0 Bewertungen
01.12.2007 
Pisa-Test

Lesen und Mathe nur mittelmäßig

In Naturwissenschaften konnten die 15-Jährigen aufholen, doch beim Lesen und bei Mathematik sind ihre Leistungen gerade mal Mittelmaß. Das zeigt der neue Pisa-Bildungsvergleich. Positiv ist aufgefallen, dass die Schulen in Deutschland „eindeutig auf dem Weg nach oben" sind. An der Chancengleichheit der Schüler hapert es allerdings noch immer gewaltig.

Pisa: Das Ranking wird noch geheim gehalten. Foto: ArchivLupe

Pisa: Das Ranking wird noch geheim gehalten. Foto: Archiv

HB STUTTGART/BERLIN. Erneut sind Pisa-Ergebnisse vorzeitig bekannt geworden. Danach belegen die deutschen Schüler in den Fächern Lesen und Mathematik einen mittelmäßigen 14. Platz unter den 30 OECD-Staaten. Das berichtete die „Stuttgarter Zeitung“ am Samstag unter Berufung auf die Zusammenfassung der deutschen Pisa-Ergebnisse, die am kommenden Dienstag in Berlin vorgestellt werden sollen.

Korea (565 Punkte), Finnland (547) und Kanada (527) liegen demnach im Lesen mit weitem Abstand vorne. In Mathematik führen ebenfalls Finnland (548) und Korea (547) sowie die Niederlande (531) die OECD-Rangliste an. Das Ranking aller 57 Pisa-Teilnehmerstaaten werde aber nach wie vor geheim gehalten und sei in der offiziellen Zusammenfassung des Pisa-Konsortiums nicht enthalten, hieß es in dem Bericht.

Der Leiter des deutschen Pisa-Konsortiums, Manfred Prenzel, sieht die deutschen Ergebnisse außerordentlich positiv, wie die Zeitung weiter berichtete. Neben dem besseren Abschneiden der 15-Jährigen in den Naturwissenschaften fielen für Prenzel vor allem „nachweisbare Verbesserungen“ bei der sozialen Gerechtigkeit im Klassenzimmer ins Gewicht. Zwar sei der Zusammenhang zwischen Schulerfolg und Elternhaus in Deutschland nach wie vor zu stark. „Aber die Befunde zeigen eine Lockerung des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und Kompetenz“, wurde Prenzel zitiert.

Von Chancengleichheit könne jedoch weiterhin keine Rede sein, wenngleich die Hürden vor der höheren Schullaufbahn offenbar niedriger geworden seien, berichtete die Zeitung. Akademikerkinder hätten derzeit immer noch 2,7-mal bessere Chancen, ein Gymnasium zu besuchen, als Söhne oder Töchter von Facharbeitern. Im Jahr 2000 habe das Verhältnis aber noch bei 4,2 zu 1 gelegen. Die Chancen seien damals noch schlechter gewesen.

Kinder mit Migrationshintergrund hinken ihren deutschen Altersgenossen dem Bericht zufolge auch laut der aktuellen Pisa-Untersuchung stark hinterher: In den Naturwissenschaften werde der Rückstand durchschnittlich auf 73 Punkte beziffert. Allerdings stelle die aktuelle Pisa-Untersuchung auch erhebliche Leistungsunterschiede zwischen unterschiedlichen Migrantengruppen fest. Ausländerkinder der zweiten Generation hätten einen Rückstand von 95 Punkten. Migrantenkinder der ersten Generation lägen um 79 Punkte zurück. Stamme nur ein Elternteil des Schülers aus einem anderen Land, betrage die Leistungsdifferenz lediglich 25 Punkte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Reformen im Bildungsbereich müssen weitergehen

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Forum Diskussionen zu diesem Beitrag im Forum
  Alle anzeigen
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Finanzkrise: Misstrauen durchdringt all...

    Finanzkrise: Misstrauen durchdringt alle Bereiche

    Keine Frage, die Finanzkrise, die wir derzeit erleben, ist außergewöhnlich. Alle Vergleiche mit vorherigen Wirtschaftskrisen hinken. Und das Vertrauen ist zerstört, wie ein Blick auf wichtige Indikatoren des Finanzmarktes zeigt.Bildergalerie 

  • Hier versickern unsere Steuergelder

    Hier versickern unsere Steuergelder

    Ein Schwimmbad, das niemand nutzt. Gratis-Fitness für städtische Angestellte. Staatliche Tipps zum Umgang mit Wölfen ("Sie sind keine Kuscheltiere") – das neue "Schwarzbuch" des Bundes der Steuerzahler listet wieder die krassesten Fälle öffentlicher Verschwendung auf.Bildergalerie 

  • Was der Seehofer-Wechsel für Merkel bed...

    Was der Seehofer-Wechsel für Merkel bedeutet

    In Berlin steht eine Kabinettsumbildung an. Da Bundesagrarmnister Horst Seehofer (CSU) als Ministerpräsident nach Bayern wechselt, muss sein Posten in der Bundesregierung neu besetzt werden. Möglicherweise nutzt Kanzlerin Angela Merkel die Gelegenheit, um auch Veränder...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

In der loose-loose-Falle  Artikel in Merkliste

10.10.2008 von Barbara Gillmann

Die große Mehrheit, mit der die Hamburger Grünen für die Fortsetzung der Koalition gestimmt haben, verblüfft. Die Ökopartei, die im Bundestagswahlkampf vor allem mit dem Klimaschutz punkten will, riskiert, dass sie den Kredit beim Wähler auf dem für sie existienziellen Feld verliert. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Zeit für gemeinsames Handeln  Artikel in Merkliste

10.10.2008

Noch sinnen die Mächtigen der Finanzwelt auf nationale Rettungsaktionen. Doch bei ihrem Treffen in Washington müssen sie koordinierte Schritte beschließen, sonst ist der Fall der Märkte nicht zu stoppen. Kommentar