Landtagswahlkampf in Rheinland-Pfalz
Von Parteifreunden und anderen Feinden

In dreieinhalb Wochen möchte CDU-Chef Christoph Böhr in Rheinland-Pfalz die regierende Koalition mit Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) ablösen. Böhr hat im Wahlkamp viele Gegner - die Chancen für einen Machtwechsel stehen ohne Hilfe schlecht. Die soll nun von Altkanzler Helmut Kohl kommen.

TRIER. Als Christoph Böhr geendet hat, betritt der ewige Sieger die Bühne. Dr. Helmut Kohl bringt seinen Leib hinter dem Rednerpult in Stellung. 1955 sei das gewesen, als er zum ersten Mal im Wahlkampf in Rheinland-Pfalz aufgetreten sei, erzählt der Ex-Bundeskanzler. Vor 51 Jahren.

Kohl nennt Böhr, 52 Jahre alt, "meinen Freund". Und dann mäandert er durch die Geschichte: Mitterrand, Gorbatschow, Helmut Schmidt, die Globalisierung, der Euro. Andächtig lauschen die 500 CDU-Anhänger unter der fleckigen Decke der Turnhalle in Trier-Ehrang.

Zum Schluss, nach einer Stunde, rät Kohl dem Wahlkämpfer Böhr, "stehen zu bleiben, auch wenn der Wind von vorne weht". Dann nimmt er lächelnd die Ovationen entgegen - das Denkmal hat gesprochen.

Ratschläge und Rückenwind kann Christoph Böhr gut gebrauchen. Bei den Landtagswahlen in dreieinhalb Wochen möchte der CDU-Landeschef und Spitzenkandidat in Rheinland-Pfalz Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) und dessen sozialliberale Koalition ablösen - endlich.

Dafür, dass das gelingt, spricht jedoch bisher wenig. Der Gegner ist stark, das eigene Lager nur mühsam vereint, die große Koalition in Berlin zwingt zu maßvollen Attacken, und Böhr selbst galt bislang nicht unbedingt als Siegertyp. Christoph Böhr weiß, wie sich Gegenwind anfühlt.

Zunächst "die anderen", wie Kohl die SPD gerne nennt: Bei einer Direktwahl bekäme Beck Umfragen zufolge fast 70 Prozent der Stimmen gegen Böhr. In der Sonntagsfrage liegt die CDU mit 35 zu 42 Prozent hinter der SPD zurück. Ein Comeback ist noch möglich, aber dem Land zwischen Trier, Mainz und Koblenz geht es gut. Die Arbeitslosenquote liegt bei 8,8 Prozent. Im Bundesvergleich sind nur Bayern und Baden-Württemberg besser. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel musste zum CDU-Wahlkampfauftakt am vergangenen Samstag in Mainz zugeben: "Dieses Land ist nicht das problembehaftetste Land, da braucht man gar nicht drum rum zu reden."

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