Zum Landtagswahlen 2016 Special von Handelsblatt Online

Wahl in Mecklenburg-Vorpommern
Albtraum für Merkel, AfD reibt sich die Hände

Beim Urnengang in Mecklenburg-Vorpommern muss die CDU mit einer Schmach rechnen. Auch die Strategen der anderen Parteien blicken gespannt auf die Wähler an der Küste. Das sind die entscheidenden Fragen zur Wahl.

BerlinOb das der Kanzlerin noch hilft auf der Zielgeraden in Mecklenburg-Vorpommern? Eine Situation wie 2015, mit der Aufnahme von einer Million Flüchtlinge, werde es nicht nochmal geben, lässt Angela Merkel ihre Unionsfraktion und den Wähler am Donnerstag wissen. Da sind die Umfragewerte aber schon so tief im Keller, dass die CDU mit dem Schlimmsten rechnen muss: bei der Landtagswahl am Sonntag im Nordosten hinter die vom Unmut über Merkels Asylpolitik profitierende AfD zurückzufallen. Für die Union wäre das eine noch größere Schmach als die Koalitionspremiere von Baden-Württemberg im Frühjahr – als Juniorpartner der Grünen. „Ich glaube, wir können Vertrauen zurückgewinnen“, sagte Merkel am Freitag im RTL-Interview – ihre CDU fragt sich nur, wie lang es noch dauert.

Ein Jahr nach Merkels historischer Entscheidung zur Aufnahme von Flüchtlingen – und rund ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl – blicken die Strategen in den Parteizentralen also gespannt auf die gut 1,3 Millionen Wähler an der Küste. Das sind die entscheidenden Fragen.

Droht der CDU ein Debakel?

Die Partei der Kanzlerin steht nicht nur im Nordosten in Umfragen so schlecht da wie noch nie – das Wahlergebnis von 23 Prozent vor fünf Jahren war dortiger Minusrekord. Auch im Bund hat Merkels Beliebtheit seit ihrem berühmten Satz „Wir schaffen das“ in der Flüchtlingskrise schwer gelitten. Dass sie trotzdem ihr Mantra bekräftigt, stößt an der CDU-Basis nicht nur auf Begeisterung. Die CDU-Vorsitzende mit langjährigem Bundestagswahlkreis in Vorpommern weiß: Sollten diese Wahl und die in Berlin zwei Wochen später zum Fiasko werden – aktuell sind die Christdemokraten noch zweifacher Juniorpartner der SPD –, dann wird die parteiinterne Unruhe wachsen. Und CSU-Chef Horst Seehofer, der sich durch Merkels jüngste Worte zur künftigen Flüchtlingspolitik ohnehin bestätigt fühlt, dürfte seine Zustimmung zu einer Kanzlerkandidatur der CDU-Kollegin hinauszögern.

Amtsbonus für die SPD?

Auch die Sozialdemokraten müssen mit herben Verlusten im Vergleich zur Wahl 2011 (35,6 Prozent) rechnen. Im Berliner Willy-Brandt-Haus hofft man darauf, dass es angesichts stabiler Umfragen bei 28 Prozent knapp für eine Regierungsbildung unter Erwin Sellering reicht. Parteichef Sigmar Gabriel schaltete vor einer Woche voll in den Wahlkampfmodus – mit Absetzbewegungen von Merkels Flüchtlingspolitik und vom europäisch-amerikanischen Freihandelsprojekt TTIP. Falls das schief geht, stehen ihm schwierige Zeiten bevor: Auf die Berlin-Wahl am 18. September folgt ein Parteikonvent zum Schwester-Handelsabkommen Ceta mit Kanada. Gabriel muss befürchten, dass ihm als Wirtschaftsminister und Vizekanzler dann der Wahl-Frust der Genossen um die Ohren fliegt.

Seite 1:

Albtraum für Merkel, AfD reibt sich die Hände

Seite 2:

AfD und Grüne reiben sich die Hände

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%