Landtagswahlkampf
Interview bringt Althaus Ärger ein

Ende der Schonfrist für Dieter Althaus: Seine öffentliche Rückmeldung per Zeitungsinterview hat am Montag scharfe Kritik der thüringischen Opposition ausgelöst. Der Landesvater wolle mit einer "rührseligen Geschichte auf billige Weise Wählerstimmen ergattern", hieß es. Selbst Parteifreunde sind irritiert.

HB ERFURT. Mit seinem Interview in der "Bild"-Zeitung habe Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) eine "inakzeptable Inszenierung" geliefert, sagte Linke-Spitzenkandidat Bodo Ramelow der "Thüringer Allgemeinen". Am wollen die Ärzte in Althaus' Reha-Klinik zum voraussichtlich letzten Mal über dessen Gesundheitszustand informieren. Für Mittwoch ist Medienberichten zufolge seine Rückkehr in seinen Wohnort Heiligenstadt geplant.

Selbst aus dem Unionslager kam Kritik. "Ich halte nichts davon", sagte der CDU-Landesgeschäftsführer und Wahlkampfchef Andreas Minschke. "Althaus ist noch krank, da besteht nicht der Zwang zum Fotoshooting."

In der "Bild"-Zeitung hatte Althaus erklärt, für die politisch Verantwortlichen in Thüringen inzwischen wieder erreichbar zu sein. "Richtig in die Vollen gehen" könne er aber wahrscheinlich erst im Frühsommer. In den ersten Wochen nach seinem Skiunfall sei er aufgrund seiner Verletzungen und wegen starker Medikamente zunächst unkonzentriert gewesen und habe seine Ruhe haben wollen. "Aber das hat sich in den letzten zwei Wochen geändert. Meine Ärzte haben die Medikamente stark herunterdosiert. Und ich fühle mich sehr viel besser."

Seine Erinnerung an den Neujahrstag reiße mit der Fahrt zur Skipiste ab. "Ich habe überhaupt keine Erinnerung an das Geschehene. Auch nicht an die ersten Tage nach dem Unglück. Diese Zeit ist wie abgeschnitten." Dass die Bilder wiederkehrten, hielten die Ärzte für ausgeschlossen. Als ihm seine Frau von dem tödlichen Unglück berichtet habe, sei dies für ihn "ein furchtbarer Schock" gewesen, sagte Althaus. "Es lässt mich auch jetzt noch nicht los, das ein so schreckliches Unglück passieren konnte. Und dass ich in diesen tragischen Unfall verwickelt bin. Aber für mich und meine Frau stand von Anfang an fest, dass ich zu meiner Verantwortung stehe", erklärte er.

Althaus' Herausforderer Bodo Ramelow sagte dazu, wenn der Regierungschef die Opposition auffordere, den Skiunfall und dessen Folgen aus dem Wahlkampf herauszuhalten, müsse er das "bitteschön auch selbst tun". Stattdessen beginne nun ganz offensichtlich eine Daily Soap, um mit einer "rührseligen Geschichte auf billige Weise Wählerstimmen zu ergattern". Thüringen sei damit "endgültig zu einem Operettenstaat der CDU verkommen", Althaus' Verhalten sei "der jetzigen Krisensituation keinesfalls angemessen".

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