Lehrstellen
Schulabgänger profitieren von der Konjunktur

Die gute Konjunktur motiviert die Unternehmen, mehr Lehrlinge einzustellen. Die Industrie- und Handelskammern haben nach Information des Handelsblattes bis Ende Juni 175 000 neue Ausbildungsverträge registriert - das waren zehn Prozent mehr als zur gleichen Zeit 2006.

BERLIN. Auch das Handwerk meldet ein Plus von mehr als 13 Prozent. Dort wurden gut 56 000 Ausbildungsverträge geschlossen. Damit setzt sich die im Mai begonnene Aufwärtsentwicklung fort. Zusammen bilden Industrie, Handel und Handwerk fast 90 Prozent aller Lehrlinge aus.

"Die Chancen sind gut wie nie“, sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun dem Handelsblatt. „In vielen Regionen Deutschlands suchen die Unternehmen noch nach Bewerbern." Erfreulich sei auch die jüngste Zwischenbilanz beim Ausbildungspakt: So hätten die IHKs im ersten Halbjahr des Jahres 14 100 Betriebe neu für die Ausbildung gewonnen. Bis Ende Juni seien bereits rund 19 700 neue Ausbildungsangebote eingeworben worden. Damit seien die Aussichten, das Paktziel in diesem Jahr zu erreichen, ausgezeichnet. Davon zeigte sich auch der Präsident des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler, überzeugt.

Bei der Verlängerung des Ausbildungspaktes von 2004 um drei Jahre hatte die Wirtschaft im Frühjahr zugesichert, jährlich 60 000 „neue“ Plätze zu organisieren - doppelt so viele wie in den ersten Jahren des Paktes. Diese sind allerdings nicht automatisch auch zusätzliche Plätze, da in anderen Unternehmen wegfallende Lehrstellen nicht gegengerechnet werden.

Auch die Bundesagentur für Arbeit hatte Ende Juni vorsichtige Entspannung am Ausbildungsmarkt gemeldet: Im Gegensatz zu 2006 hatten sich dort weniger Bewerber gemeldet und mehr Unternehmen Lehrstellen angeboten. Dennoch hatte die BA, die auch mehr außerbetriebliche Plätze für Migranten finanziert, vor verfrühtem Optimismus gewarnt: Es könnte sein, dass die Unternehmen die Verträge mit den Auszubildenden vielleicht nur früher schließen. Dagegen sprechen nun die jüngsten, weiterhin positiven Daten der Kammern. Zusammengeführt werden die Statistiken von BA (Angebot und Nachfrage) und Kammern (Zahl der Verträge) erst im Winter.

Braun riet allen Jugendlichen, die noch auf der Suche sind, die Last-Minute-Lehrstellenbörsen der Kammern zu nutzen. Zugleich mahnt er Flexibilität an: Bewerber sollten auch Berufe in Betracht ziehen, die nicht zu ihren Traumjobs zählten. „Wenn es mit dem dreieinhalbjährigen Mechatroniker nichts wird, dann vielleicht mit dem zweijährigen Maschinen- und Anlagenführer." Der DIHK-Präsident appellierte, nicht schnell aufzugeben. „Wenn es bis zum Herbst nicht klappt, bieten die Nachvermittlungen von IHKs und Arbeitsagenturen noch Lehrstellen und Einstiegsqualifizierungen an." letztere sind vom Staat finanzierte Betriebspraktika, die auf die Lehrzeit angerechnet werden können. Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung sei jedoch die, offenbar nicht selbstverständliche, gründliche Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch, sagte Braun: „Von der Information über das Unternehmen bis hin zum gepflegten Erscheinen“.

2006 war die Zahl der neuen Verträge bis Ende September um knapp fünf Prozent gestiegen. Trotz der Nachvermittlung zu Beginn des Ausbildungsjahres waren zum Jahresende jedoch noch immer mehr als 17 000 Bewerber unversorgt. Die Zahl der Schulabgänger hat nach einem Rekordwert 2006 in diesem Jahr erstmals leicht abgenommen, dies wird sich in den nächsten Jahren verstärkt fortsetzen. Dau kommen jedoch die so genannten Altbewerber, die mittlerweile die Hälfte der Bewerber um eine Lehrstelle bilden.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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