Lebensmittelkennzeichnung
Neue Warnhinweise für Verbraucher

Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) will bei der umstrittenen Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln nun doch Symbole mit den Ampelfarben rot, gelb und grün verbindlich einführen. Bislang hatte er die Ampelkennzeichnung als „Volksverdummung“ abgelehnt.

BERLIN. Bei den wichtigsten Nährwerten sei eine Kombination von Farbsymbolen und konkreten Nährwertangaben sinnvoll, sagte Seehofer am Rande eines Treffens der EU-Agrarminister in Slowenien. Bislang hatte er die Ampelkennzeichnung als „Volksverdummung“ abgelehnt und sich dadurch den Vorwurf auch des Koalitionspartners SPD eingehandelt, er vertrete einseitig die Interessen der Ernährungsindustrie. Die hatte ein freiwilliges Kennzeichnungssystem angeboten, bei dem auf der Packung der Anteil der Nährwerte im Verhältnis zum Tagesbedarf angegeben wird.

Seinen Sinneswandel begründete Seehofer mit den Ergebnissen einer Umfrage, die sein Ministerium bereits Ende März abgeschlossen hatte. Danach hätten 82 Prozent der Befragten Nährwertangaben im Bezug zum Tagesbedarf zwar als sinnvoll bewertet. 55 Prozent hätten aber zudem angegeben, dass eine farbliche Unterlegung der Angaben eine zusätzliche Hilfe bei Produktauswahl sei.

Genau dies will der Minister sehr zum Ärger der Ernährungsindustrie nun umsetzen und die Angaben etwa für den Zucker-, Fett- oder Salzgehalt der Produkte farblich unterlegen. Damit dürfte auf den meisten Süßwaren, Chips- und Erdnusstüten in deutschen Regalen wie schon heute in Großbritannien künftig die rote Ampel prangen.

Um sicher zu stellen, dass auch europäische Konzerne sich an die neuen Regeln halten, will sich der Minister zudem für eine EU-weite Regelung nach deutschem Vorbild stark machen. Die bisherigen freiwilligen Angaben auf den Packungen kritisierte er als zu klein und zusammenhanglos, weshalb der Verbraucher wenig damit Anfangen könne.

Frei ist seit Montag auch der Weg für eine neue Kennzeichnungsvorschrift, die es erstmals erlaubt, tierischer Produkte wie Fleisch, Milch und Eier auch dann als gentechnikfrei zu kennzeichnen, wenn bei der Fütterung gentechnisch hergestellte Vitamine und Zusatzstoffe verwendet wurden. Sie sollte bereits zum 1. Mai in Kraft treten. Der Termin wurde aber unbestimmte Zeit verschoben, nachdem Polen Einwände dagegen erhoben hatte. Die habe das Land nun zurückgezogen, berichtete Seehofer.

Die Regelung ist allerdings auch in Deutschland umstritten. Bauern und Lebensmittelhersteller kritisieren sie als Etikettenschwindel, weil sie sogar erlaubt, Fleisch als gentechnikfrei zu kennzeichnen, das von Schweinen stammt, die noch bis zu vier Monaten vor der Schlachtung mit Genmais gefüttert wurden.

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