Lebensmittelpreise
Milchpreise beschäftigen Kartellamt

Der Streit um die Milchpreise beschäftigt jetzt auch das Bundeskartellamt. Die Wettbewerbshüter prüfen nach eigenen Angaben vom Mittwoch, ob ein Verfahren wegen Preisabsprachen eingeleitet werden muss. Der Bauernverband hatte sich wegen der drastischen Preissenkungen im Einzelhandel an die Behörde gewandt.

FRANKFURT/MAIN. Große Einzelhandelsketten hatten am Montag die Preise für Milch und Milchprodukte um bis zu 18 Prozent gesenkt. Ausgelöst worden war der Preissturz vom Discounter Aldi, doch zogen die Konkurrenten Lidl, Edeka und Rewe praktisch sofort nach.

Die Bauern protestieren gegen die Preissenkungen. Nach Polizeiangaben demonstrierten rund 1 000 Demonstranten in Stuttgart. Dort kritisierte der Präsident des Landesbauernverbands Baden-Württemberg, Joachim Rukwied, die Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels treibe die Milchbauern in den Bankrott. Die durchschnittlichen Erlöse deckten die deutlich um sechs bis acht Cent je Kilogramm gegenüber dem Vorjahr gestiegenen Produktionskosten nicht ab.

Der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr, wies die Kritik zurück: „Der Bauernverband prügelt den Falschen“, sagte er. Für die Preise seien die zwischen Bauern und Handel geschalteten Molkereien verantwortlich, deren Eigentümer genossenschaftlich die Bauern seien.

Ursache für die Preissenkungen sind laut Pellengahr gestiegene Milchmengen, wobei zugleich die Nachfrage spürbar zurückgegangen sei: „Da muss der Preis sinken, sonst würde der Markt nicht funktionieren.“

Als „völlig absurd“ wies der Sprecher den Aufruf des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zurück, den Einkauf bei Aldi zu überdenken. Beim Bauernverband sei eine „Besorgniserregende Radikalisierung in Sprache und Aktion“ zu beobachten, sagte Pellengahr. Damit würden falsche Erwartungen geweckt, „als ob man mit Randale Marktmechanismen aushebeln“ könne.

Gleichwohl geht das Bundeskartellamt der Beschwerde des Bauernverbands nach, die fast gleichzeitige Preissenkung deute auf eine Absprache hin. Ein Sprecher sagte am Mittwoch in Bonn, die zuständige Beschlussabteilung untersuche, ob ein Verfahren eingeleitet werden müsse.

Bauernverbandspräsident Helmut Sonnleitner hatte sich am Montag an die Wettbewerbshüter gewandt. Die Bauern bestehen laut Sonnleitner darauf, dass „die völlig unnötige Preissenkung durch den Lebensmitteleinzelhandel umgehend wieder vollständig korrigiert wird“. Darüber hinaus attackierte Sonnleitner die Molkereiwirtschaft. Sie sei erneut nicht in der Lage gewesen, faire Bedingungen für die Bauern durchzusetzen.

Unterdessen erklärte Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer, er erwarte langfristig in Europa keine größeren Preissteigerungen: „Ich glaube, dass sich die Lebensmittelpreise bei uns, also in Europa und Deutschland, einpendeln werden, und nicht der Inflationstreiber in der Zukunft sein werden“, sagte der CSU-Politiker im Bayerischen Rundfunk.

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