Leserbriefe zum Lucke-Interview: Liebe AfD-Freunde . . .

Leserbriefe zum Lucke-Interview
Liebe AfD-Freunde . . .

Das Handelsblatt hat zahlreiche Zuschriften zur Berichterstattung über die AfD erreicht. Online-Chefredakteur Oliver Stock antwortet mit einem Brief an die vielen Schreiber.
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Liebe AfD-Freunde,

als Sympathisanten der „Alternative für Deutschland“ gehen Sie heute auf die Barrikaden. Der Grund ist ein Interview, das Parteichef Bernd Lucke im Handelsblatt gegeben hat und über das wir in den Online- und Printausgaben ausführlich berichtet haben. Sie sehen darin ihren Vormann zu Unrecht in die rechte Ecke gedrängt. „Frechheit“ rufen Sie und das ist noch der unbekümmertste Ausdruck.

Lucke hatte in seinem Interview gesagt: „Grundsätzlich ist es gut, wenn jemand uns wählt und nicht die NPD.“ Er sieht im Einbinden rechter Protestwähler eine Funktion der AfD, denn diese seien nicht von vornherein extremistisch. „Ohne uns“, so der AfD-Chef, „gäbe es die Gefahr, dass enttäuschte Wähler, die eigentlich gar nicht rechts sind, aus Protest extremistische Parteien wählen“. Allerdings setzte sich Lucke von extremistischen Partei-Mitgliedern ab: „Ehemalige Mitglieder von NPD oder DVU lehnen wir generell als Mitglieder ab.“ Bei Ex-Republikanern würde jeder „Einzelfall“ in einem „persönlichen Gespräch“ geprüft. So haben wir es im Handelsblatt berichtet – und wir haben es auch kommentiert: „Lucke setzt darauf, dass er am rechtsextremen Rand nach Wählern fischen kann“, lautet die Bemerkung meines Kollegen Stefan Menzel dazu.

Seitdem schreiben Sie uns, Sie schreiben auch mir persönlich. In Mails in Briefen in Kommentaren lassen Sie ihrer Meinung freien Lauf  – das finde ich prima, denn wir lieben ja die Diskussion. Eine Art „the best of“ veröffentlichen wir hier schon mal und Sie können sich selbst ein Bild davon machen, wie die Diskussion verläuft. Auch ich habe einen Eindruck von dieser Diskussion gewonnen, den ich so zusammenfasse: Mit dem Fischen am rechten Rand war die AfD bereits erfolgreich. Anders kann ich mir Kommentare, die beispielsweise unsere Berichterstattung mit der Propaganda eines Joseph Goebbels vergleichen, nicht erklären.

Ich meine, die Anti-Euro-Partei und ihr Chef sollten sich deutlich von diesen falschen Freunden distanzieren. Das habe ich als Leser des Gesprächs mit Herrn Lucke vermisst. Diese Unterlassung zeigt mir, dass das Spitzenpersonal in Sachen Euro zwar geschult ist, in Sachen Strategie aber noch ganz am Anfang steht. Und ich frage mich jetzt, was so eine Gruppe anrichtet, wenn sie in politische Verantwortung gerät. Meine Ahnung war bislang, dass die Alternative für Deutschland möglicherweise eher eine Alternative gegen Deutschland ist, weil sie die Interessen unseres Landes beschädigt. Seit heute bin ich mir dessen sicher. Ich danke Ihnen für diesen Fortschritt in meiner Erkenntnis.

You made my day

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Leserbriefe zum Lucke-Interview: Liebe AfD-Freunde . . ."

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  • Schon Putzig wie die AfD Sympathisanten jeden fertig machen wollen der etwas kritisch ist und nicht ihrer Meinung ist. Erinnert mich so ganz leicht an das eine Wort na... wie war das noch.. ja Faschismus, genau... ohne jetzt jemandem unterstellen zu wollen ein Nazi zu sein.

  • Da platzt mir der Kragen. In jungen Jahren habe ich aus Protest auch einmal rechts gewählt. Also haben alle andere Parteien welche später meine Stimmen bekommen haben auch am rechten Ufer geangelt oder wie. Die Aussage besser wir als NPD spiegelt in keinster weise eine rechte Zugehörigkeit der AFD wieder. So eine Unverschämtheit. Das tatsächlich rechte Gesocks darf frei unter Polizeischutz aufmarschieren. In welchem Land lebe ich eigentlich? Und Nein! Ich gehöre nicht der Antifa an!

  • Herr Stock,

    Sie schließen daraus, dass jemand Goebbels als Negativ(!)beispiel erwähnt, dass er zu dem besagten und von Ihnen wahrgenommenen rechtsextremen Rand innerhalb der AfD gehöre. Das halte ich für einen waghalsigen Schluss. Logischer wäre doch, dass es jemand vom linken Rand oder aus der Mitte der AfD ist.

    Ebenso merkwürdig ist Ihre Argumentation, sie hätten vermisst, dass L. sich von denjenigen "falschen Freunden" distanziert hätte, die nach(!) seinem Interview in Ihrem(!) Kommentarbereich und an Ihre(!) Mailadressen gepostet haben. Außerdem schreiben da bestimmt nicht nur L.s Marionetten, von denen er der Erziehungsberechtigte ist, und für die Distanzierung von unidentifizierbaren Kommentatoren auf handelsblatt.com ist allenfalls das Handelsblatt und nicht die AfD zuständig. Zudem folgt aus einer großen Aggressivität eines Kommentators noch lange nicht, dass er rechtsextrem ist. Solche Leute gibt es bekanntlich in allen Parteien und auch außerhalb davon.

    Was ich aber an der Berichterstattung selbst kritisiere, ist: L. sagte sinngemäß, die AfD wolle in der Mitte des Sees fischen und Fische aus dem rechten Rand in die Mitte holen, um sie dort als Wählerstimmen zu "fangen". Herr Menzel hat daraus gemacht, dass die AfD sich an den extremen rechten Rand (gewissermaßen in die verbotene Sperrzone) bewege oder ausbreite, um dort zu fischen. Das ist fast schon die Umkehrung von Luckes Aussage, in jedem Fall eine erhebliche Entstellung.

    Wenn alle Parteien den anscheinend von der AfD verlangten Weg erfolgreich beschreiten würden, Stimmen von ehemaligen Wählern rechtsextremer Parteien rundweg und auf ewig als unerwünscht zu bezeichnen, dann würde das vermutlich dazu führen, dass die NPD im Bundesdurchschnitt über 5% bekommen würde, denn so hoch ist der Anteil derjenigen, die jemals rechtsextrem gewählt haben, mindestens. Man muss Leuten auch zugestehen, dass sie mal als Protestwähler einen Fehler gemacht haben und diesen Holzweg nachträglich erkannt haben.

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