Lebensfremd

CDU-Widerstand gegen Rente mit 70

Nicht nur Ökonomen halten eine Frühverrentung für falsch. Auch EU-Kommissar Oettinger fordert wegen des Fachkräftemangels einen späteren Rentenbeginn mit 70 Jahren. Der CDU-Sozialflügel hält das für lebensfremd.
Update: 22.04.2014 - 00:17 Uhr 9 Kommentare
Geld für die Rentenkasse: Kinderlose sollen mehr Steuern zahlen. Quelle: dpa

Geld für die Rentenkasse: Kinderlose sollen mehr Steuern zahlen.

(Foto: dpa)

BerlinDie Forderung von EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) nach einer Rente mit 70 stößt auf deutliche Ablehnung in der Union. „Oettinger geht mit seiner Forderung an der Lebenswirklichkeit vorbei", sagte der Bundesvize der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler (CDU), Handelsblatt Online. Das effektive Renteneintrittsalter liege deutlich unter 63 Jahren.

 „Unternehmen wie Daimler oder Audi schicken ihre Facharbeiter über die Altersteilzeit mit Ende 50 in den Ruhestand“, betonte Bäumler.  Die Diskussionen über einen Fachkräftemangel in Deutschland hätten daher wenig mit der betrieblichen Wirklichkeit zu tun.

 Der CDA-Vize wandte sich auch gegen die Kritik des EU-Kommissars an der Rente mit 45 Beitragsjahren. „Wer 45 Jahre gearbeitet, Kinder erzogen und Angehörige gepflegt hat, verdient es ohne Abschläge in Rente zu gehen“, sagte Bäumler.

Oettinger hatte sich im scharfen Gegensatz zur Rentenpolitik der Großen Koalition für eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit ausgesprochen. „Wir haben einen Fachkräftemangel und müssen in den nächsten Jahren über die Rente mit 70 sprechen“, sagte er in einem Interview. „Wir müssen Menschen mit beruflicher Weiterbildung fit machen für eine längere Lebensarbeitszeit.“ Die von Schwarz-Rot geplante Rente mit 63 kritisierte Oettinger als „falsches Signal“ auch nach außen.

Unterstützung bekam er von Marcel Fratzscher, dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). „Durch die steigende Lebenserwartung und die demografische Wende ist die Frage der Rente mit 70 unausweichlich“, sagte er der „Welt“.

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9 Kommentare zu "Lebensfremd: CDU-Widerstand gegen Rente mit 70"

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  • Zum Wohle Europas wäre eigentlich die Rente erst durch Nachweis zweier ärztlicher Gutachten und nicht vor dem 75. Lebensjahr in Deutschland zu gewähren. Vielleicht klappt es dann mal mit dem Nachdenken im gerontologischen Deutschland!

    Solange Intelligenz-befreit gewählt wird wie gewählt wird, muss es erst noch viel schlimmer kommen bevor es besser werden kann.

  • Ein Oettinger, der nie im Leben richtig gearbeitet hat, sollte besser schweigen. Er verhöhnt alle schwer arbeitenden Bürger unseres Landes. Er sollte sich besser dafür einsetzen, die gesetzliche Rente für alle Bürger zur Pflicht zu machen. Dann braucht keiner bis 70 zu arbeiten. Der Renteneinstieg muss flexibel gestaltet werden: zwischen 63 und 67 Jahren, ohne massive Kürzungen.

  • Hätten wir weniger von diesen kompetenzfreien und zugleich sozialautistisch veranlagten Politikern im "Deutschland-schafft-sich-ab-Modus" wie Oettinger & Co., deren Hauptmotivation sich auf die Sicherung der eigenen Pfründe beschränkt, wäre unser Land um einige Probleme ärmer.

  • Warum wird nicht die Altersdiskussion über den Rentenbeginn für JEDEN Ruheständler zu Grunde gelegt?!
    Warum sollten Dachdecker & Co, Politiker, Beamte und Piloten nicht unter den gleichen Voraussetzungen ihren Lebensabend genießen dürfen?

  • Wiedermal die Willkür aus der Politik und Lobby !

    Wer bestimmt über das Rentensystem ?

    Die Ausnahmen, wie Parlamentarier, Beamte und die Lobby wie, Arbeitgeberverbände/Versicherungen mit Anspruch auf Kostenreduzierung und Rendite !

    Betroffene zukünftige Rentner, die ausschließlich davon Ihren Lebensabend und Lebensqualität bestreiten müssen, erkenne ich bei der "Renten-Kommission" nicht !

    Die ewige Diskussion über die Renten- und Gesundheitssysteme ist mittlerweile erbärmlich !

    Die Rente muss auf ganz andere Säulen gestellt werden und dies wäre ohne Probleme bezahlbar, auch mit dem früheren Rentenniveau, längst überfällig (mind. 30 Jahre) !

    NUR, warum macht man es nicht ?

    Jeder Arbeitnehmer und Rentner sollte genau dieses wichtige Thema verfolgen, dann erkennt er sehr schnell, die fehlende Anerkennung seiner Lebensleistung aus Politik und Lobby !

    In diesem Land möchte ich als junger Arbeitnehmer keine Familie mehr gründen ! Wir werden außerhalb D nicht beneidet, eher belächelt, mit dieser drittklassigen Politik und "Arbeitskultur" !

    Kurzum: Die totale Verars....g !

  • Äusserungen von Energiekommissar Öttinger sollte man einfach nicht ernst nehmen.

    Entweder er liest etwas vor, was ihn hinterher zum Rücktritt oder zur Nichtkandidatur zwingt oder er palavert über Themen von denen er nichts versteht.

    Er sollte besser Englisch lernen, "denn Englisch ist die Weltsprache", diese Aussage ist auch wieder von ihm.

  • Ein Thema wird bei den Diskussionen völlig ausgeblendet:
    Wie viele große Firmen sind denn erst mal bereit Mitarbeiter weiter zu beschäftigen, die älter als 62/63 Jahre sind. Dies muß vorrangig geklärt werden, und dann erst über eine längere Lebensarbeitszeit diskutieren. Es ist bis heute nichts geschehen, daraus ersieht man wieder, daß unsere Politiker und deren Vasallen nur eine sehr vage Vorstellung vom realen Arbeitsmarkt besitzen.
    Diese Erkenntnis ist aber auch nicht neu; trotzdem diskutiert man wie ein Bärenfell zerteilt werden kann, ohne daß der Bär erlegt wurde.

  • Oettinger hat doch Recht: Rente in Deutschland bitte erst mit frühestens 100 und dann auch nur mit nachweislicher körperlicher Unfähigkeit. Demenz ist nur eine geistige "ausfallerscheinung" und zählt da nicht hinein. Solange die Menschen noch krabbeln können, können diese auch noch an den nichtvorhandenen Arbeitsplätzen arbeiten.

  • Der Begriff "lebensfremd" trifft schon zu. Wird Zeit das die Politik hier mehr auf Realitäten guckt, statt nur auf sprudelnde Einnahmen.
    Bin gespannt wie lange sich die Klientels noch gegen eine Grundkasse für alle wehren können. Eine grundlegende Reform scheint ja an den üppigen Pensionskassen zu scheitern. Gerade diese Klientel kann sowieso bis 80 Jahre arbeiten, ohne krummen Rücken.
    Aber auch hier geht immer erst alles wenn genug Druck und "Handlungsbedarf" diagnostiziert wird.

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