„Lektion der ersten Ölpreiskrise nicht gelernt“
Glos widerspricht Steinbrück bei Zinspolitik

Finanzminister Peer Steinbrück hat vor negativen Auswirkungen der erwarteten Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) auf die Wirtschaftsentwicklung gewarnt und damit Widerspruch in der Koalition und der Wirtschaft hervorgerufen. Wirtschaftsminister Glos konterte im Handelsblatt, von Zinsempfehlungen der Politik halte er überhaupt nichts.

BERLIN. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat den Einwänden von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) gegen eine Leitzinserhöhung deutlich widersprochen. Die aktuellen Entwicklungen an der Preisfront seien "in der Tat beunruhigend", sagte Glos dem Handelsblatt.

Doch komme es angesichts des massiven Ölpreisanstiegs "jetzt vor allem darauf an, diesen von außen vorgegebenen Preisschub nicht in einen allgemeinen Inflationsprozess münden zu lassen", so der Wirtschaftsminister. "Wer aber glaubt, Inflationsrisiken ignorieren zu können und damit etwas Gutes für die Konjunktur zu tun, hat die schmerzhafte Lektion der ersten Ölpreiskrise der 70er-Jahre nicht gelernt."

Zuvor hatte Steinbrück vor möglichen negativen Auswirkungen der erwarteten Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) auf die Konjunktur gewarnt. Die EZB will auf ihrer Sitzung am Donnerstag über einen Zinsschritt entscheiden.

Glos betonte: "Preisstabilität und Vertrauen in die Stabilitätsorientierung der Geldpolitik sind Grundvoraussetzungen für tragfähiges Wachstum und dauerhaft mehr Beschäftigung". Er habe "überhaupt keine Zweifel, dass die EZB hier die richtigen Stabilitätssignale senden" werde. "Von Zinsempfehlungen der Politik halte ich deshalb überhaupt nichts", sagte der Wirtschaftsminister.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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