10.12.2009

Laut Bauernverband: Landwirte verdienen nur noch 2000 Euro brutto

Die finanzielle Lage der Landwirte hat sich im vergangenen Jahr nach Darstellung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) deutlich verschlechtert. Das Unternehmensergebnis der Haupterwerbsbetriebe ging durchschnittlich von 45 400 Euro um 24 Prozent auf 34 400 Euro zurück. Damit habe ein Landwirt ein monatliches Einkommen von 2050 Euro brutto.

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BBV-Präsiddent Gerd Sonnleitner: Desaströses Wirtschaftsjahr 2008/2009. Quelle: dpaLupe

BBV-Präsiddent Gerd Sonnleitner: Desaströses Wirtschaftsjahr 2008/2009. Quelle: dpa

HB BERLIN/PARIS. Milchvieh- und Ackerbauerbetriebe hätten besondere Einbrüche erleiden müssen. Ausgenommen von diesem Einbruch seien Schweine- und Geflügelhalter, wie der Deutsche Bauernverband (DBV) am Donnerstag in Berlin mitteilte.

DBV-Präsident Gerd Sonnleitner sprach von einem "desaströsen Wirtschaftsjahr" 2008/2009 für die Landwirtschaft insgesamt, in der eine Million Menschen beschäftigt seien. Die Einkommenssituation der Milchbauern, die im vergangenen Jahr wiederholt gegen existenzbedrohend niedrige Erzeugerpreise auf die Straße gegangen sind, sei weiterhin "sehr, sehr schlecht", berichtete Sonnleitner. Allerdings zögen die Milchpreise wieder an. Dies sei unter anderem auf Sonderhilfen der EU zurückzuführen.

Für die deutsche Landwirtschaft werde der Export immer wichtiger, erläuterte der DBV-Präsident. Deutschland sei mittlerweile drittgrößter Exporteur im Weltagrarhandel (2008 gut 52 Mrd. Euro). Bereits 2007 habe man Frankreich vom dritten Platz verdrängt. Fast jeder vierte Euro, den die Bauern verdienten, komme aus dem Export. Gleichwohl importiere Deutschland mit rund 62 Mrd. Euro nach wie vor mehr Agrargüter als es exportiere.

Auch die Landwirtschaft sei von der Wirtschafts- und Finanzkrise im zu Ende gehenden Jahr betroffen gewesen, sagte der DBV-Präsident. Mit dem aktuellen Sonderprogramm der Bundesregierung für die Landwirtschaft in Höhe von 750 Mio. Euro zeigte er sich durchaus zufrieden. Angesichts der Einkommenssituation sei dies "der richtige Weg", um den Betrieben zeitlich befristet zu helfen. Als positiv bezeichnete es der Bauern-Präsident auch, dass die neue schwarz-gelbe Koalition nationale Alleingänge innerhalb der EU für einen besseren Tier-, Natur- und Umweltschutz unterlassen wolle.

Die Landwirte seien seit der Großdemonstration in Berlin im Sommer dieses Jahres ein gutes Stück vorangekommen, die Liquidität der Betriebe zu sichern, sagte Sonnleitner. Zugleich bekräftigte er die Forderung des DBV, eine Risikoausgleichsrücklage für die Landwirtschaft einzurichten. Wenn es Lehren aus der Krise zu ziehen gelte, dann die, dass ein Sicherheitsnetz und Flankenschutz nötig sei, um die immer stärker spezialisierten Betriebe gegenüber heftigen Schwankungen der Agrarmärkte abzusichern.

EU-Landwirtschaftsminister beraten in Paris

Die EU-Landwirtschaftsminister sind am Donnerstag in Paris zu Beratungen über die Lage auf dem Milchmarkt und die Zukunft der europäischen Agrarpolitik zusammengekommen. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) wollte sich bei dem Treffen dafür einsetzen, dass die deutschen Bauern auch nach 2013 Euro-Subventionen erhalten. Sie spricht sich für eine starke Säule direkter Beihilfen und eine finanziell gut ausgestattete Säule der Mittel für ländliche Regionen aus. Zum Treffen in Paris hatte der französische Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire eingeladen. Willkommen waren alle EU-Staaten, die ein Interesse daran haben, dass die Agrarmärkte reguliert werden.

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Kommentare (1)

  • 10.12. 13:49Spam melden
    [1] WFriedrich

    Rückläufige Bedarfsmengen infolge der demografischen Veränderungen und steigende Produktivität - auch in Landwirtschaftsbetrieben - werden die Löhne dieser Branche weiterhin massiv drücken, falls der Personalbestand nicht Schritt hält. Mangelnde Kaufkraft der Importländer wird auch künftig die Belieferung nach Bedürftigkeit verhindern. Subventionierung stößt zunehmend auf Ablehnung. Unter diesen misslichen Bedingungen werden nur Landwirte erfolgreich wirtschaften, die ihr Produktportfolio mit neue Produkten und Dienstleistungen erweitern. Dabei darf sich das Interesse nicht allein auf hochsubventionierte Öko-Energieträger beschränken.

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