Landtagswahlen
Gemischte Gefühle in der großen Koalition

Die Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sind für Union und SPD im Bund der erste große Stimmungstest nach der Sommerpause. Weil die Koalitionäre im Umfragekeller stecken, blicken die Parteizentralen besonders gespannt auf den Wahlausgang am Sonntag.

BERLIN. Obwohl keiner der Spitzenkandidaten bisher bundespolitisch eine große Rolle gespielt hat, befürchten die Koalitionäre durchaus verstärkt politische Störfeuer. Vor allem bei den Sozialdemokraten sorgt die laut den Umfragen erwartete Bestätigung der beiden rot-roten Regierungen für Unruhe. Nicht, dass die Parteispitze im Willy-Brandt-Haus irgendetwas gegen Wahlsiege in Berlin oder Schwerin hätte; sie würden den neuen SPD-Chef Kurt Beck in seiner Position stärken. Es wären zudem die ersten messbaren Erfolge der Sozialdemokraten unter seiner Führung.

Doch seit Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) in einem "Stern"-Interview seine bundespolitischen Ambitionen mit den Worten "ich werde mich artikulieren, stärker als in den letzten fünf Jahren", angemeldet hat, fürchten die Parteistrategen, es könne umgehend nach Schließung der Wahllokale zu einer rot-roten Debatte auf Bundesebene kommen.

Hinter den Kulissen wertet die SPD die Ankündigung Wowereits zunächst als gelungene PR-Aktion. Doch wer weiter nachfragt, hört auch die Sorge um den in den Umfragen schwächelnden Berliner Koalitionspartner Die Linke/PDS. Seitdem ist auch ein Bündnis von Rot-Rot mit den Grünen nicht mehr ausgeschlossen, um die erforderlichen Stimmen für die Regierungsbildung im Abgeordnetenhaus zu erreichen - eine Dreierkonstellation, die auf der Bundesebene bereits jetzt eine rechnerische Mehrheit hätte.

"Doch Spekulationen über einen Linksruck der Bundes-SPD oder gar eine Koalition mit Linkspartei und Grünen würden nur neues Öl ins Feuer der ohnehin fragilen großen Koalition gießen", heißt es. SPD-Chef Kurt Beck betone nicht ohne Grund bei jeder Gelegenheit, mit ihm werde es niemals eine rot-rote Koalition geben.

Eine Chance, die sich CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla nicht entgehen lässt; er bohrt in der Wunde der Sozialdemokraten herum: "Diese Wahlen haben auch bundespolitische Wirkung", rief Pofalla kürzlich auf einer Veranstaltung mit dem CDU-Spitzenkandidaten Friedbert Pflüger.

Seite 1:

Gemischte Gefühle in der großen Koalition

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%