Umfrageschub für AfD: AfD sorgt für Alarmstimmung in jüdischer Gemeinde

Zum Landtagswahlen 2016 Special von Handelsblatt Online

Umfrageschub für AfD
AfD sorgt für Alarmstimmung in jüdischer Gemeinde

Die AfD könnte bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Stand die CDU überholen. Die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch findet das erschreckend und ruft die Politik zum Handeln auf.

BerlinDie Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), Charlotte Knobloch, hat die Parteien aufgefordert, dem Aufstieg der Alternative für Deutschland Einhalt zu gebieten. Schon bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern (4. September) und Berlin (18. September) „könnten radikale Rechte aus dem Stand in zwei weitere Landesparlamente einziehen – und zwar mit erschreckenden Zahlen, die das Machtgefüge nicht nur in den betreffenden Ländern, sondern in der gesamten Bunderepublik tiefgreifend verändern könnten“, schreibt Knobloch auf ihrer Facebook-Seite.

Die demokratischen Parteien und Kräfte sollten daher „die politische Siesta“ beenden. Noch immer falle die Reaktion auf das „rasante und enorme Erstarken“ der Rechtspopulisten und Rechtsextremen „viel zu gleichgültig und ungelenk“ aus, kritisierte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. „Ich vermisse die unbedingte Leidenschaft im Kampf um die freiheitlich-demokratischen Werte und um die Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger, die immer öfter bereit sind, sich von den Demokraten abzuwenden, alternativen Ideen und revisionistischen Ideologien zuzustimmen“, erklärte Knobloch und mahnte: „Noch ist es nicht zu spät, den Spuk zu beenden, aber Eile, Einsicht und kluges strategisches Agieren sind dringend geboten – zumal in einem Land, in dem beharrlich beteuert wird, aus der Geschichte gelernt zu haben.“

Laut einer Infratest-Dimap-Umfrage im Auftrag der ARD könnte die AfD in Mecklenburg-Vorpommern weiter zulegen und sogar die CDU als zweitstärkste Partei verdrängen. In der am Donnerstag veröffentlichten Erhebung kommen die Sozialdemokraten auf 27 Prozent. Damit würden sie gegenüber der Wahl von 2011 (35,6 Prozent) zwar erheblich verlieren, blieben aber weiterhin vor ihrem Koalitionspartner CDU.

Bei einem Umfragewert von 22 Prozent muss die Union mit einem nochmals schlechteren Ergebnis rechnen als bei ihrem bisherigen Tiefpunkt vor fünf Jahren mit 23 Prozent. Sie läuft Gefahr, hinter die AfD zurückzufallen, die in der ARD-Umfrage auf 21 Prozent kommt und gegenüber früheren Umfragen zulegte. In einer Umfrage zur Berliner Abgeordnetenhauswahl von Anfang August lag die AfD bei 14 Prozent.

Der Spitzenkandidat der Nord-Ost-AfD, Leif-Erk Holm, hat als Wahlziel schon ausgegeben, alle Parteien zu überholen – auch wenn ihm die bisherige Stärke seiner Partei selbst nicht ganz geheuer ist. Ein wenig „unheimlich“ sei ihm der rasante Aufstieg schon, sagte er kürzlich dem Handelsblatt.

Die AfD kann auch im Bund zulegen. Im Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid wöchentlich für „Bild am Sonntag“ erhebt, steigt die Partei auf 11 Prozent (Plus 1). Ebenfalls einen Zähler gewinnt die Linke, sie erreicht 10 Prozent. SPD (22 Prozent) und Grüne (12 Prozent) verlieren je einen Prozentpunkt. Die CDU liegt wie in der Vorwoche bei 34 Prozent. Die FDP liegt unverändert bei 5 Prozent.

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