Landtagswahlen in Hamburg: Untiefen an der Elbe: Kommt Schwarz-Grün?

Landtagswahlen in Hamburg
Untiefen an der Elbe: Kommt Schwarz-Grün?

Nun wird der Wahlkampf in Hamburg doch noch spannend. Nach dem Erfolg der SPD in Hessen und dem Sieg der CDU in Niedersachsen läuft in der Hansestadt alles auf einen Kampf zwischen Rot-Grün und Schwarz-Grün um die Mehrheit in der Bürgerschaft hinaus.

HAMBURG. Bürgermeister und CDU-Spitzenkandidat Ole von Beust sieht sich durch den Ausgang der Landtagswahl in Niedersachsen gestärkt: "Das gibt uns Mut und Kraft."

2004 hatte die CDU in Hamburg mit 47,2 Prozent die absolute Mehrheit gewonnen. Dafür wird es am 24. Februar aber wohl nicht reichen. In Meinungsumfragen ist die CDU auf rund 40 Prozent abgerutscht. Falls der 52-jährige CDU-Mann die absolute Mehrheit verliert, wäre sein Wunschpartner die FDP. Das Problem: Die Elb-Liberalen schwächeln, werden derzeit bei 3,5 Prozent gehandelt. Sollten sie es trotz des Rückenwindes aus Hessen und Niedersachsen nicht schaffen, nähme von Beust Koalitionsgespräche mit den Grünen auf, um Bürgermeister zu bleiben. Das sagt er offen.

In den Bezirken Harburg und Altona laufen schwarz-grüne Bündnisse seit Jahren geräuschlos und effizient. So könnte Hamburg auf Landesebene den Vorreiter geben. Die Basis trüge so ein Bündnis mit. "Da würde eine ganz gute Politik bei rauskommen, wenn es sein muss", heißt es bei CDU-Mitgliedern. Auch für die Grünen wäre eine Koalition mit der CDU in Hamburg nicht ausgeschlossen. "Wenn es gilt, eine Große Koalition zu verhindern, dann werden wir auch keine Gespräche verhindern", sagt die Fraktionsvorsitzende der Grün-Alternativen Liste (GAL) in der Bürgerschaft, Spitzenkandidatin Christa Götsch.

An erster Stelle steht für die Grünen in Hamburg jedoch eine Zusammenarbeit mit der SPD. "Die rot-grüne Schnittmenge ist größer als die schwarz-grüne", betont Anja Hajduk, Landesvorsitzende der Grünen. Bislang sehen die Meinungsforscher aber keine Mehrheit für Rot-Grün in der Hansestadt.

"In Hamburg ist für niemanden die Wahl gelaufen", schöpft SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann nach der Hessen-Wahl Mut. Die dortigen Gewinne der Sozialdemokraten wertet er als "sehr ermutigend". Der frühere Kulturstaatsminister im Kabinett Gerhard Schröder hatte sich in Hamburg in die Pflicht nehmen lassen, nachdem sich die Partei zuvor nicht auf einen Spitzenkandidaten hatte einigen können und daraufhin ins Bodenlose abgerutscht war. Naumann, beurlaubter Herausgeber der Wochenzeitung "Zeit", hat es seitdem geschafft, der Partei wieder ein Ziel zu geben. Hartnäckig hat sich der 66-Jährige in die öffentliche Wahrnehmung gearbeitet, nun liegt die SPD bei 36 Prozent. Zusammen mit den Grünen, die zwölf Prozent holen könnten, reicht es aber noch nicht für die Regierungsmehrheit.

So bleibt für Naumann einiges zu tun. In den verbleibenden 27 Tagen will er eine Wechselstimmung erzeugen und die Stadt, die bis 2001 mehr als 40 Jahre ununterbrochen von der SPD regiert wurde, für die Sozialdemokratie zurückgewinnen.

Das Unterfangen könnte gelingen - wenn in Hamburg nicht die Linkspartei antreten würde. Nachdem sie in den Flächenländern Hessen und Niedersachen den Sprung in die Landtage geschafft hat, zweifelt niemand daran, dass "Die Linke" auch in Hamburg die Fünf-Prozent-Hürde knacken dürfte. Das Potenzial der Protestwähler ist hier erheblich.

"Wer die Linkspartei unterstützt, hält Herrn von Beust im Amt", predigt Naumann denn auch in jeder Wahlveranstaltung. Doch ob er damit bei den Wählern durchdringt? Eine Koalition mit der Linkspartei oder eine irgend geartete Zusammenarbeit schließt er aus, genauso wie die Grünen. Stehen die Zeichen also auf Schwarz-Grün? Für den Alt-68er und Grünen-Mitbegründer Jo Müller ist die neue Farbkombination sogar eine "realistische Notwendigkeit." Es wird spannend.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%