Lebensmittelpreise
Milchboykott: Kühlregale bleiben leer

Am Dienstag sind in einigen Supermärkten die Milchregale leer geblieben. Damit wird der Boykott der Milchbauern nach einer Woche nun auch für die Verbraucher spürbar. Doch nicht nur der Unmut der Konsumenten könnte die protestierenden Bauern treffen. Nach Ansicht von Kartellrechtsexperten gehen sie auch juristisch ein hohes Risiko ein.

HB HAMBURG/BERLIN/DÜSSELDORF. "Es steht nicht mehr in jedem Markt und in jeder Region das volle Sortiment an Milchprodukten zur Verfügung. Wie sich die Situation weiter entwickelt, können wir nicht vorhersagen", sagte Alexander Lüders, Sprecher des größten deutschen Lebensmittel-Einzelhändlers Edeka. Der Süden Deutschlands sei stärker betroffen als der Norden.

Auch in einigen Läden des drittgrößten deutschen Discounters Plus gab es Engpässe, bestätigte eine Sprecherin der Tengelmann-Tochter. Die Handelskette Globus rechnet spätestens von Montag an mit Versorgungslücken.

"Lieferengpässe von größerem Ausmaß und leere Kühlregale sind in der jetzigen Situation in absehbarer Zeit nicht zu befürchten", betonte aber der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Einzelhandelsverbands, Stefan Genth, in Berlin.

Die Milchbauern wollen einen Milchpreis von 43 Cent pro Liter durchsetzen. Derzeit erhalten sie nach eigenen Angaben maximal 35 Cent. Zwar räumten die protestierenden Bauern einige der blockierten Molkereien wieder. Viele Betriebe waren aber weiter von der Milchlieferung abgeschnitten, etwa Europas größte Molkerei Sachsenmilch bei Dresden.

Einige Molkereien mussten wegen der Blockaden die Produktion einstellen, darunter die rheinland-pfälzischen Großmolkereien Hochwald und Milch Hocheifel-Union (MUH). Allein der MUH entsteht nach Unternehmensangaben ein Schaden von 2,5 Millionen Euro pro Tag. Die Milchindustrie droht den Bauern deshalb mit Klagen.

Am Dienstag zeigte sich Edeka aber offen für Verhandlungen über einen höheren Milchpreis. "Generell sind wir zu Gesprächen bereit, auf der Grundlage marktwirtschaftlicher Gesetze", sagte Edeka-Sprecher Lüders.

Die Position des Verbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) ist indes unklar. Zunächst hieß es, der Lieferboykott solle fortgesetzt werden. Dann riet der BDM seinen Mitgliedern, die Blockaden von Molkereien zu beenden. "Wir empfehlen, vor den Molkereien eine Eskalation zu vermeiden, damit wir zu vernünftigen, sachlichen Gesprächen kommen", sagte BDM-Pressemitarbeiter Franz Grosse am Dienstag in Berlin. Die Bauern sollten dennoch vor Ort Präsenz zeigen, die Werke aber nicht blockieren, so dass Tankwagen durchfahren könnten.

Derzeit bleiben laut BDM etwa 80 Prozent der Milch auf den Höfen, rund 70 Prozent der Milchbauern beteiligen sich an den Protesten.

Am Montagabend hatten sich Vertreter der Bauern und des Handels zu einem ersten Gespräch getroffen. "Die Molkereien müssen jetzt auf die einzelnen Handelsunternehmen zugehen", hatte Bauernverbands-Sprecher Michael Lohse im Anschluss gesagt. Weitere Stellungnahmen lehnten die Verbände ab.

Die Milchindustrie droht den Bauern nun mit Klagen. "Die Boykotte sind illegal. Und Illegales muss man mit dem Gesetz bekämpfen", sagte Eberhard Hetzner, Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Der Verband werde seinen Mitgliedern empfehlen, juristisch gegen Boykotte vorzugehen.

Seite 1:

Milchboykott: Kühlregale bleiben leer

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%