 'die da oben', sondern vor allem eine Wutwahl gegen Angela Merkel. Dass eine Partei sehr weit rechts von der Union nun sogar vor der CDU landet und dies auch noch in der politischen Heimat der Kanzlerin, ist ein Novum in der bundesdeutschen Geschichte. Angela Merkel wird es bis zur nächsten Bundestagswahl nun noch schwerer haben, ihren Kurs in der Flüchtlingspolitik beizubehalten. Ihre Kritiker, vor allem die in der bayerischen Schwesterpartei, bekamen Aufwind aus dem Nordosten der Republik.“

Das Foto zeigt Merkel beim G20-Gipfel in Hangzhou, wo sie am Abend der Wahl auf ihr Smartphone guckt.

„Rossijskaja Gaseta“ (Moskau): „Die AfD ist eine reale Bedrohung etablierter Parteien"
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„Nur drei Jahre nach ihrer Gründung hat es die AfD geschafft, mit Euroskeptik und harter Kritik an Angela Merkels Flüchtlingspolitik 21 Prozent der Stimmen zu bekommen. Dies ist umso bemerkenswerter, weil Mecklenburg-Vorpommern als Wahlheimat der Kanzlerin gilt. Für die CDU kommt der Misserfolg nicht unerwartet, jedoch hat sich die AfD nun in der Flüchtlingskrise und angesichts der Hilflosigkeit der Behörden zur realen Bedrohung etablierter Parteien entwickelt. Obwohl Merkel versprach, jene Flüchtlinge abzuschieben, die sich nicht integrieren, hängt vieles von den Beziehungen zur Türkei ab. In letzter Zeit lassen diese aber aus vielen Gründen zu wünschen übrig.“

Das Foto zeigt AfD-Chefin Frauke Petry in Schwerin auf dem Weg zu einer Wahlparty.

„Lidove noviny“ (Tschechien): „Die rasante Rhetorik der Populisten“
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„Dieses Wahlergebnis hat sehr geschmerzt. Die Christdemokraten von Bundeskanzlerin Angela Merkel konnten sich am Sonntag nur schwer mit ihrer Niederlage im Nordosten Deutschlands abfinden. (...) Die Alternative für Deutschland (AfD) hatte die CDU auf den dritten Platz verwiesen. Wer hat die Alternative gewählt? Die Partei war am erfolgreichsten unter Männern im Alter zwischen 30 und 59 Jahren, doch zu den Urnen sind auch viele andere gegangen, die wegen der Politik normalerweise nicht aus dem Sessel aufstehen würden. Dazu angetrieben hat sie die rasante Rhetorik der Populisten, welche die deutsche Regierungsgarnitur angegriffen und gegen eine Zuwanderungspolitik protestiert haben, die Hunderttausende schwer integrierbare Menschen mit muslimischen Wurzeln nach Deutschland geführt hat.“

Das Foto zeigt die AfD-Politiker Alexander Gauland und Leif-Erik Holm, Spitzenkandidat der Partei in Mecklenburg-Vorpommern.

„Stuttgarter Zeitung“: „Merkels Flüchtlingspolitik verunsichert so viele, dass sie wie Kunstdünger das Wachstum der AfD befördert“
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„Mit Merkel soll das alles nichts zu tun haben, so wenig wie die AfD-Erfolge in Baden-Württemberg und anderswo vor sechs Monaten? Klar, die AfD hat Zulauf von vielen Seiten – ist aber vor allem eine Anti-Merkel-Partei. Sie begann als Auffangbecken für bürgerliche Skepsis gegen Merkels Kurs bei der Rettung des Euro. Nun richtet sich ihr Furor gegen ein zur Nationalhymne erhobenes 'Wir schaffen das!'. Merkels Flüchtlingspolitik verunsichert so viele, dass sie wie Kunstdünger das Wachstum der AfD befördert.“

„La Stampa“ (Turin): „Eine neue Debatte über die Aufnahme von Flüchtlingen und über die Sicherheit wird entbrennen“
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„Genau ein Jahr nach der Nacht zwischen dem 4. und 5. September, als Angela Merkel entschied, die Grenzen Deutschlands für Flüchtlinge zu öffnen, die in Ungarn festsaßen, beschert die Unbeliebtheit der Willkommenspolitik der Kanzlerin der CDU eine brennende Niederlage bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Zum ersten Mal werden die Christdemokraten von den Rechtspopulisten der AfD überholt, die ihr Nein zu den Entscheidungen Merkels in der Migration zu ihrem Zugpferd gemacht haben. (...) Es ist ein Desaster, das dazu führen wird, dass innerhalb der CDU/CSU eine neue Debatte über die Aufnahme von Flüchtlingen und über die Sicherheit entbrennen wird. Und das alles vor den politisch schwierigsten Monaten für Merkel, die noch nicht über ihre erneute Kandidatur entschieden hat.“

In Sachsen-Anhalt hatte die AfD bei der Landtagswahl im März sogar rund 24 Prozent erreicht. Dies habe sich bislang allerdings nicht auf die Besucherzahlen ausgewirkt, teilte der Tourismusverband Sachsen-Anhalt mit.

In Dresden ist der innerdeutsche Tourismus im ersten Halbjahr 2016 um zwei Prozent gesunken. Dafür macht der lokale Tourismusverband neben anderen Faktoren auch Pegida und die "negative Berichterstattung" verantwortlich.

  • rtr
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