Lehren aus Fukushima
Katastrophenschutz ist „stark verbesserungswürdig“

Die Strahlenschutzkommission rät Deutschland zu größeren Evakuierungszonen und mehr Jodtabletten. Nun müssen die Länder den Schutz nach einem AKW-Unfall verbessern. Kritiker fürchten, dass die Behörden auf Zeit spielen.
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DüsseldorfIhre Mahnwachen halten Atomkraftgegner üblicherweise montags ab. Doch diese Woche haben viele Aktivisten ihren Protest auf zwei Tage ausgedehnt. Denn an diesem Dienstag jährt sich die Katastrophe von Fukushima zum dritten Mal. Am 11. März 2011 hatte ein Erdbeben und ein Tsunami das Atomkraftwerk im japanischen Fukushima so schwer beschädigt worden, dass die Kühlanlagen ausfielen . In mehreren Reaktoren kam es zur Kernschmelze. Große Mengen Radioaktivität traten aus, zehntausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Überrascht verfolgte die Welt einen „GAU in Zeitlupe“ – im Gegensatz zur Explosion des Reaktors im ukrainischen Atomkraftwerk von Tschernobyl 1986. Folge des Fukushima-Unglücks war der deutsche Atomausstieg und der Beschluss, den Katastrophenschutz zu überarbeiten (Interaktiver Report: Wie eine Katatstrophe die Welt verbesserte). Ganze drei Jahre später hat die Strahlenschutzkommission (SSK) nun ihre Empfehlungen abgegeben: Größere Sicherheitszonen und eine flächendeckende Versorgung mit Jodtabletten.

Eine der wesentlichen Erkenntnissen für den Bevölkerungsschutz aus den Erfahrungen in Fukushima, heißt es in dem Bericht, sei festzuhalten, „dass die bisher für die Planung der Evakuierung angenommenen Radien nicht geeignet erscheinen.“ Entsprechend seien die Evakuierungsplanung an die größeren Radien anzupassen. „Auch die rasche Ausgabe von Jodtabletten muss durch entsprechende Planung praxisgerecht vorbereitet werden.“

Die Expertenkommission mahnt an, dass vor allem die Umsetzung der Schutzmaßnahmen auf Ebene der Kreise und Städte „stark verbesserungswürdig“ sei. Es fehle zudem „an ausreichend ausgebildetem Personal in den Notfallstationen, insbesondere an Strahlenschutzärzten“.

Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation „.ausgestrahlt“ zieht aus dem Bericht die Erkenntnis, dass „die Auswirkungen eines Super-GAU in Deutschland noch schlimmer sind, als bisher angenommen“. Er verweist im Gespräch mit Handelsblatt Online auch auf die logistischen Probleme: „Wenn zukünftig noch viel mehr Menschen im Fall der Fälle schnell ihre Heimat verlassen müssen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies organisatorisch gelingt, noch einmal deutlich kleiner als bisher schon.“ Vorausgesetzt, dass der zuständige Mann überhaupt am Einsatzort erscheint und im Katastrophenfall nicht seine Familie ins Auto packt und das Weite sucht.

Auf dem Reißbrett sieht die Notfallplanung der SSK folgendermaßen aus: Die Bewohner in einem Radius von etwa fünf Kilometern um das Kernkraftwerk seien innerhalb von sechs Stunden nach der Alarmierung vollständig zu evakuieren. Wegen der Nähe zum Reaktor seien Rettungsmaßnahmen in dieser „Zentralzone“ besonders dringlich. Bislang hat diese Zone einen Radius von zwei Kilometern. Die daran anschließende „Mittelzone“ soll von zehn auf 20 Kilometer ausgeweitet werden. Hier sei die Evakuierung so zu planen, dass sie innerhalb von 24 Stunden nach Eingang des Alarms abgeschlossen werden könne. Die „Außenzone“ soll von 50 auf 100 Kilometer ausgeweitet werden.

Besonders gefährdete Personen sollen in diesem Bereich schnell mit Jodtabletten versorgt werden, um die Aufnahme radioaktiven Jods durch den Körper zu blockieren. Kinder und Jugendliche sowie Schwangere sollen gar bundesweit diese Präparate erhalten. In der zentralen Zone soll die Versorgung mit Jodtabletten innerhalb von sechs Stunden und in der Mittelzone innerhalb von zwölf Stunden vorgenommen sein.

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  • In der Vergangenheit mussten die Fachleute für Reaktorsicherheit bei Sitzungen häufig das vortragen/abstimmen was sich die politischen Vorgesetzten ausgedacht haben.

    In diesem Sinne nehme ich an, dass die Politiker diesen Unsinn in die SSK getragen haben mit dem Ziel die Bevölkerung zu verunsichern.

  • Ich nehme an, dass Sie sich von den Medien einen Ökobären haben aufbinden lassen.

    Katastrophenschutzpläne für Reaktorunfälle werden in D durch die Länder erstellt. Der KKW Betreiber erhält die Rechnung.

    Wenn man die Reaktorunfälle von Fukushima sachlich betrachtet lag der Schaden abseits der zerstörten Reaktoren und der ausgefallenen Produktion inkl. der Sicherung und des Abbaus der zerstörten KKW und ggf. einer Umsiedlung der Einwohner v. Itate (radioaktiver Hotspot) bei 3 - 4 Mrd. $. Gem. der jap. Regierung hat man mit der grossflächigen Evakuierung, dem Austausch von Erdreich etc. einen Schaden von 128 Mrd. $ angerichtet. Was möchten Sie abdecken??
    Sofern Sie die 128 Mrd. $ von Fukushima durch 10000 Reaktorbetriebsjahre in der OECD dividieren erhalten Sie 13 Mio. $/Jahr und Reaktor, oder ca. 0.1c($)/kWh

    Infrastruktur lässt sich nicht sinnvoll versichern. Das gilt noch mehr für die wesentlich gefählicheren Studämme.

  • Das ist genau ein Punkt an dem ich die deutsche Rechtsprechung nicht so ganz verstehe.

    Wenn ich ein Straßenfest über eine gewisse Größe ausrichte, muss ich eine Sanni-Wache auf eigene Kosten ausrichten.

    Aber ein Fußballverein muss den notwendigen Polizeieinsatz nicht bezahlen.
    Und ein AKW-Betreiber muss keine Katastrophenpläne ausarbeiten und die laufenen Kosten zahlen. Abgesehen von Versicherungen für den Schadensfall.

    Würde man alle Kosten die mit dem Betrieb eines AKW einhergehen einpreisen, wäre auch der Atomstrom nicht mehr so ungemein günstig. Und der Atomausstieg würde ganz Marktkonform von statten gehen.

    Warum gibt es diese Ungleichbehandlung?

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