Lebensmittelpreise
Milch erlebt Preisrutsch

Mit Zeitungsanzeigen haben die führenden Discounter Aldi und Lidl sowie der Supermarktriese Rewe auf Preissenkungen bei Milch und mehreren Milchprodukten wie Kondensmilch, Schlagsahne und Quark aufmerksam gemacht – die Bauern protestieren und drohen.

HB DÜSSELDORF/BERLIN. Die Preissenkungen bei Milch fielen mit 12 Cent je Liter noch stärker aus, als im Vorfeld in Branchenkreisen erwartet wurde. Bei frischer fettarmer Milch entsprechen die 12 Cent einem Rückgang um 18 Prozent. Der führende deutsche Lebensmittelhändler Edeka kündigte für die kommenden Tagen Milchpreissenkungen an.

Die deutschen Molkereien rechnen nun mit Preissenkungen in der ganzen Branche. „Ich gehe davon aus, dass das auf breiter Ebene kommen wird“, sagte der Geschäftsführer des Milchindustrieverbands, Michael Brandl, am Montag in Berlin. „Es ist ein erheblicher Preisverfall da“, sagte er. Das Angebot sei größer als die Nachfrage, und es gebe Exportschwierigkeiten durch weniger Preisstützung sowie den starken Euro. Die hohen Milchpreise in den vergangenen Monaten hätten die Milchbauern dazu animiert, mehr Milch zu produzieren.

Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) warnt angesichts der deutlichen Preissenkungen vor einer Existenznot der Milchbauern. „Das bedeutet für die Bauern, dass es wieder Probleme gibt auch für die Existenzen kleiner und mittlerer Betriebe“, sagte Seehofer am Montag in Berlin. Er befürchte, dass die Einkaufspreise wieder auf das Niveau vor den Preiserhöhungen vom vergangenen Jahr zurückgingen.

Seehofer warf der EU-Kommission indirekt vor, sie habe die sinkenden Preise durch die Erhöhung der Milchproduktionsquoten mitverursacht. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner befürchtet dramatische Folgen. „Es ist unverschämt, wie diese Discounter ihre Marktmacht ausnutzen“, sagte er. Damit werde die Landwirtschaft „an die Wand gedrückt“.

Die Milchindustrie zeigte Verständnis, sieht aber angesichts der Marktlage keine andere Möglichkeit. „Es ist berechtigt, wenn die Bauern sagen, sie haben eine schwierigere Situation als im letzten Jahr“, sagte Brandl. „Wir können aber den Markt nicht auf den Kopf stellen.“ Die Milchpreise können nach Einschätzung der Molkereien in diesem Jahr möglicherweise auch wieder steigen. Man müsse sich auf schwankende Preise einstellen. Die neuen Abschlüsse seien zunächst für ein halbes Jahr gültig.

Molkereien und Handelskonzerne hatten in den vergangenen Tagen und Wochen über Einkaufspreise verhandelt. Die Milchbauern hatten in den vergangenen Tagen mit einem Lieferboykott gedroht, falls die Einkaufspreise sinken. Auch der Deutsche Bauernverband hatte gegen sinkende Einkaufspreise protestiert.

Trotz der Abschläge beim Milchpreis erwartet der Aufsichtsratschef des Discounters Lidl, Klaus Gehrig, steigende Lebensmittelpreise. Der „Bild“-Zeitung sagte er: „Es wird einen Preisschub bei Lebensmitteln in den nächsten Monaten geben. Das kommt auf uns zu. Die Markenartikler, die sich bislang noch zurückgehalten haben, werden jetzt nachziehen.“ Grund seien die weltweit dramatisch gestiegenen Nahrungsmittelpreise. Lebensmittel würden nicht dauerhaft billiger. Es werde Schwankungen geben, wie derzeit etwa bei der Milch. Die Zeit von dauerhaften Preissenkungen sei jedoch vorbei.

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