Lehrstellenbilanz
Streit um Bilanz des Ausbildungspakts

Bei Abschluss des Ausbildungspaktes hatte die Wirtschaft die Schaffung von jährlich 30. 000 neuen Ausbildungsplätzen sowie von 25. 000 Praktikumsplätzen für Einstiegsqualifikationen zugesagt. Die Regierung verpflichtete sich, das Ausbildungsplatzprogramm Ost mit 14.000 außerbetrieblichen Plätzen zu verlängern. Die Bundesagentur hatte zugesagt, ihre Fördermaßnahmen für drei Jahre auf dem Niveau von 2003 zu halte.

HB BERLIN. „Der Ausbildungspakt ist ein Erfolg“, sagte Bundesbildungsministerin Bulmahn (SPD) am Dienstag im ZDF. Es sei gelungen, „dass wir zum ersten Mal wirklich eine deutliche Zunahme, gerade auch von betrieblichen Ausbildungsplätzen hingekriegt haben“. Sowohl Unternehmen als auch Gewerkschaften und die Jugendlichen selbst hätten sich angestrengt. „Wir sind übereinstimmend der Meinung, dass der Ausbildungspakt ein Erfolg ist. Wir haben die Trendwende am Ausbildungsmarkt erreicht“, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) am Dienstag nach einer Sitzung der Pakt-Partner aus den Wirtschaftsverbänden und der Bundesagentur für Arbeit. Die Zusagen des auf drei Jahre angelegten Pakts seien großteils übererfüllt worden.Gewerkschaften sprechen jedoch von einer Verschlechterung der Lage, da die Anzahl der Lehrstellen insgesamt gesunken seien.

Rein rechnerisch habe es Mitte Februar noch 15. 500 Praktikums- und 4200 Ausbildungsplätze gegeben, die nicht genutzt worden seien. Dem hätten Ende Januar noch rund 12.000 Jugendliche ohne Ausbildungs- und Qualifikationsplatz gegenüber gestanden. Dabei handle es sich aber im Wesentlichen um eine rechnerische Größe beziehungsweise um Jugendliche, die für solche Stellen nicht zu gewinnen gewesen seien oder sich als Bewerber nicht abgemeldet hätten. Insgesamt seien erstmals seit fünf Jahren gemessen am Vorjahr mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen worden.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hob hervor, die Wirtschaft habe alle Zusagen mit dem Angebot von deutlich über 40.000 neuen betrieblichen Ausbildungsverträgen und von 30.000 Praktikumsplätzen übererfüllt. Dies sei trotz der Wachstumsschwäche in Deutschland gelungen. Hundt beklagte die mangelnde Ausbildungsfähigkeit vieler Jugendlicher. Immer mehr Schulabgängern fehle das nötige Rüstzeug für eine Lehre. Mit der Kultusministerkonferenz sei als Konsequenz eine engere Zusammenarbeit von Betrieben und Schulen vereinbart worden, so dass mehr Schüler die Ausbildungsreife erreichten. Ganz besonders sollten dabei Risikogruppen unter den Schülern gefördert werden. „Der Ausbildungspakt beginnt in der Schule“, sagte Hundt.

Hundt forderte, den Anteil der Schulabbrechern von derzeit zehn Prozent in den nächsten zehn Jahren auf ein Drittel dieser Zahl sowie den Anteil der Leistungsschwächeren in den Schulen von derzeit 25 Prozent ebenfalls auf ein Drittel zu senken. Ein Problem sei zudem, dass inzwischen 46 Prozent der Bewerber nicht mehr aus dem aktuellen Schulabgängerjahrgang kämen.

Das DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock kritisierten dagegen den Ausbildungspakt und seine Ergebnisse. Zwar seien mehr betriebliche Ausbildungsplätze geschaffen worden, die außerbetrieblichen Ausbildungsplätze hätten sich aber um 11,6 Prozent verringert, sagte sie dem Deutschlandradio. Damit habe sich die Relation von Bewerbern und Stellen verschlechtert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%