Laut Verwaltungsrat
Bundesagentur droht Milliarden-Defizit

Die Konjunktur trübt sich ein, der Jobaufschwung verliert an Tempo - das bleibt nicht ohne Folgen für die Bundesagentur für Arbeit. In diesem Jahr erwartet sie einen Überschuss - für 2013 sieht es dagegen düster aus.
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NürnbergNach einer kurzen finanziellen Erholungshase droht der Bundesagentur für Arbeit (BA) bereits im kommenden Jahr wieder ein Milliarden-Defizit. „Ich rechne für 2013 mit gut einer Milliarde Euro“, sagte das BA-Verwaltungsratsmitglied Wilhelm Adamy am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Die in diesem Jahr erwirtschaftete Rücklage der Bundesagentur werde damit im kommenden Jahr wieder weitgehend aufgezehrt, befürchtet Adamy, der in dem BA-Kontrollgremium die Arbeitnehmerinteressen vertritt.

„Die Bundesagentur hat damit kaum Möglichkeiten, in der guten Konjunktursituation ein finanzielles Polster zu bilden. Die Situation zeigt: Die Bundesagentur ist tendenziell unterfinanziert“, kritisiert der DGB-Vertreter im Verwaltungsrat. Neben der sich abschwächenden Konjunktur wird vor allem die Streichung weiterer Bundesmittel die Finanzen belasten: Vom kommenden Jahr an müsse die BA komplett auf die rund 7 Milliarden Euro verzichten, die ihr die Bundesregierung einst mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent zugestanden hatte. Mit dem Geld sollte die Beitragssenkung abgefedert werden.

Adamy räumte zwar ein, dass der Bund die Bundesagentur mit dem künftigen Verzicht auf den sogenannten Eingliederungsbeitrag um mehrere Milliarden Euro entlastet. „Wenn man beides aufrechnet, bleibt der BA 2013 aber immer noch ein Fehlbetrag von 3,4 Milliarden Euro.“ Adamy befürchtet, dass die Bundesagentur ohne ausreichende Rücklagen künftig nicht mehr angemessen auf Konjunkturkrisen reagieren könne, wie dies 2009 und 2010 der Fall war.

Die Bundesagentur wollte die Prognosen nicht kommentieren. Eine BA-Sprecherin verwies am Donnerstag lediglich darauf, dass an dem Haushalt für das Jahr 2013 noch gearbeitet werde. Er solle am 9. November dem BA-Verwaltungsrat vorgelegt werden. Die noch aus dem Frühjahr stammende mittelfristige Finanzeinschätzung war für 2013 noch von einem Überschuss von 600 Millionen Euro ausgegangen. Allerdings hatten die Finanzplaner seinerzeit noch ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent unterstellt. Inzwischen haben die Wirtschaftsweisen ihre Prognose deutlich nach unten korrigiert.

Für das laufende Jahr rechnet die Bundesagentur dagegen noch mit einem Überschuss von 2,1 Milliarden Euro, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten BA-Finanzbericht für das dritte Quartal hervorgeht, der auch der „Rheinischen Post“ vorlag. Die Bundesagentur profitiert demnach von der vergleichsweise guten Arbeitsmarktlage in der ersten Jahreshälfte. In den ersten neun Monaten hatte die Bundesagentur um 1,73 Millionen geringere Ausgaben als erwartet. Zugleich seien in diesem Zeitraum aber auch die Einnahmen gesunken.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Laut Verwaltungsrat: Bundesagentur droht Milliarden-Defizit"

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  • abaya
    wie sollen die denn die Sprache des Volkes sprechen?
    Von der Schulbank in den Bundestag, ohne je nur einen einzigen Tag gearbeiet zu haben, haben die alle doch gar keine Ahnung vom Leben
    Die reden doch wie der Blide von der Farbe-
    Es wird wirklich höchste Zeit, dass wir alle die derzeit den Bundestag bevölkern wegjagen und in die Industrie in die Produktion stecken.
    Da können sie dann erst einmal das Arbeiten lernen. Entlohnt werden sie lediglich nach dem Hartz IV - Satz.
    In einem Vierteljahr sind die geläutert

  • Man muß nicht unbedingt akademisch vorgebildet sein um festzustellen, dass es von heillosem Chaos spricht, wenn am 6.10. von Millardengewinn und heute von Millardendefizit gesprochen wird. Mensch prüft doch sorgfältig nach "Kartoffelbauernsitte" über was tatsächlich diskutiert wird. Und dann sprecht die Sprache des Volkes!

  • Der Bundesagentur für Arbeit droht das Milliardendefizit nicht wegen der sich durch Politikversagen und permanente falsche Weichenstellungen eintrübenden Konjunktur, sondern durch mit getürkten Zahlen der einzelnen Jobcenter kaum noch zu kaschierender Ineffizienz, durch ein ungeheuerliches Vernichten an Geldern für meist sinnlose Fortbildungskurse, durch Einrichten überdimensionaler Prachtbauten und durch eine kranke Struktur, die Schnorrertum und Abzockerei fördert. Die Bundesagentur ist ebenso überflüssig, sinnlos und kontraproduktiv wie der meiste bürokratische Unsinn in diesem Lande. Statt solche Geldverschwendungsbehörden weiter zu alimentieren, sollten wir endlich einen straffen, effizienten Staat schaffen, der sich auf seine Kernaufgaben konzentiert: Innere und äußere Sicherheit, Rahmenrichtlinien für die Wirtschaft schaffen, statt die Wirtschaft durch einen meist widersinnigen Vorschriftenwust zu strangulieren, Schaffung einer guten, auf menschzlicher Zuwendung basierenden gesundheitlichen Grundversorgung statt eines bürokratischen Monsters, von dem lediglich die Pharmaindustrie und die Hersteller medizinischer Geräte profitieren, etc. In solch einem effizienten System enstehen gut bezahlte, legale Arbeitsplätze von ganz allein, denn dann können dank Kosteneinsparungen endlich die Steuern so gesenkt werden, dass sich Schwarzarbeit nicht mehr lohnt und die bei uns munter folierende Schattenwirtschaft ausgetrocknet wird. Und raus aus der nationalen wie der europäischen Transferunion, damit auch unsere Enkel noch Luft zum Leben haben.

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