Libyen
Experten suchen nach neun Tonnen Senfgas

Das Gaddafi-Regime ist gestürzt - doch es hat tonnenweise Chemiewaffen in der libyschen Wüste hinterlassen. Deutschland will nun bei der Erkundung der gefährlichen Kampfstoffe helfen.
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BerlinDeutschland unterstützt die Erkundung von Chemiewaffenlagern in Libyen. Mit einem Bundeswehr-Transportflugzeug wurde bereits am Donnerstag ein halbes Dutzend Experten der internationalen Organisation zum Verbot chemischer Waffen (OVCW) nach Al-Dschufra geflogen. In der Nähe des Wüstenortes 700 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Tripolis soll das Regime des einstigen Machthabers Muammar al-Gaddafi neun Tonnen Senfgas deponiert haben. Unter den Spezialisten war ein Deutscher.

Dem Team wurden von deutscher Seite auch Dekontaminationsgeräte und Schutzausrüstungen zur Verfügung gestellt. „Es muss sichergestellt werden, dass im Land verstreute Waffen nicht in falsche Hände geraten“, erklärte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am Freitag in Berlin. Eine unkontrollierte Verbreitung dieser Waffen wäre eine Gefahr nicht nur für Libyen und die Region, sondern auch darüber hinaus. „Insbesondere von chemischen Waffenbeständen geht ein hohes Risiko aus. Hier ist auch internationale Expertise gefragt“, sagte der Bundesaußenminister.

Libyen war 2004 dem internationalen Übereinkommen zur Kontrolle und Vernichtung von Chemiewaffen beigetreten. Von den seither vom Gaddafi-Regime gemeldeten Senfgas-Vorkommen sind nach Angaben des Auswärtigen Amts noch neun Tonnen übrig geblieben, die komplett in Al-Dschufra lagern sollen. Hinzu kommen 800 Tonnen flüssige Vorprodukte. Ziel der Expertenmission war es zu überprüfen, ob die Angaben des Gaddafi-Regimes zu den Chemiewaffen stimmen.

Die libysche Übergangsregierung hatte vor wenigen Tagen gemeldet, dass auch nicht registrierte Chemiewaffen in der Nähe von Al-Dschufra gefunden worden seien. In Medienberichten war von einer Tonne Senfgas die Rede. Deutschland unterstützt auch die Beseitigung von Kleinwaffen und Minen in Libyen mit etwa 1,6 Millionen Euro. Die Plünderung von Waffen und Munition aus Beständen des Gaddafi-Regimes während des Bürgerkriegs sei in hohem Maße besorgniserregend und habe enorm destabilisierendes Potenzial auch für Nachbarstaaten Libyens, heißt es aus dem Auswärtigen Amt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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