Lehrstellenlücke hat sich vervierfacht
In Deutschland fehlen 20 200 Ausbildungsplätze

Die Lage am Ausbildungsplatzmarkt ist ernüchternd: Nach einer Bilanz der Bundesanstalt für Arbeit (BA) fehlten zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres in Deutschland 20 200 Ausbildungsstellen. Die Lehrstellenlücke habe sich damit im Vergleich zum Vorjahr etwa vervierfacht, teilte die BA am Donnerstag in Nürnberg bei mit.

HB NÜRNBERG. BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt sagte: „Die schwache Konjunktur hat das Angebot an Ausbildungsstellen spürbar verschlechtert.“ Die Lücke fiel geringer aus als befürchtet, dürfte aber der Debatte über eine Ausbildungsplatzabgabe für die Wirtschaft neue Nahrung geben. Die Bundesregierung wollte am Abend bei einem Treffen mit Vertretern von Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden Zusagen einfordern, wie die Lücke bis zum Jahresende durch Nachvermittlungen geschlossen werden kann.

Zum Stichtag 30. September habe es 14 800 noch unbesetzte Ausbildungsstellen und 35.000 unversorgte Bewerber gegeben, teilte die BA mit. Daraus ergebe sich eine rechnerische Lücke von 20 200. Ende September 2002 hatten 5400 Ausbildungsplätze gefehlt. Allerdings war in diesem Jahr eine noch schlechtere Bilanz erwartet worden, da im August die Lücke noch bei rund 113 000 lag. Im Rahmen einer Nachvermittlungsaktion bis Ende Dezember werde die BA versuchen, jedem Bewerber ein konkretes Angebot zu machen.

Vor allem die betriebliche Ausbildung ging zurück. Von Oktober 2002 bis September 2003 wurden der BA zufolge 39.500 weniger Ausbildungsstellen gemeldet als im Vorjahreszeitraum. Dieser Rückgang gehe allein zu Lasten betrieblicher Stellen. Dennoch seien 95 Prozent aller Bewerber mit einer Ausbildungsstelle oder einer Alternative versorgt worden. 338.500 Bewerber hätten einen Ausbildungsplatz erhalten. Diese Zahl sei um 9000 geringer als im vorigen Berufsberatungsjahr.

Ausbildungsplatzabgabe abgelehnt

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat der Wirtschaft mit einem Eingreifen des Gesetzgebers gedroht, wenn diese bis Ende des Jahres nicht ausreichend Lehrstellen schafft. Bildungsministerin Edelgard Bulmahn und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (beide SPD) wollten am Abend in Berlin mit Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden beraten, wie die Lücke geschlossen werden kann.

Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Harald Schartau (SPD) und CDU-Chefin Angela Merkel sowie Industrie-Präsident Michael Rogowski lehnten eine Ausbildungsplatzabgabe entschieden ab. „Das würde zwar Geld in die Kassen bringen, wäre aber der direkte Einstieg in eine rein staatliche Ausbildung“, sagte Schartau in der ARD. „Und das will ich nicht.“ Merkel sagte am Rande eines Wirtschaftskongresses in Berlin: „Ich halte eine Lehrstellenabgabe für das falsche Mittel.“ Nötig sei vielmehr eine vernünftige Wirtschafts- und Finanzpolitik. Erst dann könnten die Betriebe aufatmen und auch wieder Lehrlingen eine Chance geben. Rogowski warnte, im Fall einer Abgabe würden Betriebe, die jetzt über ihren Bedarf hinaus ausbildeten, dies nicht mehr tun.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) erklärte, die Einzelhandels-Unternehmen hätten 70 000 Ausbildungsplätze angeboten und lägen damit auf dem Niveau von 2002. Mangels geeigneter, zum Teil auch fehlender Bewerber seien bis Ende September aber rund 7500 Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben.

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