Lehrstellenbedarf viel größer
Verdi: Ausbildungspakt ist unzureichend

Der zwischen Bundesregierung und Wirtschaft vereinbarte Ausbildungspakt ist von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi als unzureichend kritisiert worden.

HB BERLIN. „Das Problem mit diesem Ausbildungspakt ist, dass es nicht darum geht, in ausreichender Zahl Ausbildungsplätze zu schaffen“, sagte der stellvertretende Verdi-Vorsitzende Frank Werneke der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch in Berlin. Es gebe zwar eine Zusage der Wirtschaft, die Frage sei aber, wie verbindlich die sei. Nach allem, was sich derzeit abzeichne, werde der zusätzliche Lehrstellenbedarf sehr viel größer sein als die von der Wirtschaft zugesagten 30 000 neuen Plätze. Er halte 40 000 bis 50 000 nicht vermittelte Jugendlichen in diesem Jahr für möglich, wenn sich die bisherige Entwicklung fortsetze, sagte Werneke. Hinzu kämen noch jene rund 100 000 Jugendliche aus Warteschleifen des vergangenen Jahres, die zusätzlich auf den Ausbildungsmarkt drängten.

In dem Pakt, der am Mittwoch im Kanzleramt im Beisein von Bundeskanzler Gerhard Schröder unterzeichnet werden sollte, verpflichtet sich die Wirtschaft bis zum Jahr 2007 jährlich 30 000 neue Ausbildungsplätze zu schaffen. Für schwer vermittelbare Jugendliche sollen etwa 25 000 Praktikumsplätze angeboten werden, die von der Bundesagentur für Arbeit bezuschusst werden sollen.

„Das heißt nicht, dass 30 000 Ausbildungsplätze mehr entstehen als im vergangenen Jahr. Das ist keine Nettozahl“, sagte Werneke. Vielmehr fielen Lehrstellen in vielen Fällen dadurch weg, dass ausbildende Unternehmen nicht mehr existierten oder ihre Ausbildungskapazitäten verringerten. Die Befürworter einer gesetzlichen Ausbildungsverpflichtung fordern, dass die Arbeitgeber unter dem Strich mehr Lehrstellen anbieten müssen, um künftig alle Jugendliche mit einem Ausbildungsplatz zu versorgen. Dagegen argumentiert die Wirtschaft, dass Jugendliche oftmals nicht ihren Anforderungen entsprächen oder der Bedarf nicht so groß sei. Ein Gesetz über eine Ausbildungsabgabe lehnt die Wirtschaft ab.

Der SPD warf Werneke vor, sich mit dem gestoppten Gesetzentwurf über eine Lehrstellenabgabe mitverantwortlich für jeden nicht vermittelten Jugendlichen zu machen. „Sie hat die Chance vertan, über ein Gesetz ausreichend Ausbildungsplätze zu schaffen. Das wird auf lang Sicht zu einem massiven Glaubwürdigkeitsverlust für die Regierung führen“, sagte Werneke.

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