Leserreaktionen
„Eine Tagesmutter ersetzt keinen Kita-Platz“

Ab August gilt der Betreuungs-Rechtsanspruch der unter Dreijährigen. Doch es gibt bereits jetzt mehr als genug Plätze, heißt es aus dem Ministerium. Stimmt das? Wir haben unsere Leser nach ihren Erfahrungen gefragt.
  • 1

Düsseldorf„Wir können damit leben“, sagt Sarah Schwarz (Name geändert). Doch gewünscht hätten sie und ihr Mann sich etwas anders: einen Kita-Platz für ihre Tochter. Denn das würde bedeuten, dass Sophia mit vielen gleichaltrigen Kindern spielen könnte. Dass es einen Spielplatz, mehr Spielfläche und Freiraum gäbe. Doch Sophia geht zu einer Tagesmutter, denn bisher hat Schwarz für ihre Tochter keinen Kita-Platz ergattern können – obwohl das Ministerium für Familie verlauten lässt, die Quoten für die Betreuung wären schon mehr als erfüllt.

Mehrere Dutzend Leser haben auf den Aufruf von Handelsblatt Online reagiert und der Redaktion ihre Erfahrungen bei der Suche nach der Kinderbetreuung geschrieben. Denn das Ministerium hatte vergangene Woche aktuelle Zahlen veröffentlicht. Demnach gibt es deutschlandweit bereits 800.000 Plätze für die Kinderbetreuung der unter Dreijährigen (U3). Damit ist die festgelegte Quote schon vor dem 1. August erfüllt, ab dann gilt der Rechtsanspruch für die Betreuung. Trotz Statistik: Es scheint so, als würden die Plätze trotzdem nicht reiche – wenigstens nicht überall.

Zum Beispiel in Oberursel bei Frankfurt am Main. Da lebt Handelsblatt-Online-Leserin Schwarz mit ihrer Familie. Schon als Schwarz schwanger war, hatte sie sich um Plätze bemüht und Kontakt mit mehreren Kitas aufgenommen. Doch bisher gab es nur Absagen. Ein Platz steht vielleicht für September 2014 in Aussicht. Doch weil Schwarz schnellstmöglich wieder arbeiten wollte, kümmerte sie sich parallel zu den Kita-Plätzen um eine Tagesmutter. „Eine zu finden, war problemlos“, sagt Schwarz. Allerdings nur, weil sie bereits einige Wochen nach der Geburt mit der Suche begann.

Es habe sogar Vorteile. Denn eine Tagesmutter sei flexibler. Für jemanden wie sie, der Vollzeit arbeite, helfe eine Betreuung von acht bis zwölf Uhr nichts. „Müsste ich bis 2014 auf einen Kita-Platz warten, wäre ich sicherlich jetzt arbeitslos, denn die maximale Elternzeit von drei Jahren endet bereits 2013. Und: Bei der Tagesmutter kann Sophia mit ihrer besten Freundin spielen. Immerhin.

Doch in einem ähnlichen Fall hat das Verwaltungsgericht Köln bereits entschieden: Eltern kann man demnach nicht auf einen Platz bei einer Tagesmutter verweisen, wenn sie für ihr Kind ausdrücklich eine Betreuung in einer Kita wünschen. Gleichzeitig sieht das Gericht den Rechtsanspruch auf einen wohnortnahen Kita-Platz für Ein- und Zweijährige nicht mehr gewährleistet, wenn dieser in der Stadt mehr als fünf Kilometer entfernt liegt. Was das jedoch praktisch heißt, muss sich erst noch zeigen.

Seite 1:

„Eine Tagesmutter ersetzt keinen Kita-Platz“

Seite 2:

Warum klappt es nicht in Lichtenwald mit der Betreuung?

Kommentare zu " Leserreaktionen: „Eine Tagesmutter ersetzt keinen Kita-Platz“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Bei allem Verständnis dafür, das jede Mutter natürlich die optimale Betreuung für ihr Kind wünscht, aber die hier geschilderten Probleme sind Luxusprobleme!
    Offensichtlich können die Kinder alle betreut werden, man wünscht es sich jedoch noch besser.
    Und wenn eine Tagesmutter preiswerter als der Kindergarten ist, dann verdient der Haushalt schon sehr gut. Was das Problem noch zusätzlich zu einem Luxusproblem macht. Denn andere Familien brauchen diesen Platz mittlerweile wesentlich dringender, weil das Familieneinkommen sonst nie reichen würde.
    Der Artikel ist ein Paradebeispiel für soziale Ansprüche von Schichten, die nicht wissen, das sie relativ sogar gesellschaftlich privilegiert sind.
    Irgendetwas läuft da was völlig falsch aus dem Ruder!
    Offensichtlich sind die Vorstellungen von sozialer Normalität bei den besseren gesellschaftlichen Schichten völlig abgekoppelt von denen der breiten Masse.

    H.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%