Liberale Hayek-Gesellschaft
„Hassenswerte Subjekte und fatale Verschwörung“

Der AfD-Richtungsstreit hat Nachahmer gefunden: Auch die liberale Hayek-Gesellschaft hat mit rechtem Gedankengut zu kämpfen. Der Streit darüber ist nun eskaliert. Viele renommierte Mitglieder verlassen den Verein.
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BerlinDie liberale Hayek-Gesellschaft bricht auseinander. Grund ist ein erbitterter Streit über die richtige Abgrenzung des Vereins nach rechts. Die Auseinandersetzungen haben sich zuletzt derart zugespitzt, dass die Vorstandsvorsitzende Karen Horn, ihr Stellvertreter Michael Wohlgemuth sowie viele Ökonomen, Politiker und Unternehmer ihren Austritt aus der Gesellschaft erklärt haben.

In einer im Internet veröffentlichten „Bekanntmachung“ begründen sie ihre Entscheidung mit einer gegen Horn geführten Kampagne, in deren Verlauf „ein unerträglicher Stil“ in die Gesellschaft Einzug gehalten habe. Und es sei „ein politisches Milieu ans Licht gekommen, das mit den Zielen einer wissenschaftlichen Gesellschaft, die den Namen des Nobelpreisträgers Friedrich August von Hayek zu tragen beansprucht, nicht mehr vereinbar ist“.

Vorausgegangen waren Auseinandersetzungen über die Ausrichtung des Vereins. Die in Zürich lebende Wirtschaftspublizistin Horn hatte vor zwei Monaten in einem Beitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ unter der Überschrift „Die rechte Flanke der Liberalen“ vor einer Unterwanderung der liberalen Szene durch „Reaktionäre“ gewarnt. So würden unter dem Deckmantel des Liberalismus Vorurteile gegen Feminismus, Homosexualität und Pluralität gepflegt.

Daraufhin wurde Horn in einem offenen Brief von 25 Mitgliedern der Gesellschaft, darunter der frühere FDP-Abgeordnete Frank Schäffler, die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin und CDU-Politikerin Vera Lengsfeld und der Mannheimer Ökonom Roland Vaubel, als „autoritär“ kritisiert und zum Rücktritt aufgefordert.

Horn erklärte dazu: „Diese Mobbing-Kampagne hat ausgerechnet für die Hayek-Gesellschaft bestätigt, was ich mit meiner Warnung vor der „rechten Flanke der Liberalen“ (…) für eine breitere, sich fälschlich als liberal bezeichnende Szene beschrieben habe.“ Sie hatte gehofft, so Horn, „dass sich eine wissenschaftliche Gesellschaft, die über den politischen Dingen stehen sollte, von einem solchen Zeitgeist nicht erfassen ließe“.

Kommentare zu " Liberale Hayek-Gesellschaft: „Hassenswerte Subjekte und fatale Verschwörung“"

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  • Die Toleranz und Meinungsfreiheit wir immer größer in Deutschland. Bewußt gewollt von unseren Politiker. Ziel ist langsam, in Anlehnung an den Islam,: Tötet Leute mit anderer Meinung. Was ist nur aus unserer Umerziehung geworden?? Darf nur noch abweichene Meinung bzw. Meinung des Islams und Deutschenfeindlich gelten?

  • Meine Antwort zu diesem Thema aus einem anderen post zur gleichen Sache:------------------------------------------------------------------------------- Ich denke es wäre auch im Sinn von Hayek, wenn man die ganze Sache ruhig angeht und bei den Tatsachen bleibt. Tatsachen sind nachweisbar, nicht beweisbare Vermutungen sind schnell auch üble Nachrede. Gegenseitiges Vertrauen, das notwendig ist um Vereinigungen zusammenzuhalten bedeutet m.E. sich an vereinbarte Regeln zu halten. Es wurde auf dieser Mitgliederversammlung die Vereinbarung des "Schweigens" nach außen vereinbart. Die Mitgliederversammlung wurde aus Zeitgründen unterbrochen und die Mitglieder warten auf die Fortführung. Dies sind Tatsachen. Ein Vorsitzender........... hat ein Amt übernommen, dessen Aufgabe ist es, dem Verein und dessen Vereinszweck zu dienen. Frau Horn stieg jetzt formell während einer Mitgliederversammlung, die sich zum Schweigen verpflichtete mit öffentlichen Knall aus. Dies ist eine Tatsache.
    Ich kritisiere niemals eine Person aufgrund ihres Aussehens, Herkunft, Bildung ......, aber ich erlaube mir eine Kritik immer dann, wenn man einfach hinschmeißt und sich nicht an vereinbarte Regeln hält. Wir haben nun ein gewisses zusätzliches Dilemma innerhalb der "liberalen Gemeinde", dass durch ein ruhiges "Trennen" keinen Schaden verursacht hätte, denn jeder Mensch kann jederzeit einen Verein verlassen. Wir haben nun zwei Möglichkeiten 1. Wir schweigen und halten uns daran und Zeit heilt nun einmal Wunden 2. Wir machen weiter und beschädigen uns gegenseitig aus dem Antrieb der Eitelkeiten usw... heraus Ich persönlich bin für 1. Bis demnächst MfG WD

  • Den libertären Flügel der GOP in USA - auch genannt "tea party" - nun auch noch in den AfD-Flügelstreit einzubeziehen, scheint übertrieben. Die Unterschiede sind zu groß und auch der politische Ansatz nicht zu vergleichen. Ähnliches gilt für die Hayek-Gesellschaft.

    Die Hayek-Gesellschaft war eine gute Idee, dem klassischen Liberalismus eine weitere Plattform zu geben. Vielleicht sollten - ähnlich wie im Falle AfD - die beteiligten Führungsfiguren ihre Empfindlichkeit überwinden und noch stärker daran arbeiten, eine akzeptable Einheit darstellen zu können.

    Spalterunwesen führt immer in eine Schwächung der - mindestens teilweise noch - gemeinsamen Sache und dient allein dem politischen Gegner, dessen Schadenfreude allseits zu verspüren ist.

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