Langfristige Trendwende
DGB-Chef sieht Arbeitgeber unter Druck

Michael Sommer sieht Anzeichen für eine langfristige Trendwende am Arbeitsmarkt. Nach seiner Einschätzung wird der absehbare Rückgang der Erwerbsbevölkerung, die Arbeitgeber zu größeren Zugeständnissen zwingen.
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DüsseldorfFachkräftemangel und demografischer Wandel sorgen nach Einschätzung von DGB-Chef Michael Sommer für eine grundlegende Verschiebung der Machtverhältnisse in der Lohnpolitik. Die langfristige Trendwende am Arbeitsmarkt werde „den Druck auf die Arbeitgeber sicher erhöhen, Zugeständnisse zu machen“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes dem Handelsblatt (Freitagausgabe). Sommer wertete dies als eine Art ausgleichende Gerechtigkeit: „Das ist nach Jahrzehnten des Versuchs, uns mit Angst um Arbeitsplätze zu erpressen, auch überfällig", sagte er.

Hintergrund seiner Einschätzungen ist der absehbare Rückgang der Erwerbsbevölkerung. Nach den Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamts wird die Zahl der 15- bis 65-Jährigen allein bis 2015 um 800 000 Personen sinken, bis 2030 sogar um 6,5 Millionen. Rufe der Arbeitgeber nach mehr Zuwanderung sind nach Einschätzung des DGB-Chefs insofern teilweise machttaktisch motiviert: Es gehe ihnen auch darum, "den Druck zu senken und die eigene Verhandlungsposition zu verbessern", sagte er.

Die Gewerkschaften sieht Sommer allerdings zugleich vor einer wachsenden Herausforderung, den Zusammenhalt der Arbeitnehmer zu stärken. "Wir müssen als Gewerkschaften auch darauf drängen, dass der Arbeitsmarkt nicht geteilt wird zwischen tarifgebundenen Arbeitsplätzen und prekärer Beschäftigung", sagte er. Sieben Millionen Minijobber und knapp eine Million Zeitarbeiter seien Beleg für ein Problem. "Wir kämpfen entschlossen gegen eine Zweiklassengesellschaft in den Betrieben an", hob der DGB-Chef hervor.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Langfristige Trendwende: DGB-Chef sieht Arbeitgeber unter Druck"

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  • Solange es sich eine Firma wie Sick in Freiburg noch erlauben kann die Generation 45+ mit Begründungen wie "...in dieses junge Team passen Sie nicht..." abzulehnen, ist von einem Fachkräftemange wahrlich Nichts in Sicht.

  • Die Gewerkschaften haben doch völlig vergessen, was sie eigentich sind oder sein sollten.
    Sie sind längst Teil des korrupten Systems geworden und haben auch nur noch die Dollar-Zeichen in den Augen
    Von meinen Beiträgen machen sie MultiKulti-Projekte, diese Lügner
    Der kleine Mann, dessen Anwalt die Gewerkschaften mal waren, interessiert sie schon lange nicht mehr
    Die paar Demos die die Gewerkschaften ab und zu mal abhalten, haben Kindergartencharakter. Da kann man doch nur noch müde lächeln
    Da kenne ich noch andere Streiks. Da blieb hier bei uns der Müll aber tatsächlich wochenlang liegen.
    Die Gewerkschaften gehören zum System gegen den Bürger
    Sommer ist ein Schwätzer

  • Seit Jahrzenten, haben sich die Gewerkschaften auf dem Rücken der Mitglieder eine eigene Welt geschaffen.
    Sie sehen sich heute, als die großen Wirtschaftslenker/Politiker, zum nutzen ihrer Taschen. Den Arbeitnehmer haben sie schon lange verraten und verkauft.
    Ich bin für eine Überprüfung der Gewerkschaften, durch ihre Mitglieder, sie müssen genauso Rechenschaft ablegen über das was sie geleistet haben.
    Sie sind nicht einmal mehr in der Lage zu erkennen, warum die Mitglieder abwandern?
    Zu diesem Thema hört man aus den Klimatisierten Büros der Gewerkschaften nichts.
    Die Gewerkschaften (Führung) muss auf den Boden der Realität zurück geholt werden, durch die Mitglieder.
    Alle Gewerkschaften müssen wider den Menschen in den Mittelpunk ihrer Arbeit stellen, und dürfen nicht weiter Mit den Unternehmen oder der Politik kokettieren.
    Danke

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