Landwirte fordern Kurswechsel
Deutsche Bauern demonstrieren gegen die EU

Auf dem Bauerntag in Rostock haben Landwirte gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung und der Europäischen Union protestiert. Sie forderten faire Milchpreise und warnten vor dem Zurückfahren der EU-Agrarsubventionen. Hier sollten die Politiker auf keinen Fall den Vorschlägen Tony Blairs folgen.

HB ROSTOCK. In den vergangenen Jahren habe sich die Wettbewerbsstellung der Landwirte kontinuierlich verschlechtert, sagte Verbandspräsident Gerd Sonnleitner in Rostock zu Beginn des Treffens von rund 7000 Bauern. Beispiele dafür seien die Belastung durch die Ökosteuer oder der Wegfall der Steuerbegünstigung für Agrardiesel. „Unsere Landwirtschaft braucht einen Politikwechsel“, verlangte Sonnleitner.

Der Bauerntag steht unter dem Motto: „Landwirtschaft.Arbeit.Zukunft.“ Am Mittwoch spricht Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) vor den Landwirten. Für den gleichen Tag haben sich der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle und der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Glos, angesagt. Die CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidatin Angela Merkel wird beim Landfrauentag am Donnerstag sprechen. An den Bauerntag schließt sich am Freitag und Samstag in Wismar ein Landjugendtag an.

Sonnleitner sagte, die deutsche Landwirtschaft müsse von der Politik wieder als Wirtschaft wahrgenommen werden und nicht nur als Landschaftspfleger. 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes würden von der Agrarbranche erwirtschaftet. Die Landwirtschaft sei fest am Standort Deutschland verwurzelt. Die deutschen Bauern stünden für eine nachhaltige Landbewirtschaftung und Tierhaltung. „Diese Regeln müssen aber für alle Wettbewerber im Markt gelten.“ Er wandte sich damit gegen die Verschärfung von EU-Richtlinien in Deutschland.

Zuvor hatten rund 100 Bauern mit Kühen vor der Rostocker Stadthalle gegen die sinkenden Erzeugerpreise für Milch demonstriert. Der Verkauf von Lebensmitteln unter Einstandspreis sei ein Skandal und müsse verboten werden, hieß es in einem Katalog von Forderungen der Milchbauern an Politik, Lebensmittel-Einzelhandel, Molkereien und die Erzeuger selbst. Die Grundversorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln dürfe nicht in einer Rabattschlacht untergehen. Im Frühjahr hatte eine Lebensmittelkette Milch für 33 Cent pro Liter verkauft, die Produktionskosten liegen bei rund 32 Cent.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) forderte, die EU-Agrarbeihilfen an der Zahl der Arbeitsplätze in einem Betrieb statt nach der Fläche zu bemessen. Das jetzige System führe zur Verdrängung der über Jahrhunderte gewachsenen bäuerlichen Strukturen und die Schaffung von rationalisierten Großbetrieben, kritisierte der Verband, der sich als agrarpolitischen Gegenpol zum Bauernverband sieht. Die AbL warf dem Bauernverband vor, zu sehr auf Massenproduktion zu setzen und so die Bauern in die Abhängigkeit der Industrie zu führen.

Auf dem Landjugendtag in Wismar will der Bund der Deutschen Landjugend Perspektiven für junge Leute in der Landwirtschaft aufzeigen. Zwar sei die Zahl der Auszubildenden in Agrarberufen im vergangenen Jahr um neun Prozent gestiegen, dennoch fehle vielen Betrieben Nachwuchs, teilte der Verband mit. So fänden sich in Mecklenburg-Vorpommern für jährlich 600 neu zu besetzende Stellen nur 150 Anwärter.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%