Leopoldina in Halle
Deutschlands Nationale Akademie eröffnet

Die naturwissenschaftliche Akademie Leopoldina in Halle ist seit Montag Deutschlands Nationale Akademie. Bundespräsident Horst Köhler sagte beim Festakt: „Vor der Leopoldina liegen neue anspruchsvolle Aufgaben.“

HB HALLE. Die Leopoldina soll laut Köhler „die Wissenschaft in Deutschland auf internationalen Bühnen vertreten und die Politik in Deutschland beraten; und diese Aufgabe ist komplexer denn je.“ Bundesforschungsministerin Annette Schavan übertrug der weltweit ältesten bestehenden naturwissenschaftlich-medizinischen Akademie bei dem Festakt offiziell die Aufgaben und Funktion einer Nationalakademie. An der feierlichen Zeremonie nahmen 600 Gästen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft teil.

„Wir werden gemeinsam mit den beiden Akademien ein Koordinierungsgremium einrichten, das Beratungsthemen identifiziert und entsprechende Arbeitsgruppen bildet“, sagte Leopoldina-Präsident Volker ter Meulen. Er versprach, dass die Gelehrten-Vereinigung vorausschauend und unabhängig vom Zeitgeist denken werde, um einsatzfähig zu sein, wenn die Politik Rat sucht.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sagte zu ter Meulen: „Sie werden erleben, wie mühsam es ist, scheinbar eindeutige Fakten in der Politik mehrheitsfähig zu bekommen.“

Köhler riet der Akademie, „fachchinesische Verlautbarungen aus dem Elfenbeinturm“ zu vermeiden. Zudem müsse die Wissenschaft als guter Ratgeber „offen sein für Widerspruch und transparent im Vorgehen.“ „Eigene Interessen muss sie zurückstecken, sonst ist sie kein Berater, sondern Lobbyist“, sagte Köhler.

Der Bundespräsident ist Schirmherr der Nationalakademie, die auf gleicher Augenhöhe mit Wissenschaftsakademien anderer Länder stehen soll – etwa der britischen Royal Society in London und der französischen Académie des Sciences in Paris. Um die Errichtung einer Nationalakademie wurde jahrelang gestritten.

Im Februar hatten Bundesforschungsministerin Annette Schavan und ihre Kollegen aus den Ländern dann entschieden, der Leopoldina die Aufgabe einer Nationalakademie zuzusprechen.

Ihre Aufgabe wird es sein, die Politik wissenschaftlich zu beraten, Brennpunkte der Gesellschaft zu benennen und Empfehlungen zu geben.

Die Nationale Akademie soll mit der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften eng zusammenarbeiten.

Die 1652 in Schweinfurt gegründete, 1677 von Kaiser Leopold I. zur Reichsakademie erhobene und seit 1878 in Halle ansässige Gelehrtenakademie Leopoldina ist die älteste naturwissenschaftliche Akademie Europas. Sie führt derzeit 1300 herausragende Wissenschaftler aus aller Welt als Mitglieder, darunter 32 Nobelpreisträger.

In der Ernennungsurkunde wird auf die Traditionen der Leopoldina verwiesen. Als überregionale Akademie der Wissenschaften wird sie seit der deutschen Wiedervereinigung vom Bund und vom Land Sachsen-Anhalt getragen. Auch zu DDR-Zeiten hatte sie sich ihre Unabhängigkeit und akademische Anerkennung bewahrt. In den vergangenen Jahren hat die Leopoldina in internationalen Gremien und in Kooperation mit nationalen Akademien anderer Länder wesentliche Beiträge zu wichtigen Themen der wissenschaftlichen Politikberatung erbracht.

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