Lebensmittelskandal
Pferdefleisch-Lasagne an Arme zu verteilen sei zynisch

Als „zynisch und menschenunwürdig“ bezeichneten deutsche Hilfsorganisationen den Vorschlag: In Frankreich werden mit Pferdefleisch verunreinigte Produkte an Arme verteilt - sogar durch karitative Einrichtungen.
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BerlinAnders als in Frankreich sind Hilfsorganisationen in Deutschland empört über den Vorschlag, die im Pferdefleisch-Skandal aus dem Handel gezogenen Tiefkühlgerichte an Bedürftige zu verteilen. "Der Vorschlag ist respektlos gegenüber Bedürftigen", sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, der "Bild"-Zeitung vom Freitag. "Qualitative Mindeststandards muss jeder Bedürftige erhalten. Wer so etwas vorschlägt, kann nur Kopfschütteln auslösen."

Auch Christian Bakemeier, Geschäftsführer der Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission, lehnte den Vorschlag ab: Es sei bedürftigen Menschen nicht zuzumuten, sich von nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln zu ernähren, sagte er der Zeitung. Es sei "zynisch und menschenunwürdig", die Armutsprobleme in Deutschland auch nur punktuell mit der Verteilung von Pferdefleisch-Lasagne lösen zu wollen.

Beim Hilfswerk Misereor wird befürchtet, dass das in den falsch beschrifteten Produkten enthaltene Pferdefleisch mit gefährlichen Medikamenten-Rückständen belastet sein könnte. Damit sei eine Weitergabe an Bedürftige nicht zu verantworten, sagte ein Sprecher der "Bild"-Zeitung.

In Frankreich hatten mehrere Hilfsorganisationen die Bereitschaft erklärt, die aus dem Handel gezogenen Produkte zu verteilen. Voraussetzung sei aber eine Garantie für die Unbedenklichkeit der Lebensmittel. Auch das Rote Kreuz in Frankreich allerdings schloss die Weitergabe der aus dem Verkehr gezogenen Tiefkühl-Gerichte aus und verwies auf die Menschenwürde. "Wenn man nicht genug zu essen hat, bedeutet dies nicht, dass man isst, was andere nicht wollen", sagte ein Sprecher.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Lebensmittelskandal: Pferdefleisch-Lasagne an Arme zu verteilen sei zynisch"

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  • Zu Helen 23.02.2013, 8:53 Uhr:
    Die Leute sind nicht blöd und fressen auch keinen Shit. Selbst mein Hund isst manierlich.

    Eine Unbedenklichkeitserklärung, daß das Fleisch nicht von kranken (unbehandelten) oder behandelten kranken Pferden ist müsste vorliegen. Kurzum, daß das Pferdefleisch nicht sogar gesundheitsschädlich ist, darum geht es bei der Verteilung an Bedürftige. Was nützt es, wenn diese Leute damit zwar satt, aber gleichzeitig davon krank werden und entsprechend behandelt werden müssen. Lasagne essen auch kleine Kinder gerne, soweit denken diese Politiker nicht. Und übrigens, es hat einen faden Beigeschmack, wenn Politiker diese Gerichte für Bedürftige noch gut genug finden. Sind es denn Menschen zweiter Klasse, nur weil sie arm sind??? Ist die Unbedenklichkeitserklärung da, dann spricht nichts dagegen. Eine Frage noch: Was geschieht mit den ausgesetzten Pferden in Spanien, die bis auf die Rippen abgemagert und vielleicht krank sind. Kommen die auch in die Pferdeschlachterei in Spanien? Bericht RTL aktuell vom 19.02.2013, Pferdeskandal in Spanien.

  • Sie treffen es genau auf den Punkt.

  • Ich mag Pferdefleisch. Eines der qualitativ hochwertigsten Fleischsorten. Lecker! Gesund ist es auch! Mit viel Eisen und Mineralien.
    Und was die Hilfsorganisationen mit "In Frankreich werden mit Pferdefleisch verunreinigte Produkte an Arme verteilt". Pferdefleisch ist seit Jahrhunderten Bestandteil der europäischen Küche. Eselsfleisch wird in die südländische Wurscht verarbeitet, deswegen schmeckt sie auch so gut.
    Die Leute haben keine Ahnung von Nahrung. Ist schon klar. Wenn man gewöhnt ist Schwein/Huhn/Ring zu essen, dass auf Masse gezüchtet wird, vollgepumpt mit Hormonen und Antibiotika, denkt man natürlich Pferd und Esel wären grüne Männchen vom Mars.
    Wenn jemand gewöhnt ist täglich Shit zu fressen und du setzt ihm Kaviar und Hummer vor, wird er denken das ist Gift;-)

    Die Leute sind vielleicht blöd!

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