Landtagswahlen
„Wer grün wählt, wird sich schwarz ärgern“

Rot-Rot-Grün, Ampel oder Jamaika: Die Grünen könnten bei den Landtagswahlen am kommenden Sonntag zum Königsmacher werden. Sind das Signale für den Bund?

BERLIN. Die Botschaft, die die Linkspartei vor wenigen Wochen im Saarland plakatierte, war knapp: "Wer grün wählt, wird sich schwarz ärgern". Die Botschaft, die Spitzenkandidat Oskar Lafontaine damit senden wollte, war klar - wer eine linke Politik will, kann den Grünen nicht mehr vertrauen. Die könnten auch anders, zum Beispiel mit der CDU, ein Blick nach Hamburg genüge.

Schwarz-Grün, Rot-Rot-Grün, Ampel oder Jamaika: Die Grünen werden bei den Landtagswahlen am Sonntag zwar keine großen Siege feiern. In Thüringen und im Saarland könnten sie trotzdem zum Zünglein an der Waage werden. Mit jeweils sechs Prozent sehen Umfragen die Partei knapp in den Landtagen. Und auch in Sachsen könnten die Grünen zum Königsmacher mutieren - verpassen sie den Einzug in den Landtag (derzeit liegen sie bei sechs Prozent), steigen Ministerpräsident Stanislaw Tillichs Chancen auf eine knappe, absolute Mehrheit. Werden sie dagegen stärker, wäre Grünen-Chefin Antje Hermenau auf der anderen Seite sogar bereit, mit Tillich über eine Koalition zu reden.

In Thüringen und im Saarland liegen Koalitionsüberlegungen für die Grünen näher. Fest steht: Die Länder entscheiden selbst über Koalitionen, wählen aber keinen Kandidaten der Linkspartei zum Ministerpräsidenten. Das war vor allem den Realos unter den Grünen in Thüringen wichtig, um die zu den Parteilinken gehörende Spitzenkandidatin Astrid Rothe-Beinlich zu unterstützen. "Wir werden Herrn Ramelow nicht zum Ministerpräsidenten wählen", sagt der Spitzenkandidat der Grünen im Bund, Jürgen Trittin. Im Saarland strebe seine Partei eine Ampel mit SPD und FDP an. Jüngsten Umfragen zufolge reicht es aber nicht für diese Konstellation. Und dann? "Wir sind immer für Inhalte zu haben", sagt Trittin: "Wir gehen keine Koalitionen aus Selbstzweck ein."

Als Koalition zweier Parteien mit bürgerlicher Klientel hat SchwarzGrün, notfalls mit Zuhilfenahme der FDP, durchaus Charme. "Schwarz-Grün hat in der Gesellschaft so viel Rückenwind wie nie zuvor", sagt Hubert Kleinert, ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Grünen und heute Professor für Politikwissenschaften in Gießen. Problematisch für die Grünen sei aber, dass noch immer ein Drittel ihrer Wähler als Anhänger des rotgrünen Projekts gilt. Sprächen die Grünen offen über eine Koalition mit der Union, bestünde die Gefahr, dass diese Wähler sich lieber für die SPD entscheiden. "Über Schwarz-Grün redet man nicht, das macht man, wenn es soweit ist", mutmaßt Kleinert.

Bei CDU und CSU verhält es sich genauso. Natürlich wissen die Ministerpräsidenten des Saarlands und Thüringens, Peter Müller und Dieter Althaus, dass die Grünen den Ausschlag geben, wenn es weder für Schwarz-Gelb noch für Rot-Grün reicht. Mike Mohring, Fraktionschef der CDU im Thüringer Landtag, schließt ein Bündnis mit den Grünen sogar öffentlich nicht aus. "Wir sind die Partei mit den meisten Optionen, dazu gehört auch Jamaika", sagt er.

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