Lehrstellenmangel
Streit um Erfolg des Ausbildungspakts

Drei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahres verschärft sich der Streit um die tatsächliche Lage auf dem Lehrstellenmarkt. Die Gewerkschaften sehen den Ausbildungspakt als gescheitert an, weil Politik und Wirtschaft „die Latte nicht hoch genug gehängt haben“, sagte DGB-Vize Ingrid Sehrbrock. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) kontert, die Lage sei besser als gedacht. Denn die jüngsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hätten einen „falschen Eindruck“ geweckt.

BERLIN. Anfang Juni hatte die BA gemeldet, die Lehrstellenlücke habe sich gegenüber dem Vorjahr „erheblich vergrößert“. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte daher, im Herbst könnten bis zu 50 000 Jugendliche leer ausgehen. Mittlerweile hat die BA jedoch klar gestellt, dass die Zahl der unversorgten Bewerber wegen der Umstellung der Software derzeit um rund 25 000 zu hoch ausgewiesen wird. Tatsächlich hätten sie bereits Zusagen für Alternativen wie Berufsvorbereitung oder Studium. Die im September zu erwartende Lehrstellenlücke wird nach Prognose der BA rund 31 000 betragen und damit nur „geringfügig höher“ ausfallen als 2005. Damals blieben 28 300 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz.

Richtig ist, dass die Wirtschaft der BA bisher rund 7500 Plätze weniger gemeldet hat als im Vorjahr. Das spiegele jedoch nicht die Realität, sagt DIHK-Präsident Ludwig-Georg Braun. Denn die Kammern registrierten zwei bis drei Prozent mehr Ausbildungsverträge. Zusammengeführt werden die Statistiken erst nach Beginn des Ausbildungsjahres. Allerdings steigt von Jahr zu Jahr der Anteil der Alt-Bewerber. Rund eine halbe Million junger Menschen bis 25 Jahre sind in Warteschleifen der BA untergebracht.

Einer Umfrage des DIHK unter 7500 Unternehmen zufolge ist das größte Problem bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen weiter die Qualität der Bewerber. Von Betrieben mit mehr als 1000 Beschäftigten hätten 63 Prozent die mangelnde Ausbildungsreife als Haupthindernis genannt. Bei kleineren Betrieben sei der Prozentsatz deutlich niedriger.

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