Letzter ARD-Talk von Günther Jauch
„Wir werden es meischtern“

Zumindest meisterte Solo-Gast Wolfgang Schäuble seinen Auftritt in Günther Jauchs letztem ARD-Talk unangefochten. Eine skurril anmutende Überraschung erwartete die Zuschauer, die über den Abspann hinaus dranblieben.
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BerlinIn den letzten Minuten wurde es doch noch spannend: Bei der rituellen Übergabe an die nachfolgenden „Tagesthemen“ erwähnte Günther Jauch das aktuelle Topthema des Sonntagabends. Kurz vor Beginn der Sendung war das Ergebnis der Hamburger Volksabstimmung zur Olympia-Bewerbung 2024 bekannt geworden. Jauchs einziger Gast, Wolfgang Schäuble, fand die Ablehnung durch die Hamburger „schade“, äußerte andererseits aber fundiert Verständnis. Warum Jauch sein live gesendetes Interview nicht mit diesem Thema begonnen hatte, blieb unklar. Der Bundesfinanzminister, aus dessen Haushalt im Fall einer erfolgreichen Bewerbung allerhand Milliarden hätten fließen müssen, wäre ein perfekter Gesprächspartner gewesen.

Stattdessen hatte Jauch in der letzten Ausgabe seiner ARD-Talkshow ein um Ausgeruhtheit bemühtes Gespräch mit dem CDU-Politiker geführt, das zwischen Themen und Epochen zeitlos hin und her sprang und auch bei aktuellen politischen Thema keinerlei Brisanz entfaltete. Von Krise, trotz des Sendungstitels „Am Ende eines Krisenjahres“, kaum eine Spur bei Jauch.

Es ging los mit der Fragen an den „dienstältesten Abgeordneten“ des Deutschen Bundestags, wie sie Reinhold Beckmann drei Jahre zuvor geschickter gestellt hatte. Wie immer, riefen Einspielfilme ein paar spektakuläre Politiker-Zitate der letzten Wochen in Erinnerung. Seine eigenen viel diskutierten Formulierungen von der Flüchtlingskrise als „Lawine“ erklärte Schäuble damit, dass er gerne frei spreche und sich nicht jedes Wort im Voraus überlege. Und was die Identität des Lawinen-auslösenden „unvorsichtigen Skifahrers“ betrifft, von dem er bei gleicher Gelegenheit gesprochen hatte, wärmte der Minister das auch schon ältere Witzchen auf, dass er die Bundeskanzlerin schon deswegen nicht gemeint haben könne, da die ja nur Langlaufski fahre.

Im gleichen Zusammenhang allerdings warf Schäuble die Frage auf, warum „merkwürdigerweise“ erst seit 2015 „immer mehr Flüchtlinge über die Türkei nach Griechenland“ kommen. Könnte es sich bei jenem Lawinen-Verursacher also um die türkische Regierung handeln? Auch das wäre gestern Abend ein so brisantes wie aktuelles Talkthema gewesen. Schließlich hatten gerade Merkel und weitere EU-Regierungschefs mit der Türkei verhandelt. Doch Jauch ging erst einmal kaum darauf ein, sondern konzentrierte sich auf den fruchtlosen Versuch, Anzeichen von Distanz zwischen Schäuble und Merkel zutage zu fördern.

Als wenig später ein Einspieler eine schon oft kommentierte Horst-Seehofer/Merkel-Szene zeigte, zu der Schäuble sich äußern sollte, zeigte der Minister sich geradezu gelangweilt. Das habe man doch schon so oft gesehen, wies er Jauch und seine Redaktion zurück: „Es wird doch nicht besser, wenn jeder noch seinen Senf dazu gibt.“

Kurzum: Wer das Gespräch nach Belieben und meist ins Allgemeine lenkte, mal an Helmut Schmidt erinnerte, mal Sentenzen von zeitloser Schön- oder zumindest Schlichtheit einstreute („Man muss ja versuchen, die Menschen zu verstehen.“), mal mit zweifellos respektablen Aussagen zum eigenen Schicksal glänzte („Eigentlich sind alle Menschen behindert. Unser Vorteil ist: Wir wissen es wenigstens.“), war Wolfgang Schäuble.

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Kommentare zu " Letzter ARD-Talk von Günther Jauch: „Wir werden es meischtern“"

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  • @ Herr Ingo Tietz, ja das sehe ich ebenfalls klar so.

  • @ Herr Ingo Tietz, gute Analyse. Hier sind viele Gedanken drin die Bekannte von mir und ich unabhängig voneinander auch so sehen. In der Verbreitung dieser Ansichten binde ich mich aktiv ein mit dem Ziel das schlimmste verhindern zu können.

  • Ja, das ist so.

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