Landtagswahlen
„Super-Wahlsonntag“: Schub für Wahlbeteiligung

Die Wahlen in vier Bundesländern haben am Sonntag bis zum frühen Nachmittag ein sehr unterschiedliches Interesse der Wahlberechtigten gezeigt. Bei den Landtagswahlen im Saarland und in Thüringen zeichnete sich ein stärkeres Interesse ab als vor fünf Jahren. In Sachsen war ein schleppender Wahltag zu beobachten.

HB BERLIN. Die Landtagswahlen in Thüringen und dem Saarland haben Fahrt aufgenommen: In beiden Ländern zeichnete sich am Sonntagnachmittag eine deutlich höhere Wahlbeteiligung als 2004 ab. In Sachsen gaben dagegen bei schönem Sommerwetter zunächst weniger Wähler ihre Stimme ab. Am „Super-Wahlsonntag“ sind zusammen mit den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen vier Wochen vor der Bundestagswahl insgesamt 20,6 Mio. Bürger - ein Drittel aller Wahlberechtigten in Deutschland - zu einem Votum aufgerufen und können so auch ein Signal für den 27. September setzen.

Die Kommunalwahlen im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW begannen etwa lebhafter als vor fünf Jahren. Bis 12.00 Uhr ergab sich auf Basis von Stichproben der Landeswahlleitung eine Wahlbeteiligung einschließlich der Briefwähler von 24 Prozent. 2004 waren es zum gleichen Zeitpunkt 23 Prozent gewesen.

Besonders im Saarland und in Thüringen werden die Ergebnisse mit Spannung erwartet. Laut den letzten Umfragen dürften die bisher alleinregierenden CDU-Ministerpräsidenten Peter Müller und Dieter Althaus ihre Mehrheiten verlieren. Es könnte daher entweder für schwarz-gelbe Bündnisse oder aber für Rot-Rot-Grün reichen - dann müssten Müller und Althaus in die Opposition.

In Thüringen hatten nach Angaben des Landeswahlleiters bis 14.00 Uhr rund 35 Prozent der 1,9 Mio. Wahlberechtigten - ohne Briefwähler - ihre Stimme abgegeben. Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren lag die Wahlbeteiligung zu diesem Zeitpunkt bei 30 Prozent, insgesamt bei 53,8 Prozent. Ministerpräsident Althaus sagte bei seiner Stimmabgabe in Heiligenstadt, er hoffe auf ein deutliches Bürgervotum. Je mehr Bürger sich beteiligten, desto geringer sei die Chance für die NPD, in den Landtag einzuziehen. Seine Herausforderer Bodo Ramelow von der Linken und Christoph Matschie von der SPD äußerten sich ähnlich.

Im Saarland gaben nach Angaben der Landeswahlleitung bis 14.00 Uhr knapp 37 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. 2004 hatten bis zu diesem Zeitpunkt erst 28 Prozent der Saarländer gewählt. Insgesamt lag die Wahlbeteiligung damals bei historisch niedrigen 55,5 Prozent. Landesweit sind rund 820 000 Wahlberechtigte aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.

Die Spitzenkandidaten von CDU und SPD gaben sich siegesgewiss. Der seit 1999 amtierende Ministerpräsident Müller sagte, er habe ein gutes Gefühl: „Klar schaffen wir das.“ Sein Herausforderer Heiko Maas (SPD) erklärte: „Ich habe das Gefühl, dass der Wechsel in der Luft liegt.“ Linke-Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine Lafontaine wählte per Brief. Falls es an der Saar zu einer SPD-geführten Regierung unter Beteiligung der Linken kommt, wäre dies das erste rot-rote Bündnis im Westen. Lafontaine war von 1985 bis 1998 selbst Regierungschef für die Sozialdemokraten im kleinsten Flächenstaat.

In Sachsen kann Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) den Umfragen zufolge damit rechnen, im Amt zu bleiben. Er könnte dann den Koalitionspartner wechseln und mit der FDP weiterregieren oder das bisherige Bündnis mit der SPD als Junior-Partner fortsetzen. Bis 14.00 Uhr hatten erst knapp 28 Prozent der 3,5 Mio. Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben - 2004 waren es zum gleichen Zeitpunkt 33 Prozent und insgesamt 59,6 Prozent.

In Nordrhein-Westfalen sind 14,4 Mio. Bürger - darunter 550 000 Euro-Ausländer - berechtigt, über die Besetzung von rund 15 200 Sitzen in den Vertretungen der Städte, Gemeinden und Kreise abzustimmen. Besonderes Augenmerk gilt in dem einstigen Stammland der Sozialdemokraten dem Abschneiden der CDU und der SPD.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%